Archiv der Churburg 1964 unter Schutz gestellt

Bedeutendstes Südtiroler Adelsarchiv nun besser zugänglich

Donnerstag, 15. September 2016 | 10:26 Uhr

Bozen/Schluderns – Das Churburger Archiv, das bedeutendste Adelsarchiv in Südtirol, hat das Land kürzlich erworben. Seit einigen Tagen befindet es sich im Landesarchiv.

Das 1964 unter Schutz gestellte Archiv der Churburg hat das Land im Juni angekauft. Dieser Tage wurde es vom Landesarchiv übernommen. Während das Archiv auf der Churburg bisher lediglich in den Sommermonaten zugänglich war, kann es nun nach der Übernahme durch das Landesarchiv das ganze Jahr über eingesehen werden. „Dieses überregional bedeutende Adelsarchiv wird nun als wichtiges Kulturgut unseres Landes für die Nachwelt erhalten und die wertvollen Archivalien können wissenschaftlich aufgearbeitet werden”, sagt der für die Denkmalpflege zuständige Landesrat Florian Mussner. Ab sofort stehe das Archiv allen Interessierten und vor allem der Wissenschaftsgemeinschaft zur Verfügung  – wichtige Impulse für die engere und vergleichende Landesgeschichte seien zu erwarten, so Mussner.

“Beim Churburger Archiv handelt es sich um das bedeutendste Südtiroler Adelsarchiv” sagt der Vize-Direktor des Landesarchivs Gustav Pfeifer vom Landesarchiv. Die Überlieferung reicht vom ausgehenden 12. bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts und strahlt weit über den engeren Tiroler Raum hinaus. Das Churburger Archiv dokumentiert Herrschaftsbildung und Familiengeschichte der 1504 im Mannesstamm ausgestorbenen Vögte von Matsch, Grafen von Kirchberg, und der dem steirischen Uradel entstammenden Ritter, Reichsfreiherren (seit 1605) bzw. Grafen (seit 1655/91) Trapp. Die 1131 bzw. 1158 erstmals belegten Vögte von Matsch mit den namengebenden Burgen Ober- und Untermatsch und Besitzschwerpunkten im Vinschgau, im Oberen Veltlin, im Puschlav, im Unterengadin, im Münstertal und in Churrätien waren bis zu ihrem Aussterben (1504) die führende Familie des Tiroler Adels. Die 1250/1333 erstmals urkundlich belegten, aus Leutschach (Südweststeiermark) stammenden Trapp wanderten Mitte des 15. Jahrhunderts unter Herzog Sigmund dem Münzreichen nach Tirol ein, erwarben 1461 das Gericht Caldonazzo, 1468 Castel Campo, 1470 Gericht und Burg Beseno, 1497 die Pfandherrschaft Ulten und über eine Heiratsverbindung mit den Matschern nach 1504 auch deren tirolische Lehen (Matsch mit Churburg, Landgericht Glurns und Mals). „In ihrer über Jahrhunderte ausgeübten Funktion als Burg- und Gerichtsherren hinterließen die Trapp im Trentino und im Vinschgau tiefe Spuren und sind bis heute in der kollektiven Erinnerung sehr präsent“, sagt Pfeifer. „Die Geschichte beider für unser Land so bedeutenden Familien findet im Churburger Archiv ihren eigentlichen Niederschlag“, erklärt Pfeifer.

Von: mk

Bezirk: Bozen, Vinschgau

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