Von: APA/dpa/AFP/Reuters
Im Iran-Krieg dauert der gegenseitige Beschuss ungeachtet angekündigter Bemühungen um eine Verhandlungslösung an. In Israel wurden am Dienstag mindestens sieben Menschen durch iranische Angriffe verletzt. Die israelische Luftwaffe flog weitere Angriffe auf den Iran. Pakistan brachte sich als möglicher Austragungsort für Verhandlungen ins Gespräch. Die USA planen laut Medienberichten die Verlegung von Luftlande-Kräften in die Region, was Spekulationen über Bodeneinsätze nährt.
Im Süden Israels wurden israelischen Medienberichten zufolge mindestens drei Menschen bei iranischen Raketenangriffen verletzt, darunter ein Baby. Das iranische Staatsfernsehen hatte zuvor einen erneuten Raketenangriff auf Israel bekanntgegeben – und erklärt, mehrere der Raketen hätten Israels Abwehrsysteme überwunden.
In Tel Aviv schlugen Bestandteile von Streumunition mit hunderten Kilogramm schweren Sprengköpfen in einem dreistöckigen Gebäude ein. Dem Rettungsdienst Magen David Adom zufolge wurden dabei vier Menschen verletzt. Am Dienstagabend heulten in der Küstenmetropole und in anderen Landesteilen erneut die Warnsirenen wegen Raketenbeschuss.
Im Iran wurden einem Bericht der Nachrichtenagentur Fars zufolge mehrere Einrichtungen der Energieinfrastruktur bei Angriffen durch die USA und Israel getroffen, unter anderem in der zweitgrößten Stadt Isfahan. Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge die wichtigste Produktionsstätte für Sprengsätze im Iran angegriffen. Sie sei schon im Krieg im vergangenen Jahr Ziel eines Bombardements gewesen, teilte das Militär mit. Irans Führung sei in den vergangenen Monaten jedoch dabei gewesen, die Fähigkeiten der Anlage in Isfahan wiederherzustellen. Der Iran meldete zudem neuerlich den Einschlag eines Geschosses “innerhalb des Geländes des Atomkraftwerks Buschehr”. Bei dem Vorfall sei jedoch kein Schaden entstanden.
Bei einem iranischen Angriff auf den Golfstaat Bahrain ist emiratischen Angaben zufolge ein Mensch getötet worden. Der marokkanische Staatsbürger habe als ziviler Auftragnehmer für die Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate gearbeitet, teilte das emiratische Verteidigungsministerium im Onlinedienst X mit. Fünf Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums seien zudem verletzt worden.
Pentagon plant Luftlande-Kräfte für Nahen Osten
Das Pentagon plant nach US-Medienberichten eine Verlegung von Soldaten der 82. Luftlandedivision in den Nahen Osten. Die US-Spezialkräfte sind darauf trainiert, aus der Luft mit Fallschirmen einzugreifen. Der Plan sehe vor, dass etwa 3.000 Soldaten in den Nahen Osten geschickt werden, um Einsätze gegen den Iran zu unterstützen, berichteten mehrere Medien unter Berufung auf nicht genannte US-Beamte. Wie konkret die Pläne sind, blieb unklar.
Nach eigenen Angaben kann die 82. Luftlandedivision innerhalb von 18 Stunden nach Benachrichtigung verlegt werden. Sie hat ihren Sitz im US-Bundesstaat North Carolina im Osten der USA.
Das “Wall Street Journal” berichtete demnach, dass noch keine Entscheidung darüber getroffen worden sei, Bodentruppen in den Iran selbst zu entsenden. Die Verlegung der Soldaten eröffneten US-Präsident Donald Trump jedoch mehrere strategische Optionen.
Geht es um die Straße von Hormuz?
Das US-Medium “Politico” schlussfolgerte, der Truppenaufbau im Nahen Osten deute etwa auf eine gewaltsame Kontrolle der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormuz hin. Die “New York Times” berichtete zuerst über die Pläne im Pentagon und schrieb, die Kräfte könnten eingesetzt werden, um den wichtigsten Ölexport-Hafen Irans auf der Insel Kharg einzunehmen.
Es sind bereits Tausende Marinesoldaten in den Nahen Osten verlegt worden. Nach früheren US-Angaben befinden sich mehr als 50.000 Soldaten in der Region. Israel und die USA griffen vor gut drei Wochen den Iran an, der mit Gegenangriffen in der Region zurückschlug.
UNO-Sicherheitsrat verhandelt über Straße von Hormuz
Im UNO-Sicherheitsrat liefen am Dienstag Verhandlungen über eine Resolution zum Schutz der Handelsschifffahrt in der Straße von Hormuz. Dabei liegen zwei konkurrierende Entwürfe vor, wie aus von der Nachrichtenagentur Reuters eingesehenen Dokumenten hervorgeht. Ein von Bahrain eingebrachter und von den USA unterstützter Text sieht den Einsatz militärischer Gewalt vor, um iranische Angriffe auf Schiffe zu stoppen. Frankreich schlägt dagegen einen diplomatischeren Ansatz vor, der auf rein defensive Maßnahmen setzt und den Iran nicht namentlich erwähnt.
Trump: Iraner wollen unbedingt ein Abkommen
Im Krieg mit den USA und Israel dringt der Iran nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump auf ein Abkommen. “Wir sprechen tatsächlich mit den richtigen Leuten, und die wollen unbedingt einen Deal abschließen”, sagte Trump in Washington. In die Verhandlungen seien auf US-Seite Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance involviert, sagte Trump. “Und die andere Seite, das kann ich Ihnen sagen, die würde gerne einen Deal machen.”
Trump hatte zuvor angedrohte Angriffe auf Irans Kraftwerke verschoben und dies mit “sehr guten und produktiven” Gesprächen über eine Beilegung der Feindseligkeiten begründet. Die iranische Seite hatte dagegen Verhandlungen dementiert.
Die Verschiebung des Ultimatums von Trump um fünf Tage gilt einem Medienbericht zufolge explizit nur für Angriffe auf iranische Energieanlagen. Militärische Ziele, die Marine, Raketen und die Rüstungsindustrie seien von dem Stopp ausgenommen und würden somit weiter angegriffen, zitiert das Nachrichtenportal “Semafor” einen US-Regierungsvertreter.
Dass die iranische Seite Verhandlungen dementiert, sieht der deutsche Außenminister Johann Wadephul gelassen. Der Iran habe die Gespräche “im engeren Sinne” nicht bestritten, “sondern man nennt das dann indirekte Gespräche”. Dieser Dialog könnte “ein Wendepunkt in diesem Konflikt sein”, sagte der Minister.
Pakistan steht als Gastgeber bereit – Israel rechnet nicht mit Deal
Pakistan hat sich jedenfalls bereit erklärt, Gespräche zwischen den USA und dem Iran auszurichten. Premierminister Shehbaz Sharif teilte auf der Plattform X mit: “Vorbehaltlich der Zustimmung der USA und des Iran ist Pakistan bereit und fühlt sich geehrt, als Gastgeber für bedeutungsvolle und abschließende Gespräche zu dienen.”
Israel rechnet Insidern zufolge nicht damit, dass der Iran auf US-Forderungen eingeht. Trump sei zwar entschlossen, einen Deal mit dem Iran zu erzielen, sagten drei hochrangige israelische Vertreter am Dienstag. Der Iran werde sich darauf aber wohl nicht einlassen. Die US-Forderungen beträfen wahrscheinlich das Atom- und Raketenprogramm des Irans.
Steinmeier bezeichnet Iran-Krieg als “völkerrechtswidrig”
Derweil kritisierte der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den von Israel und den USA begonnenen Iran-Krieg außergewöhnlich scharf – und plädierte für mehr Distanz zur US-Regierung. Der Krieg sei “ein politisch verhängnisvoller Fehler” und “ein wirklich vermeidbarer, unnötiger Krieg, wenn sein Ziel denn war, den Iran auf dem Weg zur Atombombe zu stoppen”, sagte Steinmeier in Berlin. Der Iran-Krieg sei “nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig”, ergänzte Steinmeier. Er erhielt für seine Kritik Lob vom iranischen Außenminister Abbas Araqschi.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen