Arbeitsmarkt-News beleuchtet Berufswege nach der Matura

Der “Brain-Drain” verstärkt sich in Südtirol

Donnerstag, 11. Januar 2024 | 16:33 Uhr

Bozen – Wie viele Maturantinnen und Maturanten finden sich nach dem Schulabschluss auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt wieder? Wer steigt direkt ins Berufsleben ein und wer setzt seine Ausbildung fort? Wie hoch ist der Anteil der Selbständigen? Wie viele der Maturantinnen und Maturanten kehren Südtirol den Rücken? Mit diesen und weiteren für Südtirols Arbeitsmarkt wichtigen Aspekten beschäftigen sich die beiden jüngsten Ausgaben der “Arbeitsmarkt-News” des Arbeitsmarktservice. Untersucht wurde die berufliche Position zehn Jahre nach der Matura der Absolventinnen und Absolventen der Jahre 2005 bis 2012.

Hier geht es zu den genauen Daten!

“Über alle Oberschulen hinweg treten 40 Prozent innerhalb der ersten sechs Monate nach der Matura in den Arbeitsmarkt ein. Für 60 Prozent ist die Matura eine Zwischenstation auf dem Bildungsweg”, gibt der Direktor des Arbeitsmarktservice, Stefan Luther, einen ersten Überblick. Wie groß der Anteil der Absolventinnen und Absolventen ist, die ein halbes Jahr nach der Matura auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben, unterscheidet sich stark nach der besuchten Schule: So sind 15 Prozent der Maturantinnen und Maturanten der Gymnasien ein halbes Jahr nach ihrem Maturaabschluss in Südtirol erwerbstätig, bei den Fachoberschulen mit wirtschaftlicher, technischer oder landwirtschaftlicher Ausrichtung fast drei Mal so viele.

Und wie sieht es zehn Jahre später aus? Bei den Absolvierenden der italienischsprachigen Schulen ist der Anteil der unselbständig Beschäftigten zehn Jahre nach der Matura in allen untersuchten Schultypen – zum Teil sehr deutlich – höher als bei jenen der Schulen mit deutscher Unterrichtssprache. Ein wesentlicher Grund dafür ist der je nach besuchter Schule und nach Schulsprache unterschiedliche Anteil an Maturantinnen und Maturanten, die Südtirol und damit dem heimischen Arbeitsmarkt den Rücken kehren.

Zehn Jahre nach der Matura haben 16 Prozent Südtirol verlassen

Mit den veröffentlichten Daten belegt die Arbeitsmarktbeobachtung ein Phänomen mit Daten, das als “Brain Drain” bezeichnet wird: die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Land. “Betrachtet man die Maturajahrgänge 2005 bis 2012 aller Schultypen, haben zehn Jahre nach der Matura 14 Prozent Südtirol in Richtung Ausland verlassen, zwei Prozent wanderten in italienische Regionen ab. Bei allen untersuchten Schultypen zeigt sich ein verstärkter Trend zur Abwanderung. Deutlich wird dies beim Vergleich der Maturajahrgänge 2005 bis 2009 mit jenen der Jahre 2009 bis 2012. Der Anteil derer, die ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen, ist deutlich gestiegen; jener, die in italienische Regionen abwandern, etwas weniger”, erklärt Abteilungsdirektor Luther und weist auf die Schulsprache als wesentlichen Faktor hin.

Gerade die Absolventinnen und Absolventen der Schulen mit deutscher Unterrichtssprache kehren Südtirol den Rücken. Auch die Art der maturaführenden Schule spiele eine wichtige Rolle: So wanderten Maturantinnen und Maturanten von technischen, wirtschaftlichen und vor allem landwirtschaftlichen Fachoberschulen deutlich weniger ab als jene von Gymnasien. Zwar ist “Brain Drain” von Personen mit akademischem Abschluss aus Südtirol kein neues Phänomen, sondern seit mehr als 25 Jahren zu beobachten. Der AMS-Chef verweist auf einen neuen Aspekt: “Wir sehen einen Trend, den wir in den nächsten Monaten verstärkt unter die Lupe nehmen werden: Es bleiben nicht nur Studierende an ihren Studienorten außerhalb Südtirols hängen. Wir haben auch Hinweise darauf, dass junge Erwachsene, die bereits in Südtirol erwerbstätig waren, vor allem in die deutschsprachigen Nachbarregionen abwandern.”

Die in den Arbeitsmarkt-News veröffentlichten Daten zeichnen diese und eine Vielzahl weiterer Entwicklungen der beruflichen Position von Maturantinnen und Maturanten detailliert nach. So sind sieben Prozent zehn Jahre nach der Matura selbständig, was insbesondere auf die Absolventinnen und Absolventen der Fachoberschulen für den technologischen Bereich zurückzuführen ist.

Weiter in Attraktivität des Arbeitsmarktes investieren

Arbeits- und Bildungslandesrat Philipp Achammer verweist auf die enge Beziehung zwischen Schul- und Berufswahl: “Die Analyse zeigt den engen Zusammenhang zwischen Schulwahl und Berufseinstieg. Gerade deshalb ist es wichtig, Jugendliche und Eltern frühzeitig zu informieren und praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt zu erleichtern.”

Als problematisch wertet der Landesrat die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus Südtirol. Zwar sei die hohe Beschäftigungsfähigkeit der Südtiroler Jugendlichen erfreulich. “Es zeigt sich, dass unser Bildungssystem in der Lage ist, Jugendliche mit einer hohen Beschäftigungsfähigkeit auszubilden, sei es mit akademischem Abschluss, aber auch in anderen qualifizierten Berufen. Gut ausgebildete junge Menschen sind allerdings nicht nur in Südtirol begehrt. Die Anstrengungen, unseren heimischen Arbeitsmarkt attraktiv zu gestalten, müssen in Zukunft noch intensiviert werden”, zieht der Landesrat arbeitsmarktpolitische Schlussfolgerungen.

Der eingeschlagene Weg der Arbeitsmarktreform werde auch in der neuen Legislaturperiode fortgesetzt. “Politik, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik führen nicht von heute auf morgen dazu, dass die angestrebten Ergebnisse zur Gänze erreicht werden. Wir brauchen vielmehr das kontinuierliche Engagement der Landesregierung und der Sozialpartner auf allen Ebenen, um die Attraktivität des Südtiroler Arbeitsmarktes zu steigern”, fordert der Landesrat.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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24 Kommentare auf "Der “Brain-Drain” verstärkt sich in Südtirol"


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N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 22 Tage

Interessant an der Studie ist das seit 25 Jahren zu beobachten ist, dass die gut ausgebildeten Leute auswandern oder nicht zurück kommen. Nun, vor 10-15 Jahren gabs das Problem mit dem angeblich teueren Lebensstandard und mangelnden Wohnungen in Südtirol noch nicht in dem Ausmaß. Also gab und gibt es dafür auch andere Gründe.

el_tirolos
el_tirolos
Superredner
1 Monat 22 Tage

fehlende Berufsbilder oder erlernter Beruf der in Südtirol nicht anerkannt ist bzw. ausübbar ist? Bessere Bezahlung/Karrieremöglichkeiten?

letzwetto
letzwetto
Superredner
1 Monat 22 Tage

@el_tirolos zu viele gesetze, strafen, zu viel ital.,einwanderer,zu viele touristen, zu wenig gehalt. Also kein wunder…. Überall besser für junge leute

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 22 Tage

@letzwetto Bus auf das mit dem Gehalt hast du Recht, der Rest ist offen gesagt Müll!
Zu hohe Strafen? Zu viele Einwanderer? Desshalb gehen Junge Leute ins Ausland oder bleiben da? Komplett verrückt geworden?
Das sind vielleicht Gründe warums DIR HIET NICHT GEFÄLLT aber bestimmt nicht für die Abwanderung der Fachkräfte! Warum gehst du nicht?

Olm sgleiche
Olm sgleiche
Tratscher
1 Monat 22 Tage

@el_tirolos die wären???🤔

traktor
traktor
Kinig
1 Monat 22 Tage

südtirol wird immer mehr zum dritte-welt land für südtiroler- viel zu hohe preise für viel zu niedrige löhne… wer kann haut in die reichen günstigen regionen ab

Chrys
Chrys
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

@ N.G. ……. Auch ich bin der Meinung dass der Grund nicht ausschließlich an den Kosten und Verdienst zu suchen ist. Sehr viele die im Ausland studieren lernen dort ihre Lebenspartner kennen und da es sprachlich zumeist viel einfacher ist, bleibt man gleich dort. Weiters, wenn ich im Ausland studiere kann ich mir viel leichter dort bereits Arbeitsplätze besorgen und meine Lebensplanung, bereits während des Studiums oder Praktikums dort beginnen. Zu Hause muss ich zumeist wieder bei Null beginnen.

RealistischerIdealist
1 Monat 21 Tage

@N.G. Auch andere Angebote im Ausland können verlockend sein wie Theater, Essensmöglichkeiten, Fitnesscenter etc etc… wenn jemand vorher im Dorf gelebt hat, lernt er vll die Stadt zu schätzen oder eben das Dorf umso mehr… Die frage ist doch um wieviel ist die Auswanderung gestiegen – nur ein paar %? Das doppelte? Warum werden diese studien nie angehängt in einer zeit der digitalisierung…

Krissy
Krissy
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

Mich würde interessieren, wieviele Jugendliche mit Lehr/Gesellen/Meisterbrief in Südtirol bleiben?
Solange die bleiben, die anpacken können, sehe ich kein Problem.

Lausbua
Lausbua
Neuling
1 Monat 22 Tage

Kein Wunder.
Bin seit 3 Jahren von Südtirol weg…

Lara
Lara
Grünschnabel
1 Monat 22 Tage

Bitte lass uns an deinen Beweggründen teilhaben?!

bern
bern
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

Diese Abwanderung kann man nur mit dem Los von Rom stoppen.

magg
magg
Superredner
1 Monat 22 Tage

Dann fliehen noch mehr kluge Köpfe aus Südtirol, da man mit dem Loslösung von der EU ausscheidet. Und wenn das geschieht, dann ist der Wohlstand im Südtirol vorbei.

logo
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Tratscher
1 Monat 22 Tage

Zu den hohen Lebenskosten und wenig Wohnraum, ist da noch der tägliche Bürokratie-Wahnsinn.
(Soll mal einer probieren, hier ein Startup zu gründen …
Viel Spaß dabei)
Dann sind da noch die beschränkten Ausgeh-Möglichkeiten, die ständigen und ausufernden Alkohol und  Verkehrskontrollen, das Gewaltproblem, der Neid untereinander, der Leistungsdruck, der “Disagio”, nichts geht mehr wirklich weiter, jahrzehntelanges bla bla der Politiker und und und …
In Südtirol muß man Bauer, Hotelier oder Handwerker sein,
dann passt’s.
Oder fett erben, dann passt’s auch 🙂

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

die alkohol und verkehskontrollen zu kritisieren ist doch blödsinn. wenn du nicht besoffen unterwegs bist, hast du nichts zu befürchten.

Zussra
Zussra
Superredner
1 Monat 21 Tage

@logo Verkehrskontrollen kearatn mindigstns zi vodreifochn! Und jedis no so kloane Verkehrsvergehen zu ahnden und saftig zi strofn!

Kasknedel
Kasknedel
Tratscher
1 Monat 22 Tage

Was mir bei der Statistik fehlt, sind die Zuwanderungen. Wäre interessant zu wissen, ob es sich um einen internationalen Trend handelt. 

krokodilstraene
krokodilstraene
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

meine beiden Kinder sind auch in Deutschland geblieben.
persönlich tut es mir zwar sehr leid, aber für sie hätte es nicht besser laufen können.
hier bei uns hätten sie niemals dasselbe Angebot bekommen und bei gleichem Job nur die Hälfte verdient.

alles richtig gemacht 👍👍

Chrys
Chrys
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

@ krokodilstraene – Ich tue mir schwer Ihren Worten Glauben zu schenken. Natürlich, um sich ein genaues Bild machen zu können, müsste man auch wissen welche Arbeit Ihre Kinder machen. Wenn sie z.B. bei BMW in der Entwicklungsabteilung arbeiten dann tun sie sich hier schwer irgendetwas ähnliches zu finden, aber dass sie in D das doppelte von hier verdienen ist für mich nicht leicht nachvollziehbar. Übrigens, ein Bekannter von mir, Beruf Vertreter, dessen Tochter lebt sein mindestens 10 Jahren in München, lebt in Miete, und der Vater kauft ihr nun dort die Wohnung weil sie es nicht schaffen würde.

krokodilstraene
krokodilstraene
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

@Chrys
Mir isch gleich, wenn du die schwar tuesch… meinen Worten Glauben zu schenken
😀 😀 😀

maikaefer8
maikaefer8
Tratscher
1 Monat 22 Tage

Die Lebenspartner können oft nicht in Südtirol arbeiten, denn kein Österreicher oder Deutscher kann ausreichend italienisch. In meinen Augen ein Hauptguin Österreich oder Deutschland zu bleiben.

Zussra
Zussra
Superredner
1 Monat 22 Tage

Südtirol isch la ma no zin an Rentnerlandl verkommen! Volauto ewiggestrigis Kirchturmdenken!
Bedauerlich, bedauerlich ba den Potential wos vorhondn war! 🤔

Wohlzeit
Wohlzeit
Tratscher
1 Monat 22 Tage

Alleine der Lohn wird wohl nicht der Grund sein, da Ausländer zum Arbeiten hierher kommen, siehe im Tourismus. Sie hätten schließlich genauso gut die Möglichkeit in ein anderes Land zu gehen.

RealistischerIdealist
1 Monat 21 Tage

Was mir hier auch fehlt ist der %uelle Anteil der Menschen welche zwar hier den Wohnsitz haben, aber im Ausland arbeiten zb Innsbruck… und um wieviel wird dieser Anteil steigen sobald der BBT steht… gerade gutes zweisprachiges Personal ist schwer zu bekommen und ich sehe immer wieder wie italienischsprachigen Bürgern wntgegengekommen word auch bei der Zweisprachigkeitsprüfung, obeohl das Minimum nicht erreicht wird! Wer das bis heite noch nicht erkannt hat ist meiner Meinung nach blind oder zumindest taub…

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