Russland Präsident Wladimir Putin bei Siegesparade in Moskau

Putin sieht Ukraine-Krieg dem Ende zugehen

Samstag, 09. Mai 2026 | 22:34 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters/AFP

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine neigt sich dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zufolge dem Ende zu. Putin brachte am Samstag in Moskau zudem den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler für Gespräche zwischen Russland und der Europäischen Union ins Gespräch. “Ich glaube, dass die Angelegenheit sich dem Ende zuneigt”, sagte Putin vor Reportern in Hinblick auf den Ukraine-Krieg.

Er erklärte zudem, der slowakische Ministerpräsident Robert Fico habe ihm gesagt, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu einem persönlichen Treffen bereit sei. Man könne sich in einem Drittland treffen, sagte Putin. Voraussetzung sei aber, dass vorher eine belastbare Friedensvereinbarung gebe.

Auf die Frage, ob er zu Gesprächen mit den Europäern bereit sei, sagte Putin, die für ihn bevorzugte Person eines Vermittlers sei der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der Kreml hatte jüngst erklärt, es sei Sache der europäischen Regierungen, den ersten Schritt zu tun, da sie es gewesen seien, die 2022 nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine den Kontakt zu Moskau abgebrochen hatten.

Die Zeitung “Financial Times” hatte am Donnerstag berichtet, dass sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf mögliche Gespräche vorbereiten würden.

Putin bei Parade noch siegessicher im Ukraine-Krieg

Putin hatte sich am Samstag bei der Militärparade zum 9. Mai noch sicher gezeigt, dass Moskaus Armee den seit Februar 2022 andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine gewinnt. Sie werde bei ihrem Einsatz in der Ukraine heute inspiriert von der “Generation der Sieger” im Zweiten Weltkrieg, so Putin in scharfem Ton auf dem Roten Platz in Moskau. “Sie stellen sich einer aggressiven Macht entgegen, die vom gesamten NATO-Block bewaffnet und unterstützt wird.”

“Ich bin fest davon überzeugt: Unsere Sache ist gerecht, wir stehen zusammen, der Sieg war immer und wird immer auf unserer Seite sein” erklärte Putin zu dem nun seit mehr als vier Jahren andauernden Konflikt. Trotz der westlichen Unterstützung “marschieren unsere Helden vorwärts”, behauptete der Präsident.

Die Ukraine wird maßgeblich von NATO-Staaten, darunter vor allem Deutschland, in ihrem Abwehrkampf gegen die großangelegte russische Invasion unterstützt. Die Kampfhandlungen gelten als festgefahren in dem Krieg – ohne echte Bewegung für eine der beiden Kriegsparteien. Die Seiten haben sich aktuell unter Vermittlung von US-Präsident Donald Trump auf eine Waffenruhe bis 11. Mai geeinigt. Verstöße gab es nach Angaben des Kreml zunächst nicht.

Kampfhandlungen in der Ukraine sind festgefahren

“Der Schlüssel zum Erfolg ist unsere moralische, ethische Stärke, unser Mut und unsere Tapferkeit, unser Zusammenhalt, unsere Fähigkeit, alles durchzustehen und jede Prüfung zu bestehen”, sagte Putin. “Wir haben ein gemeinsames Ziel, jeder leistet seinen persönlichen Beitrag zum Sieg – kämpft sowohl auf dem Schlachtfeld als auch im Hinterland.”

Bisher ist allerdings nicht in Sicht, dass Putin seine Kriegsziele in der Ukraine erreicht. Auch die abgespeckte Militärparade gilt als Spiegelbild der Lage in seinem Krieg, in dem die russischen Truppen durch die ukrainische Gegenwehr zunehmend unter Druck sind. Aus Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen nahm Putin die Parade ohne die sonst zur Schau gestellten Panzer und Raketen ab. Gezeigt wurden während des Aufmarsches allerdings Videoeinspieler von den Kampfeinsätzen der russischen Streitkräfte in der Ukraine.

Schweigeminute nach Erinnerung an Sieg im Großen Vaterländischen Krieg

Auf dem Roten Platz gab es eine Schweigeminute, nachdem Putin in seiner Rede ausführlich an den Sieg der Roten Armee im Großen Vaterländischen Krieg erinnert hatte. Er gratulierte im Anschluss an die Parade, die mit einer Kampffliegerstaffel und den Farben der russischen Flagge am Moskauer Himmel endete, einzelnen Veteranen persönlich mit Händeschütteln zum 81. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges.

Fico will keinen “Eisernen Vorhang zwischen EU und Russland”

Fico verteidigte seine Teilnahme am Weltkriegsgedenken in Moskau und rief zur neuerlichen Zusammenarbeit Europas mit Russland auf. “Ich lehne einen neuen Eisernen Vorhang zwischen der EU und Russland ab”, sagte der Linksnationalist in einem Facebook-Video auf dem Rückflug aus Moskau nach Bratislava. Er und seine Regierung hätten “Interesse an normalen freundschaftlichen und gegenseitig vorteilhaften Beziehungen” zur Großmacht Russland ebenso wie zu allen anderen Ländern, die daran interessiert seien.

Die Absicht der EU, sich vollkommen von russischen Energielieferungen loszulösen, betrachte er als rein “ideologisch” und zudem “schädlich für die europäische Konkurrenzfähigkeit”. Es sei ein Fehler, “aus Hass gegen Russland eine Energie-Abhängigkeit durch eine andere zu ersetzen, diesmal eine amerikanische, die noch dazu weitaus teurer ist”.

Die Slowakei ist noch immer weitgehend von russischen Öllieferungen abhängig. Die von Fico geführte Regierung macht die Ukraine für ihre wirtschaftlichen Probleme mitverantwortlich, weil sie zum Jahresbeginn 2025 die Durchleitung von russischem Gas über ihr Territorium stoppte. Als ab Ende Jänner 2026 auch kein russisches Öl mehr über die Ukraine floss, rief die Regierung in Bratislava einen “Erdöl-Notstand” aus.

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