Internationale Studie von Eurac Research und Uni Würzburg

Blumen und Hecken auf den Feldern: Mehr Artenvielfalt bringt bessere Ernten

Donnerstag, 17. Oktober 2019 | 10:23 Uhr

Bozen – Rosen am Beginn einer Rebenreihe, Nuss- oder Holunderbäume am Rand von Roggenfeldern, Malven- und Kamillenborten zur Zierde der Apfelgärten – all dies war einst ein gewohntes Bild. Dass solche Vielfalt nicht nur schön ist, sondern auch den Ertrag steigert, zeigte nun ein Team von hundert Wissenschaftlern aus aller Welt in einer umfassenden Studie: Felder mit größerer Biodiversität wehren Schädlinge besser ab, locken mehr Bestäuber an und sind damit produktiver.

Daten von rund 1500 Anbauflächen auf der ganzen Welt analysierten und verglichen die Ökologen und Biologen: Maisfelder in Nordamerika und Rapsäcker in Südschweden waren darunter, indische Kaffee- und südafrikanische Mangoplantagen, Getreidefelder in den Alpen. Insbesondere zwei Ökosystemleistungen – lebenswichtige Dienste, die die Natur dem Menschen kostenlos bereitstellt – untersuchten die Forscher: Die Bestäubung durch Wildinsekten und die biologische Schädlingsbekämpfung, das heißt die Abwehr von Schädlingen durch natürliche Gegenspieler. Das Ergebnis: In vielfältigen Landschaften, wo unterschiedliche Kulturen mit Wiesen, Hecken und Bäumen wechseln, kommen sowohl die Bestäuber als auch die „nützlichen” Insekten häufiger und in größerer Vielfalt vor. Das bedeutet mehr Bestäubung und effizientere Schädlingsbekämpfung , und am Ende höhere Erträge.

„Bisherige Untersuchungen befassten sich überwiegend mit der Bedeutung von Biodiversität für das Funktionieren von Ökosystemen – wie zentral sie auch für das Wohlergehen des Menschen ist, war dagegen noch nicht so klar. Unsere Studie zeigt jetzt, dass Artenvielfalt eine wichtige Rolle für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen spielt und entscheidend zu einer dauerhaft guten landwirtschaftlichen Produktion beiträgt“, erläutert Matteo Dainese, Biologe von Eurac Research und Hauptautor der Studie. „Mehr Artenvielfalt auf den Feldern bedeutet zum Beispiel, dass die natürliche Schädlingsbekämpfung besser funktioniert, die Bauern also in geringerem Maß von Pflanzenschutzmitteln abhängig sind.“

Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, natürliche Lebensräume zu erhalten und Anbauflächen so vielfältig wie möglich zu gestalten. Die Vorteile nehmen proportional mit der Artenvielfalt zu, doch um eine ertragssteigernde Wirkung zu erzielen, muss man nicht große Teile der Anbauflächen opfern – schon blühende Hecken und verschiedene Pflanzen am Feldrand haben einen positiven Effekt. Aus diesem Grund erhalten Landwirte in Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern Nordeuropas bereits heute Fördermittel, wenn sie in ihren Anbauflächen schmale Wildblumenstreifen pflanzen.

Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Science Advances, wertete Daten aus der ganzen Welt aus. Als nächstes wollen die Forscher die Situation in Südtirol genauer untersuchen.

Link zur Studie: https://doi.org/10.1126/sciadv.aax0121

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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7 Kommentare auf "Blumen und Hecken auf den Feldern: Mehr Artenvielfalt bringt bessere Ernten"


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wellen
wellen
Universalgelehrter
25 Tage 22 h

Muss der Wissenschaftler eine Studie machen über etwas was logisch ist? Den industriellen Hochleistungsturboapfelbauern gehts nur um eins: Hochleistungsproduktion auf Teufel komm raus, Natur und Insekten egal, abhängig wie sie sind von dem gnadenlosen Markt und Preisdiktat der Genossenschaften.

Stolzz
Stolzz
Grünschnabel
25 Tage 22 h

Gilt aber auch für die Turbogartenbesitzer mit Hochleistungsrasenmäherrobotern, die wöchentlich ihren Rasen mähen und jedes Unkräutlein und Insektchen mit Gift bekämpfen. Selbst auf den Balkonen und Fassaden ist heute alles kahl und öd, Blumen gelten als lästig und überflüssig. Aber beim Sonntagsausflug dann die “heile Welt” vorfinden wollen.

Neumi
Neumi
Kinig
25 Tage 21 h

Falls das ihr Ziel ist und das der logisch Weg ist, das Ziel zu erreichen, warum tun sie’s dann nicht?

So ist das
So ist das
Universalgelehrter
25 Tage 21 h

Und was usr jetzt neu?

Zugspitze947
Zugspitze947
Superredner
25 Tage 19 h

Das gilt auch vor allem für die Obstanlagen !!! Aber die reichen Talbauern würden ja verhungern wenn sie 50 Bäume weniger hätten 🙁 Aber geld ist nicht alles 🙁

joe02
joe02
Superredner
25 Tage 16 h

Erst olls monokulturen weils wirtschaftlich ertragreicher isch, und nor draukemmen dass friher dechta bessa wor!!

Reitiatz
Reitiatz
Tratscher
25 Tage 18 h

und bobischtn homr als kindr a olbm in di staudn gfuntn

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