PAN Europe fordert sofortiges Handeln

Pestizide auf Spielplätzen: Grasproben belastet

Mittwoch, 25. März 2026 | 10:33 Uhr

Von: mk

Bozen/Brüssel – Auf Südtiroler Spielplätzen werden weiterhin Pestizide nachgewiesen. Eine aktuelle Auswertung der Daten der Südtiroler Sanitätsbehörde von PAN Europe zeigt: Im Juni 2025 waren 60 Prozent der untersuchten Grasproben belastet. In über 80 Prozent der Fälle wurden die für Lebensmittel geltenden EU-Grenzwerte überschritten. „Die Ergebnisse zeigen ein strukturelles Problem – und politischen Handlungsbedarf“, erklärt PAN-Europe Vorstandsmitglied Koen Hertoge in einer Aussendung.

Kinder im direkten Kontakt mit Pestiziden

Besonders alarmierend sei der Zeitpunkt der Belastung: Die höchsten Werte wurden im Juni gemessen – genau dann, wenn Spielplätze intensiv genutzt würden. Von 32 Proben waren 19 belastet, teils mit mehreren Wirkstoffen gleichzeitig. Insgesamt wurden sechs verschiedene Pestizide nachgewiesen.

Auch zu anderen Zeitpunkten im Jahr (März, September und November) wurden Proben entnommen, die tendenziell geringere Belastungen aufwiesen. Dies unterstreicht laut PAN Europe den Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Spritzsaison. „Es ist nicht akzeptabel, dass Kinder auf Spielplätzen mit Pestizidmischungen in Kontakt kommen können“, warnt PAN Europe.

Grenzwerte systematisch überschritten

Insgesamt wurden 31 Rückstände festgestellt – in 81 Prozent der Fälle lagen diese über den für Lebensmittel (z. B. Salat) erlaubten EU-Grenzwerten.

„Zum Zeitpunkt der Probenahme wurde Salat in Privatgärten und in der Landwirtschaft geerntet. Bei Überschreitung der EU-Grenzwerte gelten Lebensmittel als nicht sicher. Gemäß der EU-Verordnung (EG) Nr. 178/2002 dürfen jedoch nur sichere Lebensmittel mit eingehaltenen Höchstgehalten in Verkehr gebracht werden“, erklärt Hertoge.

Auch wenn es sich um Umweltproben handelt, zeigt der Vergleich laut PAN Europe deutlich die Dimension des Problems: „Was auf Lebensmitteln nicht erlaubt wäre, findet sich auf Flächen, auf denen Kinder spielen.“

Problematische Wirkstoffe nachgewiesen

Besonders häufig wurde das Fungizid Fluazinam gefunden – in mehr als der Hälfte aller Fälle und durchgehend über den Grenzwerten. Weitere nachgewiesene Stoffe (Folpet, Phtalimid, Permethrin, Penconazol, Oxyfluorfen) stehen laut PAN Europe im Verdacht, das ungeborene Kind zu schädigen, hormonell wirksam zu sein oder krebserregend zu sein.

Mehrfach wurden Kombinationen mehrerer Wirkstoffe in einzelnen Proben festgestellt. „Ein Risiko, das in der Regulierung bislang kaum berücksichtigt wird“, betont Hertoge.

Deutliche regionale Belastungsschwerpunkte

Die Auswertung zeigt klare Hotspots: Besonders betroffen sind das Unterland und der Raum Bozen, wo ein Großteil der Proben belastet war. Für PAN Europe unterstreicht dies, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein wiederkehrendes, regional konzentriertes Problem.

Forderung an die Politik

„Die Ergebnisse sind nicht länger hinnehmbar“, sagt Koen Hertoge, Präsident von PAN Europe. „Wenn auf Spielplätzen regelmäßig Pestizide nachgewiesen werden, dann versagt der Schutz sensibler Flächen. Die Landesregierung muss jetzt handeln und wirksame Maßnahmen ergreifen.“

PAN Europe fordert konsequente Schutzmaßnahmen rund um Spielplätze, eine deutliche Reduktion des Pestizideinsatzes in der Nähe sensibler Zonen und strengere Kontrollen.

„Die aktuellen Daten machen deutlich: Pestizidrückstände auf Spielplätzen sind kein Randphänomen, sondern ein wiederkehrendes Problem. Solange keine wirksamen Maßnahmen ergriffen werden, bleibt der Schutz von Kindern auf diesen Flächen unzureichend“, erklärt PAN Europe abschließend.

Bezirk: Bozen

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