Von: APA/dpa/Reuters/ANSA
Der neue Oberste Führer des Iran, Mojtaba Khamenei, ist nach US-Angaben verwundet worden. “Wir wissen, dass der neue, sogenannte, nicht mehr ganz so Oberste Führer verletzt und vermutlich entstellt ist”, erklärte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Freitag in einer Pressekonferenz. Die von Khamenei veröffentlichte Erklärung sei “schwach”. “Es gab keine Stimme und kein Video. Es war eine schriftliche Erklärung”, sagte er.
US-Präsident Donald Trump geht einem Medienbericht zufolge davon aus, dass der Iran kurz vor der Kapitulation steht. Dies habe Trump den Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten am Mittwoch in einer Telefonkonferenz gesagt, berichtete das Nachrichtenportal Axios am Freitag. Trump habe erklärt, er habe “einen Krebs beseitigt, der uns alle bedroht hat”. Da niemand mehr wisse, wer im Iran die Führung innehabe, gebe es auch niemanden, der die Kapitulation verkünden könne.
Der 56-jährige Mojtaba Khamenei war am Sonntag zum Obersten Führer des Iran und Nachfolger seines am 28. Februar getöteten Vaters Ali Khamenei ernannt worden. Er ist bisher allerdings nicht öffentlich aufgetreten. Im Iran selbst sorgt die Abwesenheit des neuen Führers für Unbehagen. Aus Führungskreisen ist zu hören, dass die Ernennung eines womöglich schwer verletzten Führers, der nicht öffentlich in Erscheinung tritt, auf Kritik stößt.
Revolutionsgarden halten an Hormuz-Blockade fest
Die iranischen Revolutionsgarden halten an ihrer Blockade der Straße von Hormuz fest, einer Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Die Kommandozentrale der Garden erklärte laut der ihr nahe stehenden Nachrichtenagentur FARS, dass sie einer Anweisung des neuen Religionsführers Mojtaba Khamenei folge. Der Schiffsverkehr durch die für den weltweiten Ölexport wichtige Straße von Hormuz ist nahezu zum Erliegen gekommen. Die USA sind nach Angaben von Energieminister Chris Wright noch nicht in der Lage, Tanker durch die Meerenge zu eskortieren.
Die Ölpreise sind infolge des Krieges stark gestiegen. Die iranischen Revolutionsgarden warnten vor Angriffen auf den Energiesektor und Häfen des Iran. Der Iran werde im Fall des geringsten Angriffes die Öl- und Gasvorkommen der Region in Brand setzen und zerstören, erklärte die Kommandozentrale der Garden laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim.
Merz gegen internationalen Militäreinsatz für Handelsschiffe
Im Ringen um eine Öffnung der Straße von Hormuz für den Öl-Transport sieht Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz derzeit keinen Anlass für einen internationalen Militäreinsatz zum Schutz von Handelsschiffen. Angesichts der ungeklärten Fragen zum Ende des Konflikts sehe er keine Veranlassung, über eine militärische Absicherung der Seewege nachzudenken, sagte der CDU-Politiker bei einem Besuch in Norwegen. Die Idee einer internationalen Operation wird vor allem von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verfolgt.
Zugleich machte Merz erneut klar: “Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges und wir wollen es auch nicht werden.” “Und insofern sind alle unsere Bemühungen darauf gerichtet, den Krieg zu beenden. Und genau darüber sprechen wir sowohl mit der amerikanischen Regierung als auch mit der israelischen Regierung.”
Erneut Unterstützer der Führung in Teheran auf den Straßen
Trotz anhaltender Luftangriffe gingen in Teheran erneut Tausende Regierungsanhänger zu israelfeindlichen Demonstrationen auf die Straßen. Die Kundgebungen finden jedes Jahr anlässlich des sogenannten Al-Quds-Tages statt, den der frühere Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini 1979 eingeführt hatte. Die staatlich organisierten Proteste richten sich gegen Israel und fordern die “Befreiung Jerusalems”.
Al-Quds ist der arabische Name für Jerusalem. Hintergrund ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967.
Türkei zum dritten Mal Ziel einer Rakete
Erneut ist ein aus dem Iran abgefeuertes ballistisches Geschoss im Luftraum der Türkei von einem NATO-Abwehrsystem abgefangen worden, wie das türkische Verteidigungsministerium mitteilte. Das ist der dritte Vorfall in der Türkei dieser Art seit der vergangenen Woche. Wo genau die Rakete abgefangen wurde, sagte das Ministerium nicht.
Zuletzt war eine ballistische Rakete am Montag im türkischen Luftraum zerstört worden. Am Mittwoch vergangener Woche wurde zudem eine Rakete im Grenzgebiet zum Iran vom NATO-Abwehrsystem abgefangen. Nach türkischen Angaben kamen die Raketen aus dem Iran.
Die Türkei verhält sich eigentlich im Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran neutral und hat sich lange um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemüht.
US-Soldaten sterben bei Absturz eines Tankflugzeugs
Beim Absturz eines Tankflugzeugs der US-Streitkräfte im Westen des Iraks kamen sechs Besatzungsmitgliedern ums Leben, wie das für die Region zuständige US-Kommando (Centcom) auf X mitteilte. Die Umstände des Absturzes des Flugzeugs vom Typ KC-135 am Donnerstag würden noch untersucht. Der Verlust sei jedoch weder auf feindlichen Beschuss noch auf Beschuss von Verbündeten zurückzuführen.
Bilanz: Bisher 1.900 Tote im Libanon und im Iran
Seit Beginn des Krieges im Nahen und Mittleren Osten sind im Iran und im Libanon nach Angaben nationaler Behörden knapp 1.900 Menschen ums Leben gekommen. Das berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Im Iran seien 1.255 Menschen getötet und mehr als 15.100 verletzt worden, hieß es. Mehr als 100.000 Menschen seien innerhalb des Landes auf der Flucht.
Im Libanon sind laut der WHO 634 Todesopfer und mehr als 1.586 Verletzte gemeldet worden. Die WHO berichtete von mehr als 800.000 Binnenvertriebenen. Im Iran-Krieg sind nach Angaben eines UN-Vertreters bisher fast 22.000 zivile Gebäude im Land beschädigt worden. Darunter seien mehr als 17.000 Wohneinheiten, berichtete Salvador Gutierrez, Repräsentant der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Teheran.




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