Kritik an Massenunterhaltung in den Bergen

WWF Trentino-Südtirol warnt vor bedenklicher Entwicklung im Winter

Samstag, 03. Januar 2026 | 12:08 Uhr

Von: mk

Bozen/Trient – Der WWF Trentino-Südtirol schlägt Alarm: Der Wintertourismus in unserer Region entwickle sich immer mehr zu einem unkontrollierten Massenphänomen – mit unerwünschten Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensqualität für Einheimische.

In den vergangenen Monaten sei es wiederholt zu Vorfällen gekommen, die darauf hinweisen, dass die Touristenströme und die damit verbundenen Angebote ein akzeptables Limit in Sachen Nachhaltigkeit überschritten hätten. Besonders kritisch bewertet der WWF das Phänomen, dass die Berge zunehmend als Kulisse für Unterhaltungsangebote missbraucht würden, wie man sie ursprünglich eher im städtischen Nachtleben kennt. Diese Entwicklung entfremde die Orte ihrer ursprünglichen Kultur und missachte die ökologische Empfindlichkeit alpiner Gebiete, heißt es in einer Aussendung.

Die Produktion von technischem Schnee zur Präparierung der Pisten werde außerdem immer aufwändiger. Speziell prangert der WWF Umweltsünden wie den Einsatz von Hubschraubern für den Transport von Schnee auf Pisten an – aber auch Motorsport-Events oder Paraden mit Pistenraupen, die von Feuerwerken in Waldnähe begleitet werden.

Der WWF verweist außerdem auf vermehrte Vorfälle von Gewalt und Aggression gegenüber Buschauffeuren und Personal im öffentlichen Nahverkehr, die auf Strecken in die Skigebiete stattgefunden haben. Teilweise sei es sogar zu Ausfällen von Fahrten gekommen.

Insgesamt handle es sich nicht um isolierte Einzelvorfälle, sondern um Symptome eines Tourismusmodells, das aus dem Gleichgewicht geraten sei, warnt der WWF vor Gefahren des “Overtourism”.

Forderungskatalog für sanften Tourismus

Um die Belastung zu reduzieren, verlangt der WWF, jene Formen von Tourismus einzuschränken, die ökologisch und sozial nicht nachhaltig sind, wobei der Begriff „Nachhaltigkeit“ genau definiert werden sollte. Gleichzeitig sollte für einen respektvollen Umgang mit den Bergen geworben werden. Zudem verlangt der WWF nach Regeln, die Kapazitätsgrenzen in bestimmten Gebieten gerecht werden.

Konkret schlägt der WWF Event-Checklisten für Gemeinden vor: Gemeinden sollten Veranstaltungen nur dann genehmigen, wenn strenge Kriterien wie Lärmschutz, das Vorhandensein eines Abfallkonzepts, ein Verbot von Feuerwerk oder Shuttle-Pflicht erfüllt sind.

Zur Verkehrslenkung plädiert der WWF für die Einführung regulierter Parkplätze mit gestaffelten Gebühren für Einheimische und Touristen. Die Berge seien aus wirtschaftlicher Sicht zwar eine wichtige Ressource, dennoch handle es sich um ein fragiles Ökosystem, das nach Schutz, Respekt und nach einer langfristigen Vision verlange.

Bezirk: Bozen

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