Von: mk
Bozen – Vom 20. bis 30. März findet jährlich die Pestizid-Aktionswoche statt. Die Verbraucherzentrale Südtirol informiert aus diesem Anlass über die Ergebnisse der amtlichen Analysen auf Pestizidrückstände in Lebensmitteln.
Die Pestizid-Aktionswoche (Semaine pour les alternatives aux pesticides, Settimana per le alternative ai pesticidi) wurde 2006 von Générations Futures ins Leben gerufen, um die Bevölkerung über die Risiken des Pestizideinsatzes für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sowie über Alternativen zu chemisch-synthetischen Pestiziden zu informieren und um Umweltorganisationen und engagierte Bürger: stärker miteinander zu vernetzen. Nach Südtirol wurde die Initiative von der zivilgesellschaftlichen Gruppe Stop Pesticidi Alto Adige – Südtirol gebracht.
Sind Lebensmittel in Italien mit Pestizidrückständen belastet und wenn ja, in welchem Ausmaß? Ziemlich genau drei Monate vor der diesjährigen Pestizid-Aktionswoche, Mitte Dezember 2025, hat die italienische Umweltschutzorganisation Legambiente in Zusammenarbeit mit dem Verband AssoBio und dem Konsortium Il Biologico den bislang letzten Bericht „Stop pesticidi nel piatto 2025“ veröffentlicht. Der Bericht fasst die Ergebnisse der Rückstandsanalysen durch die amtlichen Labore im Jahr 2024 zusammen.
Die Ergebnisse im Gesamten
Im Jahr 2024 haben die amtlichen Labore in Italien insgesamt 4.682 Lebensmittelproben auf Pestizidrückstände untersucht, davon 4.617 Proben aus konventioneller und 65 Proben aus biologischer Landwirtschaft. Die Proben umfassten Obst, Gemüse, verarbeitete Lebensmittel (darunter Getreideprodukte, Olivenöl, Honig und Wein) sowie Lebensmittel tierischen Ursprungs (darunter, Eier, Fleisch und Milch). Angesichts der sehr kleinen Anzahl der Proben aus biologischem Anbau bleibt der Fokus im Folgenden auf den Proben aus konventioneller Landwirtschaft.
Gut die Hälfte der konventionellen Proben (50,94 Prozent) war frei von Rückständen. In 17,33 Prozent der Proben wurden Rückstande eines Wirkstoffs, in 30,26 Prozent der Proben Mehrfachrückstände unterhalb der zulässigen Höchstmenge nachgewiesen, also Rückstände von zwei oder mehr verschiedenen Wirkstoffen in ein und derselben Probe. „Spitzenreiter“ waren eine Traubenprobe mit Rückständen von zwölf verschiedenen Wirkstoffen, eine Grapefruit- sowie eine Pfirsichprobe mit je zehn verschiedenen Wirkstoffen, eine Paprika- sowie eine Kirschenprobe mit je neun verschiedenen Wirkstoffen. Die am häufigsten nachgewiesenen Wirkstoffe sind den Insektiziden und den Fungiziden zuzurechnen, namentlich sind Acetamiprid, Boscalid, Pirimetanil und Fludioxonil zu nennen. 1,47 Prozent aller konventionellen Proben waren als nicht konform einzustufen, weil darin nicht zugelassene Wirkstoffe nachgewiesen oder gesetzlich zulässige Höchstwerte überschritten wurden.
Pestizidrückstände im Obst
Obst war stärker als alle anderen Lebensmittelkategorien mit Pestizidrückständen belastet. Weniger als ein Viertel der Obstproben (22,22 Prozent) war rückstandsfrei, demgegenüber wurden in 17,42 Prozent der Proben Einfachrückstände und in 58,14 Prozent der Proben Mehrfachrückstände unterhalb der zulässigen Höchstmenge nachgewiesen. Der Anteil der nicht konformen Proben lag bei 2,21 Prozent. Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen, Mandarinen) waren am häufigsten mit Mehrfachrückständen belastet (in 72,95 Prozent der Proben), gefolgt von Pfirsichen (in 70,14 Prozent der Proben) und Birnen (in 69,77 Prozent der Proben).
Pestizidrückstände im Gemüse
58,80 Prozent der Gemüseproben waren frei von Pestizidrückständen. Einfachrückstände wurden in 19,87 Prozent der Proben nachgewiesen, Mehrfachrückstände unterhalb der zulässigen Höchstmenge in 20,30 Prozent der Proben. Der Anteil der nicht konformen Proben lag bei 1,03 Prozent. Paprika waren am häufigsten von Mehrfachrückständen betroffen (in 46,15 Prozent der Proben), gefolgt von Salaten (in 39,76 Prozent der Proben) und Tomaten (in 38,79 Prozent der Proben).
Pestizidrückstände in verarbeiteten Lebensmitteln
Die Auswahl der Rohstoffe, industrielle Prozesse und bestimmte Verarbeitungsschritte reduzieren zwar die Pestizidrückstände in verarbeiteten Lebensmitteln, können sie aber nicht vollständig beseitigen. Immerhin zwei Drittel (65,97 Prozent) der verarbeiteten Lebensmittelproben waren frei von Rückständen. 15,87 Prozent der Proben wiesen Rückstände von einem Wirkstoff, 17,02 Prozent der Proben Mehrfachrückstände unterhalb der zulässigen Höchstmenge auf. Der Anteil der nicht konformen Proben lag bei 1,15 Prozent. Am häufigsten wiesen Produkte aus Vollkorngetreide (in 36 Prozent der Proben) sowie Wein (in 29,85 Prozent der Proben) Mehrfachrückstände auf.
Pestizidrückstände in tierischen Lebensmitteln
87,81 Prozent der Proben tierischen Ursprungs waren frei von Pestizidrückständen. In 11,04 Prozent der Proben wurden Rückstände von einem Wirkstoff, in 0,66 Prozent der Proben Mehrfachrückstände unterhalb der zulässigen Höchstmenge nachgewiesen. Der Anteil der nicht konformen Proben lag bei 0,49 Prozent. Pestizide werden, wie die Bezeichnung als Pflanzenschutzmittel impliziert, in der pflanzlichen Produktion eingesetzt. Das bessere Abschneiden der tierischen Lebensmittel ist insofern nur logisch, zeigt aber dennoch, dass Pestizidrückstände über die Futtermittel in einem bestimmten Ausmaß in tierischen Lebensmitteln landen.
Sorgen und Hoffnungen
Legambiente äußert sich im Bericht besorgt angesichts der Tatsache, dass 30,26 Prozent der Proben aus konventioneller Landwirtschaft Mehrfachrückstände aufwiesen. Solange die Konzentration jedes einzelnen Wirkstoffs unterhalb der jeweiligen zulässigen Höchstmenge bleibt, sind solche Proben gesetzeskonform. Ob und wie sich Mehrfachrückstände auf die menschliche Gesundheit auswirken, ist jedoch noch immer nicht geklärt. Eine mögliche Potenzierung der Wirkung und damit ein gesundheitliches Risiko kann nicht ausgeschlossen werden.
Zugleich seien laut Legambiente auch positive Entwicklungen zu beobachten. Die biologische Landwirtschaft wachse, der Anteil der kontrolliert biologisch bewirtschafteten Flächen nehme zu, die Bio-Regionen (biodistretti) würden an Stärke gewinnen. Immer mehr Gemeinden würden den Einsatz von Pestiziden in ihrem Einflussbereich deutlich reduzieren. Was aber fehle, sei eine klare politische Strategie zur Reduktion des Pestizideinsatzes einschließlich attraktiver Anreize, um auf biodiversitätsfreundliche Anbaumethoden umzusteigen.
Weniger Pestizide auf dem Teller – die Tipps der Verbraucherzentrale Südtirol:
• Obst und Gemüse aus biologischem Anbau sind meist frei von Pestizidrückständen.
• Bevorzugen Sie saisonales und regionales Obst und Gemüse.
• Waschen Sie Obst und Gemüse vor dem Essen unter fließendem Wasser und reiben Sie es anschließend mit einem Tuch ab. Das Schälen wird nur für jene Früchte empfohlen, deren Schale nicht essbar ist. Bei Salat kann es sinnvoll sein, die äußeren Blätter zu entfernen.
• Verwenden Sie Orangen- oder Zitronenschale nur in Bio-Qualität.
• Waschen Sie sich nach dem Schälen von Bananen, Zitrusfrüchten und Mangos die Hände, um die Rückstände nicht von der Schale auf das Fruchtfleisch zu übertragen.
Der vollständige Bericht „Stop pesticidi nel piatto 2025“ ist hier zu finden.




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