Warnungen aus Teheran

Straße von Hormuz bleibt laut Revolutionsgarden geschlossen

Donnerstag, 12. März 2026 | 23:25 Uhr

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Die iranischen Revolutionsgarden halten an der Blockade der Straße von Hormuz im Persischen Golf fest. Die Kommandozentrale erklärte laut der ihr nahe stehenden Nachrichtenagentur FARS, dass sie einer Anweisung des neuen Religionsführers Mojtaba Khamenei folge. Es gab jedoch auch andere Signale: UN-Botschafter Amir Saeid Iravani erklärte, Teheran werde die Meerenge nicht schließen. Es sei aber Irans Recht die Sicherheit dort zu bewahren, sagte er vor Journalisten in New York.

Das iranische Außenministerium verlangte seinerseits, Schiffe müssten sich bei der Durchfahrt mit der Marine des Landes abstimmen, wie die Nachrichtenagentur Mehr meldet. Die USA und Israel seien für die Unsicherheit in der Region verantwortlich, was sich auf den Schiffsverkehr auswirke.

Garden künden weitere Angriffe “mit voller Kraft” an

Die Kommandozentrale der Garden teilte laut FARS weiter mit, dass alle Tanker und Schiffe, die im Persischen Golf und in der Straße von Hormuz unterwegs seien, zu ihrer eigenen Sicherheit die iranischen Vorschriften beachten müssten. Zudem kündigten sie an, ihre Angriffe gegen Ziele der USA und Israels in der Region “mit voller Kraft” fortzusetzen.

Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz ist infolge des Iran-Kriegs nahezu zum Erliegen gekommen. Die etwa 55 Kilometer breite Meeresenge zwischen dem Iran und dem Oman gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport.

Unterdessen brachte US-Finanzminister Scott Bessent einen Geleitschutz für Schiffe unter Beteiligung von Verbündeten ins Spiel. Laut US-Energieminister Chris Wright sind die Vereinigten Staaten aktuell aber noch nicht in der Lage, Tanker durch die Straße von Hormuz zu eskortieren.

Warnung an die USA

Außerdem warnten die Revolutionsgarden vor Angriffen auf den Energiesektor und die Häfen des Landes. Die Kommandozentrale der Garden erklärte laut Nachrichtenagentur Tasnim, der Iran werde im Fall des geringsten Angriffs die Öl- und Gasvorkommen der Region, an denen die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten ein berechtigtes Interesse haben, in Brand setzen und zerstören. Bereits am Mittwoch hatte Teheran Vergeltungsschläge für Angriffe auf Häfen angekündigt.

Sollte eine entsprechende US-Drohung umgesetzt werden, wäre nach seinen Worten kein Hafen oder Wirtschaftszentrum im Persischen Golf sicher, sagte Armeesprecher Abolfazl Shekarchi. Nach den Worten seines Sicherheitschefs Ali Larijani so lange gegen Angriffe verteidigen, bis die USA ihre “schwere Fehlkalkulation” bereuten, einen Krieg gegen die Islamische Republik begonnen zu haben.

“Einen Krieg zu beginnen ist zwar leicht, aber er lässt sich nicht mit ein paar Tweets gewinnen”, erklärte Larijani im Onlinedienst X mit Blick auf US-Präsident Donald Trump. Der Iran werde “nicht nachlassen”, bis die USA ihr Vorgehen bereuten.

Kontrollposten der Basij-Miliz in Teheran angegriffen

Nach eigenen Angaben flog die israelische Armee Angriffe gegen Kontrollposten der Basij-Miliz in Teheran. “In den vergangenen 24 Stunden (…) hat die israelische Luftwaffe Straßensperren und Basij-Mitglieder ins Visier genommen”, teilten die israelischen Streitkräfte am Donnerstag mit. Diese hatten laut eigenen Angaben beobachtet, dass die Miliz kürzlich Straßensperren in verschiedenen Teilen der iranischen Hauptstadt errichtet hatte.

Die israelische Armee warf der Basij-Miliz vor, für die “größten Akte der Repression” gegen die regierungskritischen Proteste im Iran verantwortlich zu sein. Bei der Basij-Miliz handelt es sich um eine Organisation von mehreren Millionen Freiwilligen, die überwiegend jüngeren Alters sind. Die Miliz ist organisatorisch mit den iranischen Revolutionsgarden verknüpft.

Bei der Niederschlagung der Massenproteste gegen die iranische Führung zu Jahresbeginn hatten die Basij-Miliz und die Revolutionsgarden eine zentrale Rolle gespielt. Dabei wurden Tausende Demonstranten getötet.

Khamenei für Netanyahu “Marionette der Revolutionsgarden”

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte Donnerstagabend, dass der Iran nach fast zwei Wochen gemeinsamer US-israelischer Angriffe “nicht mehr derselbe” sei. Die Revolutionsgarden und Basij-Kräfte hätten schwere Schläge erlitten, sagte Netanyahu bei seiner ersten Pressekonferenz seit Kriegsbeginn. Er spreche fast täglich mit US-Präsident Trump. Man wolle den Iran daran hindern, Atom- und Raketenprojekte unter die Erde zu verlegen. Israel könne Bedingungen für einen Regimewechsel schaffen, aber das iranische Volk müsse auf die Straße gehen.

Auf die Frage nach Irans neuem geistlichem Oberhaupt Mojtaba Khamenei und Hisbollah-Chef Naim Qassim sagte Netanyahu: “Ich würde keine Lebensversicherung für diese Führer abschließen.” Außerdem bezeichnete er Khamenei als “Marionette der Revolutionsgarden”. Der Religionsführer könne “sein Gesicht nicht in der Öffentlichkeit zeigen”, sagte Netanyahu. Khamenei junior soll bei einem israelischen Angriff im Iran verletzt worden sein.

Israels Angriffe im Iran könnten die Bedingungen für einen Sturz des iranischen Machtapparats schaffen. Dies hänge jedoch letztlich vom iranischen Volk ab. “Ich sage dem iranischen Volk: Der Moment, in dem ihr in die Freiheit hinausgehen könnt, rückt immer näher.”

Netanyahu sagte erneut, Ziel des gegenwärtigen Krieges sei es, dem iranischen Atom- und Raketenprogramm “tödliche Schläge” zu versetzen. Man verhindere auch Bestrebungen der iranischen Führung, dieses Programm in unterirdischen Einrichtungen zu verstecken. Israel habe auch in diesem Krieg einen ranghohen Atomwissenschaftler getötet, sagte Netanyahu, ohne Details zu nennen.

Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen gegen den Iran begonnen. Am ersten Kriegstag töteten sie den damaligen obersten Führer des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, und weitere Mitglieder der iranischen Führung. Der Iran greift seitdem mit Raketen und Drohnen Israel sowie mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region an.

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