Laut Trump verhandeln die USA mit dem Iran

Trump vertagt US-Angriffe auf iranische Energieanlagen

Montag, 23. März 2026 | 15:33 Uhr

Von: APA/Reuters/AFP/dpa

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, das Pentagon anzuweisen, jegliche militärische Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen. Die Aussetzung sei aber vom Erfolg laufender Treffen und Gespräche abhängig, teilte Trump am Montag mit. In den beiden vergangenen Tagen habe es gute und produktive Gespräche mit dem Iran gegeben.

Der Iran dementierte die Aussagen Trumps, wonach Verhandlungen zwischen Teheran und Washington liefen, umgehend. Es gebe keinerlei direkte Kontakte zu Trump, auch nicht über Vermittler, hieß es in Berichten der Nachrichtenagenturen FARS und Tasnim, die Irans mächtigen Revolutionswächtern nahestehen.

Die Iran-Gespräche beträfen die “vollständige und endgültige Beilegung unserer Kampfhandlungen”, erklärte Trump auf seiner Onlineplattform Truth Social. Trump erklärte, er habe das “Kriegsministerium” angewiesen, “jegliche militärischen Angriffe gegen iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur für einen Zeitraum von fünf Tagen auszusetzen, sofern die andauernden Gespräche erfolgreich verlaufen”. Die Gespräche fanden ihm zufolge “in den vergangenen zwei Tagen” statt und sollen in dieser Woche fortgesetzt werden.

Unmittelbar nach Trumps Ankündigung sank der Ölpreis drastisch. Der Preis sackte gegen Montagmittag um mehr als zehn Prozent ab. Die europäischen Börsen reagierten mit massiven Kursgewinnen, der deutsche Aktienindex machte seine Verluste seit Handelsbeginn wett und lag plötzlich mehr als ein Prozent im Plus.

Krieg der verbalen Drohungen

Die Revolutionsgarden hatten zuvor mit Angriffen auf israelische Kraftwerke und die Stromversorgung von US-Stützpunkten am Persischen Golf gedroht und damit Trump gekontert. Sollte Trump seine Drohung wahr machen und das iranische Stromnetz zerstören, werde in gleichem Maße zurückgeschlagen, hatte die Elitestreitmacht der Islamischen Republik zuvor am Montag mitgeteilt. “Wenn ihr die Stromversorgung angreift, greifen wir die Stromversorgung an.”

Ein Angriff auf die iranische Südküste oder die Inseln des Landes würde nach Angaben des iranischen Verteidigungsrates zudem zur Verminung der Seewege im Golf führen. Jeder Versuch eines Angriffs habe den Einsatz verschiedener Seeminen zur Folge, darunter auch von der Küste ausgesetzte treibende Minen, hieß es am Montag in einer von staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. In diesem Fall werde der gesamte Golf für lange Zeit unpassierbar sein.

Hintergrund ist ein Bericht des Nachrichtenportals “Axios”, wonach die USA eine Blockade oder Besetzung der wichtigsten iranischen Ölexport-Insel Kharg erwägen, um eine Öffnung der Straße von Hormuz zu erzwingen. Nicht kriegführende Staaten können die Meerenge dem Rat zufolge weiterhin nur nach vorheriger Abstimmung mit dem Iran passieren.

Von früheren Drohungen gegen Meerwasserentsalzungsanlagen in der Region rückten die Revolutionsgarden hingegen ab. Der US-Präsident habe behauptet, der Iran wolle der Bevölkerung in den Nachbarländern Leid zufügen, hieß es in einer von staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. Trump hatte der Führung in Teheran am Samstag ein Ultimatum gestellt: Sollte die strategisch wichtige Straße von Hormuz nicht binnen 48 Stunden wieder vollständig für die Schifffahrt geöffnet werden, würden die USA iranische Kraftwerke vernichten. Die Frist läuft um 00.45 Uhr MEZ in der Nacht auf Dienstag ab. Die gegenseitigen Angriffe gingen unterdessen unvermindert weiter.

Angriff auf Stromanlagen hätte drastische Folge am Golf

Die faktische Blockade der Meerenge, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases transportiert wird, hat bereits eine schwere Ölkrise ausgelöst. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, stuft sie als sehr gravierend ein. Sie sei schwerer als die beiden Ölschocks in den 1970er-Jahren und die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Gasversorgung zusammen, so Birol.

Ein Angriff auf die Stromversorgung hätte für die Golf-Staaten katastrophale Folgen, da Länder wie Bahrain und Katar ihren Trinkwasserbedarf zu 100 Prozent aus stromintensiven Meerwasserentsalzungsanlagen decken. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind es mehr als 80 Prozent, in Saudi-Arabien 50 Prozent.

Der von den USA und Israel Ende Februar begonnene Krieg hat bisher mehr als 2.000 Menschen das Leben gekostet. Er hat die globalen Märkte in Aufruhr versetzt und Sorgen vor einem weltweiten Inflationsschub geschürt. Parallel dazu liefert sich Israel heftige Gefechte mit der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon. Ein israelischer Militärsprecher stellte sich auf eine längere Auseinandersetzung ein. Man erwarte noch wochenlange Kämpfe gegen den Iran und die Hisbollah, erklärte er. Die Miliz, die sich am 2. März in den Krieg einschaltete, hat seitdem Hunderte Raketen auf Israel abgefeuert. Am Montag verkündete sie Angriffe auf israelische Grenzgebiete.

Moskau und Peking für Deeskalation

China warnte vor einer weiteren Eskalation. “Sollte sich der Krieg ausweiten und die Lage sich erneut verschlechtern, könnte die gesamte Region in eine unkontrollierbare Situation stürzen”, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Lin Jian am Montag vor Journalisten auf Nachfrage zu Trumps Ultimatum.

Peking ist zwar ein Verbündeter der Führung in Teheran, erklärte aber auch, dass China die iranischen Angriffe auf Golf-Staaten, in denen sich US-Militärstützpunkte befinden, “nicht gutheißt”. Trump wollte im März eigentlich nach Peking reisen, die Reise wurde jedoch angesichts des Iran-Krieges verschoben.

Russland rief dazu auf, diplomatische Lösungen zu finden. “Wir sind der Ansicht, dass die Situation in eine politische und diplomatische Lösung hätte übergehen müssen”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Nur dies könne “wirksam zur Entschärfung der katastrophal angespannten Lage in der Region beitragen”.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow äußerte sich besorgt über eine mögliche Ausweitung des Iran-Kriegs auf die Region Kaspisches Meer. Sein iranischer Amtskollege Abbas Araqchi habe dieser Besorgnis in einem Gespräch am Montag zugestimmt, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Der Konflikt sei von den USA und Israel provoziert worden.

Das Kaspische Meer grenzt im Norden an Russland und im Süden an den Iran. Auch die früheren Sowjetrepubliken Kasachstan, Aserbaidschan und Turkmenistan liegen am Kaspischen Meer. Lawrow warnte zudem vor Angriffen auf die iranische Atominfrastruktur, darunter das Kraftwerk in Bushehr. Solche Angriffe stellten ein inakzeptables Risiko für die Sicherheit des russischen Personals dort dar und seien mit katastrophalen Folgen für die Umwelt verbunden.

Der staatliche russische Atomkonzern Rosatom bereitet laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur TASS den Abzug von Mitarbeitern aus dem AKW Bushehr in mehreren Phasen vor. Es sei geplant, nur wenige Dutzend Personen in der Anlage zurückzulassen, wurde Rosatom-Chef Alexej Lichatschow zitiert.

Einsatz zur Öffnung der Straße von Hormuz für London nicht in Sicht

Der britische Premierminister Keir Starmer bremste Erwartungen auf einen schnellen Einsatz in der von Iran teilweise gesperrten Straße von Hormuz. Jeder Versuch, die Straße von Hormuz wieder zu öffnen, setze sorgfältige Überlegung und einen tragfähigen Plan voraus, sagte er. Oberste Priorität bestehe darin, britische Interessen zu schützen und die Lage zu deeskalieren.

Der Anrainerstaat Oman arbeitet nach eigenen Angaben indes daran, die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus zu sichern. “Der Oman arbeitet aktiv daran, Vorkehrungen für eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu treffen”, schrieb Außenminister Badr al-Busaidi, im Onlinedienst X. Der Oman hatte vor dem Krieg bei letzten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über das iranische Atomprogramm als Vermittler agiert.

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