Von: Ivd
Bozen – Gestern Nachmittag eröffnete der Rektor der Freien Universität Bozen, Prof. Alex Weissensteiner, in der Aula Magna des Campus Bozen Zentrum offiziell das Akademische Jahr 2025/26. Gastredner des Festaktes war der US-Erfolgsautor Prof. Alec Ross. In feierlichem Rahmen wurden zudem Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens geehrt sowie der „Best Teacher Award“ vergeben.
In ihrer Begrüßungsrede ging Präsidentin Prof.in Ulrike Tappeiner auf die zentrale Rolle der Universitäten in Zeiten von tiefgreifendem gesellschaftlichem und technologischem Wandel ein. „Zukunft entsteht dort, wo Wissen Verantwortung übernimmt. Die Freie Universität Bozen wird mit ihrer Kompetenz, ihrer Offenheit und ihrem Mut ihren Beitrag leisten“, sagte Tappeiner, deren Amt nach acht Jahren im Februar ausläuft. Sie nutzte ihre Rede darum auch, um Rückschau zu halten. „6.700 junge Menschen haben in den vergangenen acht Jahren einen akademischen Abschluss erworben, fast 60 Prozent entschieden sich, in Südtirol zu bleiben und tragen so direkt zur Entwicklung des Landes bei; die anderen werden zu Botschafterinnen und Botschaftern unserer Universität in der Welt“, so Tappeiner.
Rektor Prof. Alex Weissensteiner nutzte den feierlichen Rahmen, um Tappeiner für ihre wertvollen Dienste für die Freie Universität Bozen zu danken. Gleichzeitig unterstrich er in seiner Rede die Bedeutung von Innovation als langfristige strategische Ausrichtung der Universität. „Eine innovative Universität zu sein, bedeutet nicht, jedem neuen Trend zu folgen. Wir müssen den akademischen Werten treu bleiben und gleichzeitig offen sein für Veränderung“, betonte der Rektor. Innovation an der Universität gehe darum weit über Technologie und den Einsatz digitaler Werkzeuge hinaus. Beispiele innovativer Lehre seien etwa die „Learning Factory“ oder das problemorientierte Lernen, hob Weissensteiner hervor. „Innovation bedeutet, von der passiven Aufnahme von Wissen zu aktiver Teilnahme, zu kritischem Denken überzugehen. Wir müssen Annahmen hinterfragen, neues Wissen schaffen und in der Ausbildung nicht nur Kompetenzen vermitteln, sondern Orientierung.“ Nur wenn Innovation Sinn stifte, schaffe sie auch Engagement und Exzellenz, so Weissensteiner. Ziel sei es daher, weiterhin Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Vertrauen, akademische Freiheit, Verantwortung und interdisziplinärer Austausch Innovation ermöglichen.
An der Zeremonie nahmen auch Bozens Bürgermeister Claudio Corrarati, Bildungslandesrat Philipp Achammer und Landeshauptmann Arno Kompatscher teil. „In Zeiten des Umbruchs und der rasanten technischen Entwicklungen hat die Universität eine große Verantwortung“, sagte der Landeshauptmann in seinen Grußworten. „Wir müssen auf Veränderungen vorbereitet sein und intellektuell aufrüsten, damit wir nicht überrollt werden, sondern die Zukunft selbst gestalten können. Doch wir haben großes Vertrauen in die Universität.“
Die Studierendenvertreter Sophia Graf und Sedin Tatar unterstrichen in ihrer Rede die Vorzüge der Dreisprachigkeit an der Freien Universität Bozen. Man knüpfe nicht nur Freundschaften mit Menschen aus aller Welt, man schaffe damit auch den Grundstein für internationale Kontakte und globale Zusammenarbeit. Doch gerade der Blick in die fragil gewordene Welt bereite den jungen Menschen Sorgen. „Demokratische Systeme werden fragil, Menschenrechte in Frage gestellt“, so die Studierendenvertreter. Einmal mehr appellierten sie darum an die Anwesenden: „Bleiben wir im Austausch, bleiben wir informiert und stehen wir füreinander ein.“
Der Ehrengast der Veranstaltung, Prof. Alec Ross, widmete seine Keynote den tiefgreifenden Veränderungen durch Künstliche Intelligenz und Digitalisierung. „Wie so oft in der technologischen Entwicklung überschätzen wir kurzfristig und unterschätzen langfristig, was geschehen wird“, sagte der Gastprofessor an der Bologna Business School, der unter der Präsidentschaft von Barack Obama und während der Amtszeit von Außenministerin Hillary Clinton als leitender Berater für Innovation gearbeitet hat. „Das eigentliche Defizit Europas ist nicht der Mangel an Talent, sondern der Mangel an Vertrauen in die Zukunft“, unterstrich er die Verantwortung Europas, diese technischen Entwicklungen aktiv mitzugestalten. Anhand konkreter Unternehmensbeispiele zeigte Ross auf, dass KI nicht zwangsläufig Arbeitsplätze vernichtet. Sie könne durchaus die Produktivität steigern und Beschäftigte stärken, wenn in Qualifizierung, Vertrauen und Mitgestaltung investiert werde. Auch in Südtirol. „Universitäten spielen eine zentrale Rolle dabei, junge Menschen zu befähigen, technologische Entwicklungen nicht nur zu nutzen, sondern verantwortungsvoll zu gestalten“, so der Bestseller-Autor. Ross verwies darauf, dass Europa Innovationen zu oft nur reguliere, anstatt sie selbst zu entwickeln. „Wer nur Regeln für Technologien festlegt, die anderswo entstehen, verliert langfristig wirtschaftliche und gesellschaftliche Souveränität“, schloss Alec Ross. Europa müsse aufhören, Schiedsrichter zwischen den USA und China zu sein, und selbst wieder als Mannschaft auf den Platz zurückkehren.
Im zweiten Veranstaltungsteil standen Ehrungen im Vordergrund. Benno Baumgartner, Präsident des Jugendgerichts Bozen und sechs Jahre lang ehrenamtliches Mitglied der Ethikkommission der Freien Universität Bozen, wurde mit der Verdienstmedaille der Freien Universität Bozen ausgezeichnet. Diese wird an Persönlichkeiten vergeben, die einen bedeutenden ideellen oder materiellen Beitrag für die Universität geleistet haben oder sich in besonderem Maße für deren wissenschaftliche und kulturelle Entwicklung eingesetzt haben.
Mit der Auszeichnung Senator honoris causa wurde hingegen Giorgio Moroder bedacht. Der Grödner Musikproduzent und Komponist, der aufgrund vorübergehender gesundheitlicher Probleme nicht anwesend sein konnte, bedankte sich in einer Videobotschaft für die ehrenvolle Würdigung. Der Vizepräsident der Freien Universität Bozen, Antonio Lampis, hielt eine Laudatio zu Ehren Moroders mit dem Titel „From here to eternity”. „Moroders Karriere vermittelt eine wichtige Lehre: Echte Innovation entsteht dort, wo Kultur breit verankert ist. Deshalb reicht es nicht aus, auf Ausnahmetalente zu hoffen; vielmehr muss ein Umfeld geschaffen werden, das Kreativität und Bildung dauerhaft fördert. Das ist eine Aufgabe, die Universitäten, Institutionen, Unternehmen und Gemeinschaften gleichermaßen betrifft“, erklärte Lampis.
Der von der Stiftung Südtiroler Sparkasse gestiftete „Best Teacher Award“ ging heuer an Prof.in Ilenia Fronza, Prof.in Eva Leitolf, Luca Menicacci, Norbert Parschalk und Thomas Zanon.
Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Ensemble „ELLIS through the BARRICADES“.




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