oew und youngCaritas touren mit den Thementagen „Kopfstand -a testa in giù“ durch Südtirol

Auf den Kopf gestellt

Dienstag, 12. Februar 2019 | 11:24 Uhr

Bozen – Wer sich traut, den Blickwinkel zu wechseln, schärft nicht nur den Blick für Neues, sondern entdeckt auch das Gewohnte neu. Etwas, das in den kommenden Wochen über hundert junge Menschen bei den landesweiten Thementagen „Kopfstand“ wagen. Auf Initiative der oew-Organisation für Eine solidarische Welt und youngCaritas beschäftigen sich Ober- und Berufsschüler in interaktiven Workshops einen Schultag lang mit sozialer Gerechtigkeit, nachhaltigen Wirtschaftsformen und dem respektvollen Zusammenleben. Der Startschuss fiel heute in Meran, am Donnerstag macht „Kopfstand“ in Bruneck Station bevor es in Brixen und in Bozen weitergeht.

Die tourende Workshop-Reihe, zu der sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Klassen der deutschen und ladinischen Ober- und Berufsschulen angemeldet haben, richtet sich an junge Menschen in ganz Südtirol und bietet ihnen die Möglichkeit, eigene Vorurteile und stereotype Bilder zu überdenken, sie im Austausch mit  Expert zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen. Im Vorfeld können die Schüler selbst einen der zehn Workshops auswählen, in dessen Rahmen sie sich dann einen Vormittag lang mit einem Thema auseinandersetzen. „Kopfstand“ startete diesmal in Meran, wo heute Dutzende Schüler zu den Themen unfairer Weltmarkt, Kolonialismus und Flucht, Vorurteile und Rassismus, Konsumverhalten, Ressourcenknappheit und Sucht diskutieren und arbeiten.

Neu in diesem Jahr ist der Workshop „Landraub“, der zeigt, wie das grenzenlose Konsumverhalten wohlhabender Länder im Norden der Welt den Menschen im Globalen Süden ihre Lebensgrundlage raubt. Weltweit wurde bereits eine Fläche halb so groß wie Europa aufgekauft, die Bauern und Bäuerinnen sowie indigene Völker mussten weichen. Statt Nahrung für die Region anzubauen, wird im großen Stil für die Märkte der wohlhabenden Länder produziert.

„Bei Kopfstand arbeiten viele Menschen gemeinsam an wichtigen globalen Themen“, zeigt sich youngCaritas-Mitarbeiterin Claudia Niederbacher überzeugt, „Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass  jede mit seinem Konsumverhalten globale Zusammenhänge verändern und etwas in der Welt bewegen kann.“

Für gespitzte Ohren und erstaunte Blicke sorgte unter anderem auch der neue Workshop „Kolonialismus 2.0“. Seit der sogenannten „Entdeckung Amerikas“ haben europäische Staaten über 500 Jahre lang andere Teile der Welt kolonisiert und ausgebeutet: 85 Prozent der Erdoberfläche waren ehemals Kolonien. Die Spuren dieser von Gewalt geprägten Geschichte sind heute noch unübersehbar und tief in unserer Gesellschaft verankert.

„Der Ort, an dem Menschen geboren werden, bestimmt immer noch zu einem Großteil, wie deren Lebensweg aussieht“, erklärt oew-Mitarbeiterin Verena Gschnell, „Gemeinsam mit den Schüler versuchen wir die Geschichte und die Auswirkungen des Kolonialismus bis in die Gegenwart nachzuzeichnen und unsere eigene Verantwortung aufzuzeigen.“

„Kopfstand“ zieht weiter und macht am 14. Februar im UFO in Bruneck, am 19. Februar im Jakob-Steiner-Haus in Brixen und am 21. Februar im Kolping Bozen Halt.

Von: luk

Bezirk: Bozen

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