Von: mk
Triest/Mailand – Der Finanzpolizei ist ein schwerer Schlag gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität gelungen. Eine Sondereinheit aus Triest hat in Zusammenarbeit mit Anti-Mafia-Ermittlern aus Mailand ein weit verzweigtes, international agierendes Drogennetzwerk zerschlagen. Die Bande überschwemmte vor allem die Lombardei, Ligurien, die Toskana sowie die beliebten Urlaubsregionen der oberen Adria mit Kokain, Haschisch und Marihuana.
Wie die Ermittler bekannt gaben, agierten die Täter wie echte „Wirtschaftsprofis“. Die italo-albanische Organisation unterhielt Logistikstützpunkte in zahlreichen norditalienischen Provinzen, darunter Mailand, Brescia, Pavia und Savona. Besonders perfide: In den Sommermonaten verlagerten die Kriminellen ihren Schwerpunkt gezielt in die großen Touristenzentren an der Adriaküste. In Badeorten wie Sistiana, Grado, Lignano, Bibione, Jesolo und Caorle wurden die Drogen systematisch im Umfeld von Diskotheken, Pubs und Strandbädern an junge Urlauber vertrieben.
Der Fall kam ins Rollen, als den Ermittlern bei einer Routinekontrolle nahe Lignano zwei Kuriere mit zwei Kilogramm Marihuana ins Netz gingen. Die folgenden, monatelangen Ermittlungen legten eine streng hierarchisch strukturierte Organisation offen.
High-Tech-Verschlüsselung
Die Bande ging mit äußerster Vorsicht vor: Sie kommunizierte ausschließlich über hochgradig verschlüsselte Plattformen, wechselte Handys und SIM-Karten im Dauertakt und tauschte auch die genutzten Fahrzeuge permanent aus. Dadurch sollte verhindert werden, dass Mitglieder der Organisation beschattet werden. Sogar eine eigene, professionelle Marihuana-Plantage wurde in der Provinz Pavia betrieben.
Für den Vertrieb nutzte das Netzwerk ein ausgeklügeltes Rotationsprinzip. Es wurden gezielt junge, im System polizeilich noch nicht registrierte Albaner nach Italien geschleust. Diese reisten mit regulären Touristenvisa ein, fungierten für maximal 90 Tage als Kuriere und Straßendealer und wurden anschließend sofort wieder in ihre Heimat zurückgeschickt, um Platz für neue, unverbrauchte Gesichter zu machen. Gelagert wurden die Drogen in einem Netz aus Wohnungen und Garagen, die über unbescholtene Strohmänner angemietet worden waren.
Waffen, Luxusgüter und Millionenvermögen beschlagnahmt
Trotz der professionellen Tarnung flogen die Kriminellen auf. Neben klassischen Observierungen kamen im Rahmen der Operation “King George” modernste Überwachungstechnologien zum Einsatz. Die Bilanz der Razzien ist beachtlich: Über 77 Kilogramm Marihuana und 21 Kilogramm reines Kokain wurden beschlagnahmt – ebenso wie drei nicht registrierte Pistolen mit abgeschliffener Seriennummer, Munition sowie zehn Hieb- und Stichwaffen.
Auch Fahrzeuge hat die Finanzpolizei beschlagnahmt – unter anderem einen Alfa Stelvio, dessen Fahrgestell speziell für den unsichtbaren Drogentransport umgebaut worden war.
Sieben Personen wurden auf frischer Tat verhaftet. Außerdem hat die Finanzpolizei acht weitere Haftbefehle gegen Hintermänner vollstreckt. Gegen insgesamt 33 Verdächtige wird wegen schwerer Delikte – von der Bildung einer kriminellen Vereinigung über Geldwäsche bis hin zum illegalen Waffenbesitz – ermittelt.
Neben der Zerschlagung der Lieferketten setzten die Finanzpolizisten aus Triest ihre Expertise ein, um die Gewinne aus den kriminellen Machenschaften einzufrieren. Vermögenswerte in Höhe von 1,1 Millionen Euro wurden von den Behörden mittels eines dringlichen Beschlagnahmeverfahrens blockiert. Darunter befinden sich Immobilien, Fahrzeuge, Luxusuhren der Marke Rolex sowie erhebliche Mengen an Bargeld in verschiedenen Währungen. Die Ermittlungen dauern an.




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