Bozen - Der lang ersehnte Regen hat am Donnerstagabend in Bozen nicht nur für Abkühlung gesorgt, sondern auch für Ärger bei Bahnreisenden. Ausgerechnet am Bahnhof verwandelten sich Teile der Unterführung in eine kleine Wasserlandschaft: Aus Rissen in den Marmorwänden trat Wasser aus und lief in mehreren Rinnsalen über den Boden. Festgehalten wurden die Szenen vom selbst ernannten Mobilitätsinspektor und Filmemacher Moritz Holzinger, dem auf Instagram und Facebook Tausende Menschen folgen. Seine Videos verbreiteten sich innerhalb kürzester Zeit in den sozialen Netzwerken und sorgten für zahlreiche Reaktionen. Die Aufnahmen zeigen, wie das Regenwasser regelrecht aus den Wänden der Unterführung quillt und den Boden überflutet. Viele Reisende reagierten fassungslos. Für manche Mitarbeiter am Bahnhof ist das allerdings nichts Neues. "So etwas passiert seit Jahren, sobald ein stärkeres Gewitter über Bozen zieht", berichten sie. An der Situation habe sich bislang jedoch nichts geändert. https://www. instagram. com/p/DbtmG-YiFnt Der heftige Niederschlag am Donnerstagabend führte in Bozen auch andernorts zu Problemen. Mehrere Straßen standen zeitweise unter Wasser, vereinzelt wurden Keller überflutet. Besonders betroffen war jedoch erneut der Bahnhof, wo sich die Unterführung zu den Bahnsteigen einmal mehr als Schwachstelle erwies. Die Bilder haben die Diskussion über den Zustand des Bahnhofs neu entfacht. Viele Nutzer in den sozialen Medien fragen sich, warum das bekannte Problem trotz wiederkehrender Wassereinbrüche noch immer nicht dauerhaft behoben wurde. Weitere unliebsame Überraschung Holzinger musste nach dem Bewältigen der überfluteten Unterführung dann noch feststellen, dass der bereits am Bahnsteig wartende Zug abgesperrt war. Reisende wurden seiner Ansicht nach im Regen stehen gelassen, denn nur ein Teil des Bahnsteigs ist tatsächlich überdacht. Erst Sekunden vor der Abfahrt öffneten sich die Zugtüren. Holzinger meint: "Oft sind es die kleinen Dinge, die das Zug fahren zwischen 'angenehm' zu 'absolut unfein' machen. Wir können auch noch so viele Infrastrukturprojekte umsetzen, solange solche Kleinigkeiten wie hier im Video erklärt nicht funktionieren, dann werden die Menschen auch nicht auf die Zukunft umsteigen. Genau das versteht unsere Landesregierung und unser Landesrat nicht. Stattdessen gibt es als Reaktion auf solche Videos immer wieder halbe Ausreden, gemeint als Erklärungen, in diesem Fall von dem Video kann ich mir denken, dass erst wenn der Zugschaffner ankommt, der Zug geöffnet werden darf. Dann... müssen wir halt das ändern oder irgendwie eine Lösung finden, aber so kann es halt nicht sein wie es jetzt ist." https://www. instagram. com/p/DbuzX1bCNqe Tem K: Alfreider darf sich nicht länger hinter der RFI verstecken Die massiven Wassereinbrüche in der Fußgängerunterführung des Bahnhofs Bozen haben laut dem Team K zahlreiche Pendlerinnen und Pendler aufgeschreckt. Wasser trat an mehreren Stellen aus den Wänden aus, die Unterführung war nur mehr eingeschränkt passierbar. Das Team K hat dazu umgehend eine Landtagsanfrage (und eine Anfrage am Gemeinderat Bozen) eingereicht und fordert Transparenz über den Zustand der Infrastruktur sowie die Sicherheit der Nutzerinnen und Nutzer. Besonders bedenklich sei, dass ähnliche Vorfälle bereits in den vergangenen Monaten aufgetreten sind. Vor dem Hintergrund des Teileinsturzes am Bozner Justizpalast dürften solche Warnsignale nicht ignoriert werden. Das Team K fordert daher eine umfassende technische Überprüfung der Unterführung und klare politische Verantwortung. "Der Bozner Bahnhof ist das wichtigste Mobilitätsdrehkreuz Südtirols. Wenn dort Wasser unter Druck aus den Wänden schießt, dann geht es nicht um eine Bagatelle, sondern um die Sicherheit tausender Menschen, die täglich den Bahnhof nutzen", erklärt Paul Köllensperger. Kritisch sieht das Team K die Reaktion von Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, der bei Problemen am Bahnhof regelmäßig auf die Zuständigkeit der italienischen Bahninfrastrukturgesellschaft RFI verweise. "Alfreider kann nicht jedes Mal auf die RFI zeigen. Wer politisch für die Mobilität in Südtirol verantwortlich ist, muss auch Verantwortung übernehmen, wenn zentrale Infrastrukturen Mängel aufweisen. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten Lösungen und keine Zuständigkeitsdebatten", so Paul Köllensperger. Für das Team K zeigt der Vorfall einmal mehr die Grenzen der jüngst gefeierten Autonomiereform auf. "Mehr Zuständigkeiten beim Wolfsmanagement mögen symbolisch wichtig sein, sie helfen den Menschen aber wenig, wenn Südtirol bei zentralen Fragen der Bahninfrastruktur und Mobilität weiterhin von anderen abhängig bleibt." Benedikter fordert sofortige statische Erhebung Der Bozner Gemeinderat Rudi Benedikter fordert ebenfalls Konsequenzen: "Täglich passieren Tausende von Bahnreisenden die Unterführung der Gleise am Bozner Bahnhof – jetzt muss man um die Stabilität dieses Bauwerks bangen", schreibt er in einer Aussendung. "Es kann nicht sein, dass die Behörden in einer solchen alarmierenden Situation die Zuständigkeiten aufeinander abwälzen: Auch wenn der Schienenbetreiber RFI Eigentümer der Bahnhofsanlagen ist, hat das Land Verantwortung für die Sicherheit der Verkehrsinfrastruktur - und natürlich in allen Fragen des Zivilschutzes und der Vorbeugung von Katastrophen. Hier kann sich der „Technischen Arbeitstisch“ RFI/Land, der bei der heutigen Sitzung der Landesregierung eingesetzt wurde, sofort bewähren: Wir fordern, dass die Bahnsteige sofort statischen Erhebungen unterzogen werden", so Benedikter.