Folterungen in Brixen

Man hörte die Schreie bis ins Hotel Elephant…

Freitag, 06. August 2021 | 10:47 Uhr

Brixen – Vor genau 60 Jahren ereigneten sich in Südtirol grausame Menschenrechtsverletzungen. Nach der Feuernacht 1961 wurden viele Südtiroler wahllos verhaftet und von den Carabinieri – mit ausdrücklicher Billigung der italienischen Behörden – brutal gefoltert. Die Süd-Tiroler Freiheit erinnert an den Orten des Verbrechens an die Folterungen. Gestern vor der Carabinieri-Kaserne in Brixen, in der besonders grausam gefoltert wurde. Die Schreie der Gepeinigten hörte man über den ganzen Platz bis ins Hotel Elephant. Der junge Familienvater Anton Gostner verstarb sogar an den Folgen dieser Folterungen.

Mit sechs blutroten Buchstaben F-O-L-T-E-R sowie mit einer Erklärungstafel mit einem Blut besudelten Hemd, haben die Vertreter der Süd-Tiroler Freiheit heute vor der Carabinieri-Kaserne in Brixen darauf aufmerksam gemacht, was sich in diesen Räumlichkeiten abgespielt hat. Den Familien der Freiheitskämpfer wurden damals bewusst die blutigen Kleidungsstücke heimgeschickt, um auch die Angehörigen psychisch fertig zu machen.

Als „cura speciale“ bezeichneten die Carabinieri höhnisch die grausamen Folterungen, die darauf abzielten, die Südtiroler zu erniedrigen und ihnen ihre Menschenwürde zu nehmen.

Die Schilderungen der Opfer machen noch heute sprachlos: an Lippen und Genitalien ausgedrückte Zigaretten, das Anbringen von Gewichten an den Geschlechtsteilen, tagelanges Stehen mit ausgestreckten Armen, Faustschläge und Fußtritte am ganzen Körper, tagelanger Entzug von Essen, Trinken und Schlaf, Folter mit Zangen und Riemen, Einflößen von Säure, Salzwasser und Fäkalien in den Mund, der Einsatz von Käfern unter der Haut…

Besonders grausam waren die Folterungen in Brixen. Der junge Familienvater Anton Gostner machte die Carabinieri ausdrücklich auf seine Herzerkrankung aufmerksam, was diese jedoch nicht davor zurückschreckte, ihn dennoch brutal zu misshandeln. Er durfte jedoch seine Kinder zu sich in die Kaserne rufen lassen, um sich von der Familie zu verabschieden „da er hier nicht mehr lebend herauskommen“ werde. Effektiv waren die Folgen seiner Misshandlungen so schwerwiegend, dass er im Bozner Gefängnis einen Herzinfarkt erlitt. Selbst als er schon im Sterben lag, verweigerte man ihm noch medizinische Behandlung ─ kurz darauf war er tot. Auch sein Bruder Engelbert Gostner wurde in Brixen so brutal gefoltert, dass dessen Frau im gegenüber liegenden Hotel Elephant die Schreie ihres Mannes hören konnte. Kein einziger der Folter-Carabinieri wurde jemals bestraft.

Die Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll und Myriam Atz-Tammerle, verlasen vor der Carabinieri-Kaserne die Folterberichte der gepeinigten Freiheitskämpfer und erneuerten dabei die Forderung, die Freiheitskämpfer, die vor diesen grausamen Folterungen ins Exil fliehen konnten, endlich heimzulassen.

Auch der Gemeinderat der Süd-Tiroler Freiheit von Brixen, Stefan Unterberger, hob die Verantwortung der Stadt Brixen hervor, dieses grausame Kapitel der Stadtgeschichte nicht vergessen zu lassen und durch die Anbringung einer Erklärungstafel dauerhaft sichtbar zu machen.

„Die Folterungen der Südtiroler Freiheitskämpfer durch die Carabinieri sind und bleiben eine brutale Verletzung der Menschenrechte und der Menschenwürde, die nie vergessen werden dürfen!“, erklärt die Bewegung.

Von: mk

Bezirk: Eisacktal

Kommentare

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14 Kommentare auf "Man hörte die Schreie bis ins Hotel Elephant…"


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sophie
sophie
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Sehr schlimm und nicht vorstellbar, erniedrigend Menschen so zu quälen, Unfassbares Leid mussten sie über sich ergehen lassen. Italienische Medien, glaube ich, berichten über diese Schandtaten nicht…

Chicco
Chicco
Tratscher
1 Monat 10 Tage

sophie
Medien berichten daß , was ihnen von der Chef Etage gesagt wird , und nicht nur Italienische Medien , sondern alle !!

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Wirklich übel. In Europa, nach der Nazizeit, staatliche straffreie Folter.

der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Ich denke es wäre besser ,,Folter,, auf italienisch anzubringen, so verstehen es diese auch…….glaube wir Südtiroler wissen das gefoltert wurde. 

Nichname
Nichname
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Die Carabinieri wissen schon, was sie damals angestellt haben, aber sie werden nicht gerne daran erinnert.

Lisa007
Lisa007
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

diese gehören vor den internationalen Kriegsgericht !!!!!!!

World
World
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

Wer sich gegen den Staat und dessen Gewalten auflehnt, hat ein Problem. Das ist nicht nur in Russland so. Wo man nichts hört, wurde nur “sauberer” vorgegangen

Tigre.di.montana
1 Monat 10 Tage

@World:
Die Taten Russlands sind ein ganz anderes Kaliber. Sie sind hier und heute, sie werden mit Giftanschlägen, Plutonium, Krieg, Mordlust und Einschüchterung begangen.
Du relativierst sowohl das Leiden der Menschen in Südtirol 1960 als auch die Verbrechen Russlands heute. Deine Aussage ist eine Verhöhnung, Du sagst “Alles halb so schlimm…”

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Superredner
21 Tage 21 h

Tigre
World

und die USA?
Die sind seit dem II. WK unterwegs un morden im Namen der Demokratie (Wuerde wohl eher sagen wegen OEL, u.a. Dingen)

xXx
xXx
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Dieses grausame Kapitel, nicht nur Südtirols, sondern ganz Europas, in der Nachkriegszeit darf nicht vergessen werden.
Der erste Schritt dazu wäre sich gegenseitig Verzeihen, die Vergangenheit gemeinsam aufzuarbeiten und damit aufzuhöhren ständig gegeneinander zu hetzen und da scheidet die STF genauso aus wie die Rechtspopulistischen Italienischen Parteien.

ziehpresse
ziehpresse
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

nein, der erste Schritt ist, sich dazu zu bekennen…

Lisa007
Lisa007
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

die Namen der Mörder und Folterer soll veröffentlicht werden !!!!

Tigre.di.montana
1 Monat 10 Tage

Man darf dies nie vergessen. Es geschah dies ja auch in einem damals schon vereinten Europa, im Namen der Republik, der Freiheit und der Demokratie.

sophie
sophie
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Nur Menschen können solche grausame Taten verrichten, es gibt nichts zerstörerisches als den Mensch auf dieser Welt, Traurig macht nachdenklich

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