Kassiansonntag

Bischof Muser warnt vor “Gelegenheitschristentum”

Sonntag, 19. April 2026 | 15:24 Uhr

Von: mk

Brixen – Beim Kassiansonntag in Brixen hat Bischof Ivo Muser heute vor einem Glauben gewarnt, der sich auf einzelne Anlässe beschränkt, und zu einem bewussten Christsein im Alltag aufgerufen. Der Festtag wurde im Brixner Dom und in der Altstadt traditionell mit Gottesdienst und Prozession begangen.

Der Festtag begann in Brixen mit der Ankunft der Bittgänge aus den umliegenden Pfarreien und mit dem Gottesdienst im Dom, dem Bischof Muser vorstand. Im Anschluss begann die Prozession durch die Altstadt, die über Domplatz, Brunogasse, Runggadgasse, Goethestraße, Kassianstraße, Regensburger Allee, Kleiner und Großer Graben, Weißturmgasse und Pfarrplatz zurück zum Dom führte. Begleitet von zwölf Erstkommunionkindern wurden die Reliquienbüsten des heiligen Kassian, des heiligen Vigilius, des heiligen Ingenuin, des heiligen Albuin, des seligen Hartmann sowie der heiligen Agnes, der heiligen Ottilia und der heiligen Christina mitgetragen.

Glaube ist mehr als Tradition

In seiner Predigt stellte der Bischof die Frage nach dem Kern des Glaubens in den Mittelpunkt. Ausgangspunkt war das Evangelium vom auferstandenen Christus, den die Jünger erst im gemeinsamen Handeln erkennen: „Es ist der Herr!“ Dieses Bekenntnis sei bis heute grundlegend. „Christlichen Glauben gibt es nur in der Begegnung mit dem Auferstandenen“, betonte Muser.

Mit Blick auf die aktuelle Situation zeigte sich der Bischof besorgt über eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben. „Der größte Mangel, den wir in unserer Diözese haben, ist der Gläubigenmangel“, erklärte er. Nicht äußere Einflüsse seien die größte Herausforderung, sondern der schwindende Bezug zum Glauben in den eigenen Reihen.

Kritik am „Gelegenheitschristentum“

Deutlich wandte sich Muser gegen ein Verständnis von Glauben, das sich auf einzelne Anlässe beschränkt: „Ein bloßes Traditions- oder Gelegenheitschristentum … wird nicht überleben und nicht überzeugen.“ Es genüge nicht, religiöse Feiern punktuell zu gestalten, ohne den Glauben im Alltag zu leben.

Zugleich unterstrich der Bischof die konkrete Bedeutung des Glaubens für das gesellschaftliche Leben. Einsatz für Frieden, Zusammenhalt und soziale Verantwortung sowie ein achtsamer Umgang mit der Schöpfung seien Ausdruck eines glaubwürdigen Christseins. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen sagte er: „Grenzenloses Wachstum und begrenzte Ressourcen gehen eben nicht zusammen.“

Glaube als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen

Auch die persönliche und gesellschaftliche Situation vieler Menschen nahm der Bischof in den Blick. Trotz steigenden Wohlstands nehme die Unzufriedenheit zu: „Psychische Krankheiten, Depressionen, die Erfahrung von Einsamkeit und Sinnlosigkeit nehmen zu.“ Der Glaube könne hier Orientierung und Halt geben.

Der Kassiansonntag wird in Brixen seit 1734 gefeiert und geht auf die Übertragung einer Reliquie des heiligen Kassian aus Imola zurück. Für Bischof Muser ist dieser Tag zugleich ein Auftrag für die Gegenwart: „Heute auch durch uns wird entschieden, ob die Geschichte des Glaubens weitergeht.“

Bezirk: Bozen

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