Schwierigkeiten bei Beschaffung von Rohstoffen und Komponenten

Südtirols Industrie fürchtet Auswirkungen des Iran-Kriegs

Dienstag, 24. März 2026 | 10:43 Uhr

Von: mk

Bozen – Die komplexe Situation im Nahen Osten hat entscheidende Auswirkungen auf die Unternehmen im Trentino und in Südtirol. Neben den hohen Energiekosten sowie der Gefahr des Stillstands des Exports in die vom Konflikt betroffenen Gebiete, sorgen die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohstoffen und Komponenten, für welche Lieferzeiten und Unsicherheiten zunehmen, für Besorgnis. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken, müssen neue Absatzmärkte gefunden werden sowie die Abhängigkeit von Rohstoffen und Energie von anderen Regionen der Welt reduziert werden. Eine Herausforderung, der sich die Unternehmen stellen, für die es jedoch auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene Maßnahmen braucht, um die Industrie widerstandsfähiger und krisenfester zu machen.

Ein Überblick über die Folgen des Nahostkonflikts auf die Wirtschaft wurde bei einem gemeinsam vom Unternehmerverband Südtirol und der Confindustria Trient organisierten Webinar gegeben, an dem mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Mitgliedsunternehmen der beiden Verbände teilnahmen.

„Die Krise im Nahen Osten betrifft unsere Unternehmen unmittelbar. Sie hat erhebliche Auswirkungen auf die Kostenstruktur und die Versorgung mit Rohstoffen und Komponenten, die für ihre Tätigkeit entscheidend sind, und gefährdet somit die Wettbewerbsfähigkeit. Angesichts dieser Szenarien muss die EU geschlossen handeln, damit die Unternehmen im globalen Wettbewerb bestehen können und die Abhängigkeit in den Bereichen Energie und Rohstoffe verringert wird“, betonte Alexander Rieper, Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol.

„Durch den Konflikt wird für unsere Unternehmen der Zugang gerade zu den Ländern der betroffenen Region erschwert, die in den letzten Jahren zu einem interessanten Markt wurden. Aufgrund der US-Zölle und des geringen Wachstums in den traditionellen Märkten der EU haben zahlreiche Unternehmen diversifiziert – die Situation bringt somit neue Schwierigkeiten mit sich“, so Lorenzo Delladio, Präsident der Confindustria Trient.

Über die technischen Hintergründe informierten Marco Ravazzolo, Leiter des Bereichs Umwelt-, Energie- und Mobilitätspolitik von Confindustria, Alessandro Rossi, Experte des Polo Tecnologico per l’Energia in Trient, und Giovanni Foresti, Leiter der territorialen Analyse des Research Department von Intesa Sanpaolo.

Marco Ravazzolo ging auf die Folgen des Konflikts für die Kosten für die Unternehmen ein: „Die Straße von Hormus ist ein zentraler Knotenpunkt der weltweiten Energielogistik. Aus der Golfregion kommen Rohstoffe, die für ganze Lieferketten von entscheidender Bedeutung sind. Die aktuellen Spannungen führen zu längeren Transportzeiten, höheren Transportkosten und einer größeren Schwankungsbreite bei den Frachtraten, was sich direkt auf die Kosten der globalen Lieferketten auswirkt.“

„Der Energiemarkt ist von Unsicherheit und starker Volatilität geprägt. Die Preise für Gas und Strom sind auf ein sehr hohes Niveau gestiegen. In einem solchen Umfeld können auf geopolitischer Ebene strukturelle Lösungen gefunden werden, die Unternehmen können hingegen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieerzeugung investieren, um die Abhängigkeit von externen Lieferungen zu verringern und die Dekarbonisierungsziele zu erreichen“, unterstrich Alessandro Rossi.

„Es ist noch zu früh zu sagen, welche Auswirkungen der Konflikt im Iran auf die italienische Wirtschaft und jene in der Region haben wird: viel hängt von der Dauer des Konflikts und der Schließung der Straße von Hormus sowie den Schäden an der Energieinfrastruktur ab. Die Auswirkungen auf die einzelnen Sektoren und Produktionsketten werden je nach wirtschaftlicher Verflechtung mit den Ländern im Nahen Osten, der Energieintensität und der Nachfragesituation variieren“, schloss Giovanni Foresti.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen