Von: APA/dpa/Reuters
Nach gewalttätigen Gefechten zwischen Truppen der islamistischen Übergangsregierung und kurdischen Kämpfern im nordsyrischen Aleppo mit zahlreichen Toten hat die Übergangsregierung eine zeitbegrenzte Waffenruhe verkündet. Von 3.00 Uhr bis 9.00 Uhr sollte für die umkämpften Stadtteile Sheikh Maqsoud und Ashrafieh und Bani Zeid eine Feuerpause gelten, teilte das syrische Verteidigungsministerium mit. Bewaffnete Gruppen seien aufgefordert, die betroffenen Viertel zu verlassen.
Den abziehenden Kämpfern sei es gestattet, “persönliche leichte Waffen” mitzuführen. Die syrische Armee werde den Rückzug begleiten und für einen sicheren Transport in die nordöstlichen Regionen des Landes sorgen, hieß es weiter. Von kurdischer Seite gab es zunächst keine Reaktion auf die Ankündigung.
Streit über Eingliederung der kurdischen Institutionen
Am Dienstag waren in Aleppo erneut Kämpfe zwischen den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) und Regierungstruppen ausgebrochen. Hintergrund ist der Streit über eine geplante Eingliederung der kurdischen Institutionen und auch der kurdischen Kämpfer in die staatliche Ordnung.
Ein Abkommen dazu wurde bisher nicht umgesetzt. Unter Beschuss stehen vor allem die kurdischen Stadtviertel Sheikh Maqsoud und Ashrafieh und Bani Zeid. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, Zivilisten anzugreifen.
Bei den Kämpfen sollen bisher nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 43 Menschen getötet worden sein. Davon waren 23 Zivilistinnen und Zivilisten, wie die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle meldete. Auch Kinder seien unter den Toten.
Kurdische Kreise: “Belagerung, Beschuss und Vertreibung”
Kurdische Kreise bestätigten, dass die kurdischen Kräfte die besagten Stadtviertel verlassen würden. Sie beschuldigten die Übergangsregierung jedoch, gleiche Taktiken wie die gestürzte Assad-Regierung zu verwenden. “Belagerung, Beschuss und Vertreibung”, sagte eine kurdische Quelle der Deutschen Presse-Agentur.
In früheren Phasen des syrischen Bürgerkriegs ging die Regierung von Präsident Bashar al-Assad bei der Rückeroberung oppositionell kontrollierter Gebiete nach einem ähnlichen Muster vor. Städte und Stadtteile wurden oft über Monate belagert, beschossen und Versorgungswege abgeschnitten. Nach Verhandlungen folgten sogenannte “Versöhnungsabkommen”, in deren Rahmen Kämpfer und Zivilisten ihre Gebiete in von der Regierung organisierten Bussen verlassen mussten, meist in Richtung anderer Rebellengebiete im Norden des Landes.




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