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Wieder ein Verbündeter weniger

Dienstag, 06. Januar 2026 | 01:47 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Entmachtung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA mag zwar einen Bruch des Völkerrechts darstellen. Für Kreml-Despot Wladimir Putin kommt sie jedoch alles andere als gelegen. Russland scheint nach dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 auch im heurigen Kriegsjahr weitere Niederlagen einstecken zu müssen.

Maduros Entführung aus Venezuela gelang trotz der Luftabwehr, die von Russland zur Verfügung gestellt worden war. Sicherheitskräfte, die für die Regierung zuständig waren, wurden zum Teil vom russischen Geheimdienst ausgebildet. Erst im Oktober haben beide Länder ihre „strategische Partnerschaft“ untereinander bekräftigt. Nach dem Sturz vom syrischen Machthaber Baschar Hafiz al-Assad verliert der Kreml nun einen weiteren Verbündeten im Ausland.

Doch damit nicht genug. Auch Im Iran erwägt der geistliche und politische Führer Ajatollah Ali Chamenei offenbar eine Flucht nach Russland angesichts der zunehmenden Proteste gegen das Regime in Teheran.

Peking könnte sich für Russland ebenfalls als wackeliger Partner erweisen, wie “The Analyst” auf Bluesky schreibt. China hat selbst mit ökonomischen Schwierigkeiten, mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit, mit Provinzverwaltungen nahe am Bankrott, mit einer hochverschuldeten staatlichen Industrie sowie mit Überalterung und Unzufriedenheit in der Gesellschaft zu kämpfen. Nur der Export hält Chinas Wirtschaftsmotor am Laufen, wobei noch immer Sekundärsanktionen drohen. Wie andere autoritäre Staaten versucht auch China von inneren Schwierigkeiten mit einer aggressiven Außenpolitik abzulenken – in diesem Fall auf Kosten Taiwans.

Russland droht außerdem das Ende seiner engen Beziehungen zur Türkei, die ihre Abhängigkeit von russischem Öl und Gas mittlerweile bewusst reduziert. Zudem schwindet in Ankara die Bereitschaft, bei Finanztransaktionen und sanktionierten Gütern weiterhin beide Augen zuzudrücken. Die Türken zeigen sich verärgert über russische Drohnen, die ihren Luftraum verletzen, und haben das Gefühl, dass Putin bei Friedensverhandlungen nicht mitspielt.

Selbst in zentralasiatischen Staaten tanzt man nicht mehr nach der Pfeife des Kremls. Insbesondere Kasachstan setzt Sanktionen konsequent durch, vor allem bei chinesischen Drohnenbauteilen auf dem Landweg sowie bei westlicher Technologie. Zwar versucht man, sich bis zu einem gewissen Punkt abzusichern, ist aber letztlich auf den Zugang zu westlichen Märkten angewiesen – sowohl für die eigenen Energieexporte als auch für spezielle Güter aus dem Westen. Hinzu kommt die Bedeutung der wachsenden und sehr profitablen Tourismusbranche. Dies zeigt, wie Russlands Einfluss weiter schrumpft.

Bezirk: Bozen

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