Von: APA/dpa/AFP
US-Präsident Donald Trump hat seine ultimativ angedrohten Angriffe auf iranische Kraftwerke und Energieinfrastruktur verschoben – wegen nach seinen Worten “produktiver Gespräche” mit der Islamischen Republik. Das ursprünglich in der Nacht auf Dienstag (MEZ) auslaufende Ultimatum an den Iran zur Öffnung der für den internationalen Schiffsverkehr wichtigen Straße von Hormuz setzte Trump für fünf Tage aus. Der Iran dementierte Gespräche mit den USA.
Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf dementierte: Es habe keine Verhandlungen mit den USA gegeben. “Fake News” würden genutzt, um die Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren und dem “Sumpf zu entkommen, in dem die USA und Israel feststecken”. Beide Staaten hatten die Islamische Republik vor drei Wochen angegriffen.
Auch vom Außenministerium in Teheran hieß es laut staatlicher Nachrichtenagentur Irna, dass es keine Verhandlungen oder Gespräche mit den USA in den letzten 24 Tagen gegeben habe. Irans Positionen hinsichtlich der Straße von Hormuz und der Beendigung des Krieges seien unverändert.
Trump: Einigung in 15 Punkten
Trump wies nach eigenen Worten das Verteidigungsministerium an, alle Attacken auf Kraftwerke und die Energieinfrastruktur auszusetzen. Er sprach von “detaillierten und konstruktiven Gesprächen” mit der Islamischen Republik, die in dieser Woche fortgesetzt werden sollen. Die Aussetzung der Angriffe stehe unter dem Vorbehalt des Erfolgs weiterer Treffen und Verhandlungen.
Die USA und der Iran sind sich nach Trumps Darstellung bei rund 15 Punkten einer möglichen Vereinbarung einig geworden. “Sie werden nie Atomwaffen haben. Sie haben dem zugestimmt”, sagte der Republikaner vor Reportern in Florida. Es gebe wesentliche Übereinstimmungen in den meisten Punkten.
Gespräche laut Reporter mit Parlamentspräsident Ghalibaf
Bei den Gesprächen sei von US-Seite der Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner dabei. Die beiden hatten im Duo im Gaza-Krieg verhandelt. “Axios”-Reporter Barak Ravid berichtete unter Berufung auf Informationen aus Israel, dass sie mit Parlamentspräsident Ghalibaf sprechen.
Trump sagte dazu, man verhandle mit einer Person, von der er nach eigenen Angaben glaubt, dass sie die Angesehenste sei. Es handle sich nicht um den neuen obersten Führer, Mojtaba Khamenei. Trump sagte weiter, der Iran wolle unbedingt einen Deal zur Beendigung des Kriegs – und die USA auch. Man werde am heutigen Montag voraussichtlich miteinander telefonieren.
Trump führte auch aus, dass die USA das angereicherte Uran, das sich im Iran befinde, übernehmen wollen. Und er zeigte sich zuversichtlich, dass Israel von einem möglichen Deal ebenfalls überzeugt sein werde. Die USA und Israel begründen ihren Krieg unter anderem mit dem Ziel, den Iran am heimlichen Bau von Atomwaffen hindern zu wollen. Teheran bestreitet solche Absichten.
Trump hatte 48-Stunden-Frist gesetzt
Die iranische Nachrichtenagentur Fars zitierte eine anonyme Quelle im iranischen Machtapparat, wonach Trump mit seinem Ultimatum zurückgerudert sei, nachdem er gehört habe, dass alle Kraftwerke in Westasien Ziele iranischer Angriffe sein würden. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim schrieb, Trump habe sich “vom Druck der Finanzmärkte” überzeugen lassen.
In der Nacht zum Sonntag (MEZ) hatte Trump mit der Zerstörung seiner Energieanlagen gedroht, sollte das Land nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormuz vollständig und “ohne Drohungen” öffnen. Andernfalls würden die USA Irans Kraftwerke angreifen und zerstören, “beginnend mit dem größten!”, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Märkte und EU atmen auf
Die Märkte reagierten umgehend: Der Ölpreis sackte nach Trumps Online-Post gegen Montagmittag um mehr als zehn Prozent ab. Die europäischen Börsen reagierten mit massiven Kursgewinnen. Der deutsche Aktienindex machte seine Verluste seit Handelsbeginn wett und lag zwischenzeitlich mehr als ein Prozent im Plus. Die New Yorker Wall Street eröffnete ebenfalls mit Gewinnen.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte Trumps Umdenken. Er habe am Sonntag mit dem US-Präsidenten telefoniert und ihm die deutschen “Bedenken im Hinblick auf die angekündigten Angriffe auf die Kraftwerke im Iran vorgetragen”, sagte Merz in Berlin. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von einer “sehr erfreulichen Entwicklung”. Jegliche Angriffe auf die Infrastruktur würden “Chaos in der Region” verursachen und den Krieg “noch weiter eskalieren”, sagte sie am Rande eines Besuchs in Nigeria.
Iran wollte zurückschlagen
Der Iran hatte seinerseits am Sonntag mit der vollständigen Schließung der Meerenge gedroht, falls die USA iranische Kraftwerke angreifen sollten. Die Straße von Hormuz werde erst dann wieder geöffnet, wenn die bereits jetzt zerstörten Kraftwerke wieder aufgebaut seien, teilten die iranischen Revolutionsgarden über den Staatssender Irib mit.
Davor hatte Teheran schon damit gedroht, Energieinfrastruktur und Entsalzungsanlagen in den mit den USA verbündeten Golfstaaten ins Visier zu nehmen. Angesichts des Wassermangels in der Region gehören Entsalzungsanlagen dort zur kritischen Infrastruktur.
Netanyahu kündigt nach Telefonat mit Trump Fortsetzung der Angriffe an
Israelis Regierungschef Netanyahu kündigte derweil eine Fortsetzung der Angriffe auf Ziele im Iran und im Libanon an. Er habe am Montag mit Trump telefoniert, sagte Netanyahu. Trump sei der Ansicht, dass es eine Chance gebe, die “enormen Erfolge” der israelischen und US-Armee zu nutzen, “um die Kriegsziele in einem Abkommen zu verwirklichen”. Ein solches Abkommen werde “unsere vitalen Interessen sichern”.
Der israelische TV-Sender N12 berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass das Land Sorge vor einem Abkommen habe, in dem Irans hochangereichertes Uran nicht berücksichtigt werde. Israel will verhindern, dass Teheran Atomwaffen entwickelt. Die iranische Regierung bestreitet solche Absichten. Laut dem Sender arbeitet Israel daran, sicherzustellen, dass ein möglicher Deal Israels Bedingungen entspricht.
Israels Militär beendet weitere Angriffswelle im Iran
Israels Luftwaffe nahm laut Militärangaben am Montag wieder Stellungen der iranischen Führung ins Visier. Eine weitere Angriffswelle auf Ziele in Irans Hauptstadt Teheran sei beendet worden, teilte die israelische Armee am Abend mit. Zuvor hatte sie am Nachmittag neue Angriffe dort gemeldet.
Ins Visier genommen habe das Militär dabei ein Hauptquartier der iranischen Revolutionsgarden, hieß es nun. Dieses soll sich den Angaben zufolge inmitten ziviler Infrastruktur befunden haben. Vom Hauptquartier aus seien unter anderem die Basij-Einheiten von dort aus befehligt worden. Die paramilitärische Basij-Miliz ist für ihr hartes Vorgehen gegen die Proteste im eigenen Land bekannt.
Iran feuerte wieder Raketen auf Israel
Der Iran hatte am Morgen und Vormittag auch wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Viele Menschen im Land mussten sich deshalb zeitweise in Schutzräume begeben. Berichte über Verletzte bei dem Beschuss aus dem Iran gab es zunächst nicht.
London schickt Luftabwehrsysteme in mehrere Golfstaaten
Großbritannien entsendet Luftabwehrsysteme für Kurzstrecken-Raketen zum Schutz seiner Verbündeten in mehrere Golfstaaten. Die Systeme sollten “rasch” an Bahrain geliefert werden, sagte der britische Premierminister Keir Starmer am Montag in einem Parlamentsausschuss in London. Auch Kuwait und Saudi-Arabien würden beliefert.
Großbritannien hat den USA auch die Nutzung britischer Militärbasen für den Krieg gegen den Iran erlaubt. Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen den Iran-Krieg begonnen. Teheran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion. Unter anderem beschoss die iranische Seite Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker.




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