Von: mk
Bozen/Rom – Jedes Jahr fallen in Italien laut dem Bericht The Killing von BirdLife International über fünf Millionen Vögel der Wilderei zum Opfer. Zwischen Mai und Juni kommen jährlich Dutzende Wilderer ins Trentino und nach Südtirol, um Nester von Singvögeln zu plündern. Darauf weist die SVP-Senatorin und Vorsitzende der Autonomiegruppe, Julia Unterberger, in einer Mitteilung hin
Die Jungvögel werden aus den Nestern gerissen, noch bevor sie fliegen können, in Rucksäcke gestopft und illegal nach Norditalien transportiert. Viele gehen während der Reisen ein. Die Überlebenden werden unter grausamen Bedingungen aufgezogen, oft im Dunkeln und in kleine Käfige eingesperrt. Sobald sie wieder ans Licht kommen, ist das für sie äußerst schmerzhaft und sie geben die gewünschten Schreilaute von sich.
Es handelt sich um einen organisierten und lukrativen Handel, der laut den Akteuren jedes Jahr Tausende Vögel betrifft und einen illegalen Markt speist, in dem nur ein Bruchteil der Verantwortlichen identifiziert wird.
„Die von Markus Raffeiner, Verbandsjagdaufseher des Jagdverbandes Südtirol, geschilderte Lage erklärt sehr gut, warum die Regelung zur unbegrenzten Verwendung lebender Vögel als Lockvögel bei der Jagd, die im staatlichen Jagdgesetzentwurf der Regierung enthalten ist, ein Geschenk an die Wilderei darstellt. Leider wurde mein Änderungsantrag zur Streichung dieser Bestimmung in der zuständigen Senatskommission abgelehnt. Ich werde ihn im Plenum erneut einbringen“, erklärt Unterberger.
Während die Gesetzgebung des Landes Südtirol den Einsatz von Lockvögeln verbietet, hebt der staatliche Gesetzentwurf sämtliche Begrenzungen hinsichtlich der Anzahl der gehaltenen Lockvögel auf. „Eine Entscheidung, die Kontrollen nahezu unmöglich macht und den illegalen Handel zusätzlich begünstigt“, warnt Unterberger.
Italien liegt in der Mittelmeerregion nach Ägypten an zweiter Stelle bei der Zahl gefangener und getöteter Vögel. Laut Legambiente wird nur einer von 20 Wilderern identifiziert. Italien war bereits Gegenstand von Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Union wegen der mangelhaften Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie, insbesondere beim Kampf gegen Wilderei und illegalen Handel mit Wildtieren.
„Es braucht eine klare Kehrtwende. Die Vogeljagd und der Einsatz lebender Lockvögel müssen nicht erleichtert, sondern verboten werden. Die Strafen für Wilderei müssen verschärft werden. Es handelt sich hierbei nicht um Folklore oder Tradition, sondern um einen Angriff auf die biologische Vielfalt – und um ein Verbrechen an Tieren, das entschieden bekämpft werden muss“, so Unterberger abschließend.




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