"Bürokratie und wenig Wertschätzung"

Heimatpflegeverband gibt Betreuung der bäuerlichen Kleindenkmäler ab

Freitag, 25. September 2020 | 12:00 Uhr

Bozen – Der Heimatpflegeverband Südtirol gibt nach 50 Jahren die Betreuung der bäuerlichen Kleindenkmäler ab. Begründet wird dies mit “zunehmender Bürokratie und wenig Wertschätzung seitens der Landesverwaltung für diese Tätigkeit des Heimatpflegeverbandes”.

„Unser Land ist noch erstaunlich reich an altem bäuerlichem Kulturgut, beweglichem wie unbeweglichem. Leider wird, ungeachtet des Bewusstseinswandels, weiter mutwillig zerstört oder man lässt die Sachen einfach aus Gleichgültigkeit verkommen. Damit gehen aber hervorragende Zeugnisse unserer gewachsenen Kultur für immer verloren.“ Mit diesen Worten richtete der Heimatpflegeverband im fernen Jahre 1970 die Bitte an die Südtiroler Landesregierung, sich der vielerorts vernachlässigten Objekte annehmen zu dürfen und etwas Geld für die Sanierung und Erhaltung derselben bereitzustellen, um das heimatliche Landschaftsbild zu schützen und alles zu pflegen, was die Eigenart dieses Landes im weitesten Sinne des Wortes ausmacht.

Der Appell wurde gehört und der Bitte stattgegeben. Im Amt für Kultur wurde ein eigener Fonds eingerichtet, aus dem die zahlreichen Erhaltungsmaßnahmen bis in die 1980-er Jahre herauf gespeist wurden. Die Initiative stieß in der Bevölkerung auf großes Interesse, viele bäuerliche Kleindenkmäler konnten vor dem Verfall gerettet werden. 1990 musste die finanzielle Last auf zwei Ämter aufgeteilt werden. Die Errichtung oder Erneuerung von Holzzäunen, Trockensteinmauern und Waalen wurde von nun an aus Mitteln des Landschaftsschutzes gespeist. Ab 1992 kamen auch die Stroh- und Schindeldächer, Wegkreuze, Kapellen, Mühlen und Backöfen dazu. Heute sind wir bei ca. 1,5 Millionen Euro an Beiträgen angelangt, die jährlich an rund 400 bis 500 Gesuchsteller ausbezahlt werden. Die Bearbeitung der Beitragsansuchen erfolgt seit jeher durch den Heimatpflegeverband. 15 Sachbearbeiter betreuen im gesamten Land vor Ort die Antragsteller, helfen bei der Abfassung der Gesuche, beraten auf Wunsch bei den verschiedenen Sanierungsmaßnahmen und nehmen nach Abschluss der Arbeiten die erforderliche Endkollaudierung vor. “Dies alles unter enormen Zeitaufwand und mit sehr viel persönlichem Einsatz. In der Verbandszentrale ist eine Halbtageskraft mit der Weiterbearbeitung der Gesuche vollauf beschäftigt. Für den Heimatpflegeverband Südtirol ist dieses Betätigungsfeld zur Tradition geworden und die positiven Auswirkungen dieser Maßnahme lassen sich deutlich in der Kulturlandschaft ablesen”, heißt es in einer Aussendung.

“Leider hat sich in den letzten Jahren vieles geändert. Die Bürokratie hat zugenommen, die Auflagen werden immer strenger und komplizierter und auch ein Anspruchsdenken in der Bevölkerung was die Beiträge betrifft verdrängt zunehmend den eigentlichen Erhaltungsgedanken. Vonseiten der Landesverwaltung erfährt der Heimatpflegeverband wenig Anerkennung für diese Tätigkeit und das zuständige Landesamt, einst wichtigster Ansprechpartner im Bereich der Landschaftspflege, ist kaum noch greifbar. Bemühungen für einen regelmäßigen Gedankenaustausch zwischen öffentlicher Verwaltung und privatem Verein werden von den zuständigen Beamten nicht gerade unterstützt. Der Verband muss jedes Jahr beim Land ansuchen und ein Angebot mit Spesenabschlag einreichen, um die Arbeit überhaupt durchführen zu dürfen. Und dies, obwohl die Initiative im Heimatpflegeverband geboren und aufgebaut wurde. Diese und andere Überlegungen haben nach eingehender Diskussion im Landesvorstand und mit den Sachbearbeitern bewogen, sich mit Ende des Jahres aus diesem Tätigkeitsbereich zurückzuziehen und sich nicht mehr an der Ausschreibung betreffend die Abwicklung betreffend die Vergabe von Beiträgen im Bereich der Landschaftspflege zu beteiligen”, so der Heimatpflegeverband.

Nun sei für den Heimatpflegeverband die Zeit gekommen, sich in diesem Bereich neu auszurichten. “Verstärkte Sensibilisierung der Gesellschaft für die Schätze unserer einmaligen Kultur- und Naturlandschaft, die Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendorganisationen und andere Projekte sollen in Zukunft mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.” Natürlich stehe der Heimatpflegeverband auch weiterhin allen Interessierten und Antragstellern beratend zur Seite.

Ein erfolgreiches Kapitel werde damit abgeschlossen. “Bleibt zu hoffen, dass diese für die Erhaltung des traditionellen Landschaftsbildes wichtige Initiative weiterhin erhalten bleibt, damit auch die nachkommenden Generationen die von unseren Vorfahren geschaffenen wertvollen Kulturgüter und bäuerlichen Kleindenkmäler vorfinden”, so der Heimatpflegeverband.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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20 Kommentare auf "Heimatpflegeverband gibt Betreuung der bäuerlichen Kleindenkmäler ab"


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nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Jaja, früher mal hat der Bauer seinen Holzzaun geflickt, wenn er kaputt war…
Heute wird vor dem Flicken nach einem Beitrag geschrien…

Nat wissnt
Nat wissnt
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

stell selbo an Zaun au …. nua konsch redn(schreibm)!

Gudrun
Gudrun
Superredner
1 Monat 1 Tag

@Nat wissnt die Bergbauern haben auch keine Zeit mehr,da diese fast alle einen Nebenerwerb nach gehen müssen !!– Die jungen Leute werden das nicht mehr machen und das darf man ihnen nicht übel nehmen !!–Arbeiten bis zum umfallen und dann noch Steine im Weg werfen von Denkmalamt , Ensambelschutz,Behörden…..

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Das ist sehr bedauerlich und ein Armutszeugnis für die Regierung/en. Der Erhalt von Brauchtum, Kultur und ihren Gütern, die “klein” sind und touristisch und damit kommerziell nicht “ausgeschlachtet” werden können, wird eh schon oft nur noch durch private Initiativen, wie Vereine, Gönnern aus der Wirtschaft, Spendern und Sponsoren, vielen ehrenamtlichen Helfern geleistet. Danke an Alle, die helfen…

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Besser ist das. Gehört in die Hände von Profis!

PeterPloner
PeterPloner
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

In Südtirol liegt vieles im argen, besonders im Bereich von Sprache und Kultur; vom Landschaftsbild ganz zu schweigen.

ines
ines
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Boll i in Rente geh, werd van “traditionellem Südtirol” nimma viel umma sein….. De heintige Architektur, Protzbautn, überdimensionierte Hotels,…. Oanfoch SCHRECKLICH! Wo isch die einstige Bescheidenheit der Tiroler bliebn?

Gudrun
Gudrun
Superredner
1 Monat 1 Tag

@ines der normale Bürger ist Leibeigener unserer Regierung !!!

Fantozzi
Fantozzi
Superredner
1 Monat 2 Tage

jo jo wertschaetzung – sel hoast weil se koan geld dafuer kregen….

Gudrun
Gudrun
Superredner
1 Monat 1 Tag

Heimatpflege und Denkmalpflege ist wrklich nur mehr eine Blage !!— unsere Regierung verkauft Heimat und Kultur !!— wenn werden faschistische Denkmäler renoviert, aber sicher nicht alte Kapellen,Backöfen,…usw!!!

Gudrun
Gudrun
Superredner
1 Monat 2 Tage

der Bauer der sein Denkmalgeschütztes Haus sanieren will der tut mir leid, dem werden nur Steine im Weg geworfen !— und unsere Bauernvertreter und Regierung schauen zu !!!– Jedes Jahr sperren Kleinbauern die Stalltür zu und somit wird der Hof den Zerfall preis gegeben !!–

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Hatte vergessen, zu erwähnen, dass sich die Regierung/en auch bei diversen “Großprojekten” vornehm zurückhält. Vielleicht sollte auch die/der Eine oder Andere ihre/seine Haltung gegenüber einem gewissen Reinhold Messmer überdenken.

Gudrun
Gudrun
Superredner
1 Monat 1 Tag

der normale Bürger oder Kleinbauer der ein Denkmalgeschütztes Haus renovieren will tut mir schon leid,denn den werden Auflagen gemacht ,dass er gerne aufgibt !!– die Beiträge bekommen die Burgenbesitzer und die Vorzeigeklöster !!

Gudrun
Gudrun
Superredner
1 Monat 1 Tag

der Ausverkauf unserer Kultur und Heimat hat schon Tradition !!

Savonarola
1 Monat 2 Tage

die Autonomie wurde für die Erhaltung unserer Identität und Kultur, und nicht für die Ausbeutung und Geldscheffelei erkämpft. Aber wir sind ja ein modernes Land, das sich um seine Vergangenheit und Geschichte so lange scheisst, bis sie wiederkommt.

Gudrun
Gudrun
Superredner
1 Monat 1 Tag

Heimatpflege wird dort betrieben wo Geld zum schäfeln ist !– aber das Karma kommt —– dann wird man erkennen was wir verloren haben !!

Gudrun
Gudrun
Superredner
1 Monat 1 Tag

diese schönen Bilder gibt es eh nur mehr einzelne und auch die werden an Touristen oder an Wohlhabende verkauft und so verlieren wir die Heimat ,Sprache und Kultur !!

Sued-tiroler
Sued-tiroler
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Man macht immer mehr Gesetzliche Hürden gegen den Willen der Bevölkerung, auch im Brauchtum, Vereinswesen ,und Freiheit bzw. freie Meinungsäußerung, an Stelle Bürokratie abzubauen macht man das Gegenteil man erhöht sie. Zp. ein Bagatelleingriff  muss Digital durch einen Techniker (einige hundert Euro) an die  Gemeinde versendet werden .
Das Volk ist der Chef und nicht der Politiker der vom Volk bezahlt wird.

Stolzz
Stolzz
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Ich denke, das ist eine richtige Entscheidung. Bei all den unterschiedlichen Förderstellen und Kontrolleuren hatte manch ein Antragsteller den Überblick verloren. Damit kann sich der Heimatpflegeverband auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren.

nok
nok
Superredner
1 Monat 1 Tag

Alles Geld schon für die richtigen Personen UPS Projekte ausgegeben 😁

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