„Zero Emission Services for a Decarbonised Alpine Economy“

Südtirol auf dem Weg in Richtung emissionsfreier Mobilität

Mittwoch, 27. Februar 2019 | 20:59 Uhr

Bozen – „Zero Emission Services for a Decarbonised Alpine Economy“ – so der Namen des neuen EU-Projektes aus dem „LIFE“ Programm, welches Südtirols Entwicklung zu einer alpinen Modellregion im Bereich der nachhaltigen Mobilität und Wirtschaft entscheidend vorantreiben wird.

Der offizielle Startschuss des Projektes erfolgte heute am Bozner Wasserstoffzentrum im Rahmen eines Treffens der Südtiroler Projektpartner und der Vertreter des europäischen Förderprogrammes.

Das Projekt hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die emissionsfreie Mobilität in Südtirol auf eine breite und zukunftsfähige Basis zu stellen, um auch im Mobilitätsbereich den Ausstoß an Treibhausgasen und gesundheitsschädlichen Emissionen drastisch zu senken. Dafür verfolgt das vom Institut für Innovative Technologien (IIT) entwickelte Projektkonzept eine klare Strategie: Im Projekt werden alle drei miteinander eng verbundenen Schwerpunkte einer gesamtheitlichen Elektromobilitätbetrachtung berücksichtigt – eine Grundabdeckung mit nötigen Infrastrukturen sowie die Realisierung von Pilotflotten an Fahrzeugen und von emissionsfreien Dienstleistungen in verschiedenen Bereichen.

Über das Projekt werden in Südtirol u.a. 33 Schnelladesäulen der neuesten Generation sowie 5 Wasserstofftankstellen für PKWs und Busse errichtet – in Kombination mit den bereits vorhandenen Infrastrukturen und Ausbauplänen wird so eine Grundabdeckung für alle Formen der Elektromobilität in Südtirol verwirklicht. Durch Pilotflotten mit verschiedenen elektrisch angetriebenen Fahrzeugkategorien werden emissionsfreie Dienstleistungen, z.B. im Bereich Tourismus, Warenlogistik sowie dem öffentlichen wie privaten Personentransport ins Leben gerufen.

Das Projektkonzept wurde in enger Abstimmung mit der Südtiroler Landesregierung und gemeinsam mit jenen Südtiroler Partnern erarbeitet, die auch im Projekt selbst die tragenden Rollen übernehmen: SASA AG als Hauptprojektpartner koordiniert zusammen mit dem IIT das Gesamtprojekt und ist auch für Schnelladesäulen und die Wasserstofflogistik verantwortlich. „Mit diesem Projekt können wir über eine EU-Co-finanzierung die nötigen Infrastrukturen errichten und so den Grundstein legen, um unsere Flotte von elektrisch angetriebenen Batterie- und Brennstoffzellenbussen in Bozen und Meran in den nächsten Jahren auszubauen“ ist Petra Piffer, Generaldirektorin der SASA, überzeugt. „Als Inhouse-Gesellschaft des Landes sehen wir es als unsere Aufgabe an, dem Bürger nicht nur einen perfekten Service, sondern möglichst schnell auch leise und emissionsfreie Busse in den Ballungszentren zur Verfügung zu stellen und so etwas für die Lebensqualität der Menschen beizutragen“, so Piffer.

Mit Alperia ist ein weiterer gewichtiger Partner an Bord, der im Projekt sein bestehendes Ladesäulen-Netz weiter ausbauen wird. „Wir möchten die Elektromobilität in Südtirol mit sauberer Energie versorgen – sowohl über grünen Strom an den Ladesäulen als auch mit grünem Wasserstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge. Deshalb hat uns der gesamtheitliche Ansatz zur Elektromobilität in diesem Projekt überzeugt“, erklärt erklärt Massimo Mininghini, verantwortlich für Ladesäuen-Infrastrukturen bei Alperia Smart Mobility. Auch das Vinschgauer Energie Konsortium VEK ist Projektpartner und kümmert sich um den Ausbau der Lade- und Betankungsinfrastruktur im westlichen Landesteil, im Osten werden die Stadtwerke Bruneck aktiv.

Ein weiterer wichtiger Partner ist die Brennerautobahn A22: „Wir als Betreiber einer der größten Verkehrsinfrastrukturen im sensiblen Alpenraum engagieren uns seit Jahren mit innovativen Lösungen, um den Verkehr entlang des Brenner-Korridors nicht nur sicherer, sondern auch sauberer und nachhaltiger zu gestalten. Viele Touristen durchqueren Südtirol auf dem Weg nach Süden. Für diese möchten wir – neben unseren bestehenden Ladesäulen – auch über Wasserstoff-Tankstellen Versorgungsinfrastrukturen bereitstellen“, so Carlo Costa, technischer Generaldirektor der Brennerautobahn, welche in Affi eine Wasserstofftankstelle errichten wird.

Die Eurac wird das gesamte Projekt im Bereich Kunden- und Bedarfsanalysen, Datenmonitoring und Know-How Vermittlung begleiten. Neben den Projektpartnern war bei der Sitzung auch Bernd Decker in Vertretung des EU-Fördergebers EASME (Executive Agency for Small and Medium-sized Enterprises) anwesend. Er hat die besondere Rolle dieses Südtiroler Vorzeigeprojektes, welches als sog. „Integrated Project“ eingestuft wird, unterstrichen. „Südtirol hat über den Klimaplan eine ehrgeizige Strategie entwickelt, um den CO2-Ausstoß in den nächsten Jahrzehnten drastisch zu reduzieren. Das LIFE Projekt verfolgt eine klare Strategie dazu im Verkehrsbereich und ermöglicht es, auch hier langfristig die Emissionen deutlich zu senken“, so Bernd Decker. „Deshalb hat uns dieses Projekt im Auswahlverfahren unter den zahlreichen Projekten europaweit besonders überzeugt“.

Das Projekt wird von der EU mit 7,9 Millionen Euro gefördert. Die Autonome Provinz Bozen steuert 6,9 Millionen Euro bei, weitere 7,8 Mio. € investieren die Projektpartner selbst. Das Projekt hat bereits jetzt großes Interesse nicht nur in Südtirol selbst sondern über die Grenzen hinaus geweckt. So haben sich viele Organisationen angemeldet, um das Projekt als sog. Beobachter zu unterstützen und zu verfolgen, die Ergebnisse genau zu analysieren und gegebenenfalls in der eigenen Realität anzuwenden oder zu reproduzieren. Zu diesen zählen u.a. die Tiroler Landesregierung und die Innsbrucker Verkehrsbetriebe, die Autonome Provinz Trient, die Bruno Kessler Stiftung, die italienische nationale Wasserstoffvereinigung H2IT, das Konsortium H2 Mobility Deutschland, welches den Ausbau der Wasserstofftankstellen in Deutschland vorantreibt, das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, nationale Energiekonzerne sowie diverse Gemeinden und Städte. In Südtirol gehören zu den Unterstützern dieses Projektes u.a. die Gemeinden Bozen und Meran, 13 Gemeinden aus dem Obervinschgau, die Handelskammer Bozen, der HGV, aber auch verschiedenste Betriebe und Unternehmen. Diese breite Unterstützung zeigt, dass die Thematik der nachhaltigen Mobilität in Südtirol nicht nur sehr präsent ist, sondern dass sich zunehmend mehr Bereiche hier engagieren möchten.

IIT – Institut für Innovative Technologien Bozen

Für Südtirol bietet das Projekt nicht nur die Möglichkeit, einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Lebensqualität der Bürger zu machen, sondern sich auch im Bereich des nachhaltigen Qualitätstourismus weiterzuentwickeln: Immer mehr Länder verbieten die Zulassung von Verbrennungsmotoren in den nächsten Jahren bzw. fördern Elektrofahrzeuge intensiv. Wenn die entsprechenden Infrastrukturen vorhanden sind, kann Südtirol die Bewohner genau jener Länder frühzeitig ansprechen und mit ihren emissionsfreien Fahrzeugen als Gäste für die green Destination Südtirol gewinnen.

Zudem unterstützt die EU-Finanzierung des Projektes die Errichtung von Infrastrukturen für eine ohnehin vorgeschriebene Entwicklung: Ab 2025 gibt es EU-weit verpflichtende Quoten an emissionsfreien Fahrzeugen in öffentlichen Dienstleistungsbereichen, wie z.B. Busse oder Müllfahrzeuge. Über dieses Projekt will Südtirol gut vorbereitet und entschlossen den Weg in die Ära der emissionsfreien Mobilität weiter beschreiten.

Von: ka

Bezirk: Bozen

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1 Kommentar auf "Südtirol auf dem Weg in Richtung emissionsfreier Mobilität"


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Tabernakel
25 Tage 20 h

Und rundherum fährt der Schwerverkehr.

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