Schwere russische Luftangriffe auf Kiew

Tote bei neuen massiven russischen Luftangriffen

Montag, 06. Juli 2026 | 09:55 Uhr

Von: APA/AFP/dpa/Reuters

In der Ukraine sind am frühen Montag bei russischen Angriffen mindestens elf Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Zahlreiche Wohngebäude seien schwer beschädigt worden. Der Angriff erfolgte kurz vor einem ab Dienstag geplanten NATO-Gipfel in der Türkei. US-Präsident Donald Trump will dort mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammenkommen, um einen neuen Anlauf zu nehmen, den im Februar 2022 mit der russischen Invasion begonnenen Krieg zu beenden.

Rettungskräfte suchten in den Trümmern zerstörter Gebäude nach Überlebenden, wie der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilte. Demnach wurden im gesamten Stadtgebiet mindestens 46 Menschen verletzt. Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurden mindestens 15 Wohngebäude beschädigt oder zerstört. Besonders betroffen war der historische Stadtteil Podilskyj, wo unter anderem ein neungeschossiges Wohnhaus ab dem fünften Stockwerk weitgehend zerstört wurde. Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte, neben dem Bezirk Podilskyj habe auch der östliche Stadtteil Darnytskyi im Zentrum der Angriffe gelegen. Dort seien zwei Menschen ums Leben gekommen, als Trümmerteile ein 25-stöckiges Wohngebäude trafen.

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland bei dem Angriff 68 Raketen – darunter 23 ballistische Raketen und sechs Zirkon-Hyperschallraketen – sowie 351 Drohnen ein. Die ukrainische Luftabwehr habe 37 Raketen abgeschossen oder unschädlich gemacht, jedoch keine der ballistischen Raketen oder Zirkon-Geschosse abfangen können. Die Ukraine verweist seit längerem auf einen Mangel an Abfangraketen für das Patriot-Abwehrsystem, das als einziges wirksames Mittel gegen ballistische Raketen gilt.

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, es habe einen massiven Schlag mit hochpräzisen Waffen großer Reichweite und Drohnen geführt. Dabei seien Militär- und Energieanlagen in Kiew und der umliegenden Region sowie Militärflugplätze in mehreren anderen ukrainischen Regionen getroffen worden.

Kiew forciert Druck auf Krim

Die Ukraine griff Russland nach Angaben aus Moskau mit mehr als 500 Drohnen an. 519 Drohnen seien abgeschossen worden, meldete das russische Verteidigungsministerium. Derweil berichtete das unabhängige Internetportal “Astra” von einem erneuten Angriff auf die Raffinerie in der Großstadt Jaroslawl nördlich von Moskau. Auf in sozialen Netzwerken kursierenden Bildern seien Rauchwolken über der Anlage zu erkennen. Die Raffinerie ist in der Vergangenheit schon mehrfach attackiert worden.

Offiziell gibt es keine Angaben zu möglichen Schäden an der Ölverarbeitungsanlage. Laut dem Jaroslawler Gouverneur Michail Jewrajew hat die Flugabwehr mehr als 70 Drohnen abgeschossen. “Zwei Menschen haben Splitterverletzungen erlitten”, sie würden im Krankenhaus behandelt, schrieb er auf Telegram. Er warnte vor möglichen weiteren Angriffen.

Ukraine attackiert auch besetzte Krim erneut

Insgesamt hat die Ukraine nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau rund 20 russische und unter russischer Kontrolle stehende Regionen attackiert, darunter auch einmal mehr die seit 2014 von Moskau annektierte Krim. Auf der Halbinsel hätten Drohnenangriffe eine Frau getötet und zwei weitere Menschen verletzt, schrieb der von Moskau eingesetzte Statthalter Sergej Aksjonow.

In der Hafenstadt Sewastopol wiederum sei die Energieinfrastruktur getroffen worden, teilte der eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew mit. Später schrieb er, dass die Stromversorgung für die meisten Haushalte nach der Umstellung auf Reservekapazitäten wiederhergestellt sei.

Ukraine greift Ostseehäfen und Krim mit Drohnen an

Bei ukrainischen Drohnenangriffen wurden die russischen Ostseehäfen Wysozk und Ust-Luga nach örtlichen Angaben beschädigt. Ust-Luga ist einer der wichtigsten russischen Exporthäfen für Öl. Nach Angaben des Regionalgouverneurs Alexander Drosdenko wurden in der Gegend 56 Drohnen abgeschossen.

In der Region Kaluga rund 190 Kilometer südlich von Moskau geriet nach einem Drohneneinschlag ein Industriegelände in Brand. In der Region Jaroslawl knapp 270 Kilometer nordöstlich der russischen Hauptstadt wurden zwei Menschen durch Splitter infolge eines Drohnenangriffs verletzt.

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