Von: APA/dpa/Reuters
Vor dem Hintergrund nachlassender Aufmerksamkeit für den Krieg in seinem Land ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach London gereist. “Die Regime in Russland und im Iran sind Brüder im Hass”, sagte Selenskyj am Dienstag als Gastredner im britischen Parlament. “Und wir wollen, dass Regime, die auf Hass beruhen, niemals, wirklich niemals, in irgendetwas gewinnen. Und wir wollen, dass kein solches Regime Europa oder unsere Partner bedroht.”
Nach dem Beginn des Iran-Kriegs ringt Kiew damit, dass die internationale Unterstützung nachlässt. Mehrfach bot Selenskyj den Monarchien am Persischen Golf und den USA Hilfe bei der Abwehr iranischer Drohnen an. Konkrete Vereinbarungen wurden bisher aber nicht bekannt. US-Präsident Donald Trump wies das ukrainische Hilfsangebot brüsk zurück.
Selenskyj: Ukraine kann täglich 2.000 Abfangdrohnen bauen
Auch im britischen Parlament stellte Selenskyj ausführlich die ukrainischen Erkenntnisse und Fähigkeiten etwa mit Abfangdrohnen und Seedrohnen vor. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. Insbesondere die ukrainische Flugabwehr wurde dabei modernisiert.
Die Ukraine ist Selenskyj zufolge in der Lage, täglich rund 2.000 Abfangdrohnen zu produzieren. Davon könne sein Land die Hälfte an Verbündete liefern, um deren Verteidigung zu stärken, sagte Selenskyj vor dem britischen Parlament. Zudem habe Kiew bereits mehr als 200 Luftabwehr-Experten in den Nahen Osten entsandt. Derzeit arbeite die Ukraine auch an Unterwasser-Drohnen. Die iranischen Vergeltungsschläge haben in der Region das Interesse an den kampferprobten ukrainischen Modellen verstärkt, die zur Abwehr russischer Angriffe eingesetzt werden.
“Unsere Prioritäten sind klar: mehr Sicherheit und Möglichkeiten für die Ukraine”, schrieb Selenskyj in den sozialen Medien vor seiner Rede. In Großbritannien traf der ukrainische Präsident zuvor auf den britischen König Charles III., während seiner Rede waren auch Premierminister Keir Starmer und NATO-Generalsekretär Mark Rutte anwesend.
Selenskyj: Russische Offensive vereitelt
Der Ukraine ist es nach Angaben Selenskyjs gelungen, eine für den März geplante strategische Offensive des russischen Militärs zu vereiteln. “Und auch wenn die Attacken stetig sind und die Sturmversuche anhalten, ist ihre Intensität und der Maßstab der Auseinandersetzung nicht so groß, wie die Russen das geplant und ihre Kommandanten das der politischen Führung versprochen haben”, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache am Montag.
Selenskyj bedankte sich in dem Zusammenhang bei den Einheiten verschiedener Frontabschnitte für ihre Zähigkeit und ihren Durchhaltewillen. Nach Angaben unabhängiger Militärexperten ist der Vormarsch der russischen Truppen zuletzt ins Stocken geraten. An einigen Frontabschnitten, speziell im Süden des Landes, konnten die Ukrainer demnach bei Gegenangriffen sogar Territorium zurückerobern. Die Lage bleibt für die Verteidiger aufgrund des anhaltenden Soldatenmangels allerdings schwierig.
Russischer Vertreter: Keine Region mehr vor ukrainischen Drohnen sicher
Russland meldete unterdessen einen größeren ukrainischen Drohnenangriff. In der Nacht auf Dienstag wurden laut der Nachrichtenagentur Interfax 206 ukrainische Drohnen abgewehrt. Allein 43 davon seien über der Region Moskau abgefangen worden. Russland hatte bereits in den vergangenen Tagen von größeren ukrainischen Drohnenangriffen berichtet. So wurden binnen zwei Tagen rund 250 Drohnen mit Kurs auf die Hauptstadt Moskau abgeschossen, wie die Behörden am Montag mitgeteilt hatten.
Der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Sergej Schoigu, warnte, dass wegen der Fortschritte bei der ukrainischen Drohnenproduktion keine Region Russlands mehr vor Angriffen sicher sei. Dabei verwies Schoigu vor allem auf das Tempo bei der Entwicklung und die ausgeklügelten Einsatzmethoden der Drohnen, sagte der frühere Verteidigungsminister laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS bei einem Treffen mit Behördenvertretern in Jekaterinburg.
Die Zahl der ukrainischen Sabotageakte gegen Russland sei im Jahr 2025 um 40 Prozent auf 1.830 Vorfälle gestiegen. Ein Netzwerk von Geheimdiensten aus 56 Ländern arbeite gegen Russland, um die von ihm als “Sabotage- und Terroranschläge” bezeichneten Angriffe zu ermöglichen, so Schoigu weiter. Namen von Staaten nannte er nicht. Die Ukraine hatte zuletzt verstärkt auch die russische Hauptstadt Moskau mit weitreichenden Drohnen attackiert. Zudem baut sie eigene Raketen mit längerer Reichweite, mit denen sie in den vergangenen Monaten wiederholt Ziele tief in Russland angegriffen hat.




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