Forschungsprojekt

Bunker: Festung Franzensfeste sucht Zeitzeugen

Mittwoch, 02. September 2020 | 13:47 Uhr

Franzensfeste – Wer erinnert sich noch an den Bau der vielen Bunker in Südtirol? Informationen dazu sucht die Festung Franzensfeste im Rahmen eines Forschungsprojekts.

Wer waren die Männer, die in den Jahren von 1938 bis 1942 hunderte von Bunkern in Südtirol errichteten? Wo wurden sie verpflegt und untergebracht? Und welchen Einfluss hatte ihre Anwesenheit in den Dörfern Südtirols? Lungerten sie nach Feierabend in den Dörfern herum? Bildeten sich Freundschaften, Feindschaften oder war der Kontakt mit ihnen untersagt? Wie waren sie gekleidet und woher kamen sie?

Dies und vieles mehr möchte Heimo Prünster erfahren. Der Architekt und Bunker-Experte arbeitet seit Herbst 2019 für das Landesmuseum Festung Franzensfeste am ersten Forschungsprojekt zum faschistischen Alpenwall; der Verteidigungsapparat aus dem zweiten Weltkrieg sollte mit hunderten Bunkern die italienische Alpengrenze absichern – und wurde im Volksmund spöttisch ‚Linea non mi fido‘ (deutsch: Die „Ich-trau-dir-nicht-Linie“) genannt, da Mussolini sie trotz Stahlpakt aus Misstrauen gegenüber seines Verbündeten Hitler errichten ließ.

Ein weiteres Thema des Projekt sind die Enteignungen, die dem Bau der Bunker vorangingen: Wie wurden diese abgewickelt, wenn alles unter strenger Geheimhaltung stand? Wer führte sie durch und verliefen sie nach der geltenden Gesetzgebung? Auch die Baustellen sind Gegenstand der Untersuchungen: Wer konnte die Steinbrüche, Materiallager, Feldküchen, Baracken oder Anlieferungen beobachten? Welche Fortbewegungsmittel wurden benutzt? Wie wurden tausende Tonnen Zement und Sand zu den Baustellen transportiert?

Gesucht werden die letzten noch lebenden Zeitzeuginnen und -zeugen, welche die Bauarbeiten selbst beobachten konnten oder miterlebt haben, oder Menschen, die nicht selbst dabei waren, aber Erzählungen von Eltern oder Bekannten über dieses Thema kennen. Wer sich angesprochen fühlt, kann Projektleiter Heimo Prünster kontaktieren (Tel.: 392/9811603, mail@heimopruenster.com). Besonders interessante Aussagen werden auch in die Dauerausstellung einfließen, die 2021 in der Festung eröffnet wird.

Von: mk

Bezirk: Eisacktal

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