Von: luk
Bozen – Wenn der Frühling die Höhenwege freilegt, beginnt für viele Ehrenamtliche die arbeitsreichste Zeit des Jahres: Jene Menschen, die dafür sorgen, dass Wandernde sicher über Steige, Brücken und Passagen gelangen. Sie sind meist unsichtbar – und doch unverzichtbar. Bei der Jahresversammlung der Wegewarte des Alpenvereins Südtirol (AVS) wurde einmal mehr deutlich, wie viel Engagement hinter den rund 6.000 Kilometern Wanderwegen steckt, die ehrenamtlich gepflegt werden.
Die Instandhaltung der Wege erfordert körperlichen Einsatz aber auch Fachwissen. Viele Wegewarte sind rüstige Pensionisten, die sich mit Leidenschaft einbringen. „Dieses Ehrenamt ist zeitintensiv und verlangt viel Engagement. Wir stellen leider fest, dass jüngere Menschen wenig Interesse an solchen unbezahlten und auch unbezahlbaren Diensten haben“, sagt Martin Knapp, Leiter des AVS-Referats Hütten und Wege. „Wir möchten die Jugend im Alpenverein verstärkt einbinden. Denkbar wäre, die Themen Wegerhaltung und -pflege in die Ausbildung zu integrieren – oder zumindest dafür zu sensibilisieren.“
Um die Last auf viele Schultern zu verteilen, gibt es beim AVS zahlreiche Wegepaten und Wegepatinnen, die auf einzelnen Wegen die Wartung übernehmen. Wegewarte und Wegereferenten koordinieren die Tätigkeiten in den Sektionen – und arbeiten auch selbst stark mit.
Historische Wege: Archäologie trifft Alpinismus
Ein Höhepunkt der Versammlung war das Gastreferat von Hubert Steiner, Archäologe im Landesamt für Bodendenkmäler. Unter dem Titel „Der Weg ist das Ziel. Die Nutzung der Pässe und Übergänge in der Vorgeschichte“ zeigte Steiner auf, welch tiefe kulturelle Spuren frühe Wege und Übergänge hinterlassen haben. Er warnte jedoch auch: Durch moderne Erschließung gehe oft ein Teil des historischen Zaubers verloren. Steiner appellierte an alle Wegereferenten, Wegewarte und Wegepaten, mit offenen Augen unterwegs zu sein. „Immer wieder werden zufällig wertvolle historische Zeugnisse entdeckt. Besondere Funde sollten dem Landesamt für Archäologie gemeldet werden.“
Aktuelle Themen: Wegeportal und Wegklassifizierung
Auch praktische Neuerungen standen im Fokus: Das digitale Portal „Wege online“ sowie die Klassifizierung der Wanderwege, über die seit Längerem diskutiert wird. Beide sollen die Wegearbeit weiter professionalisieren und auch über die Grenzen hinaus vereinheitlichen.




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