Sarner Betrieb erhält Patent für innovativen Druckkopf

Neue Technologie für 3D-Druck von Beton

Dienstag, 06. April 2021 | 11:53 Uhr

Bozen – Der weltweit erste für den 3D-Druck verwendete Beton-Inkjet-Druckkopf für das Selective Paste Intrusion-Verfahren kommt aus dem Sarntal. Nach Jahren der Forschung und Entwicklung hält der Unternehmer Kurt Wohlgemuth seit Kurzem das Patent in den Händen.

Was zeichnet die bahnbrechende Technologie made in Südtirol aus? Über Binderjet-Düsen und den neu entwickelten Druckkopf wird flüssiger Portlandzement in ein grobkörniges Sandbett gespritzt. Das Ergebnis: 3D-Objekte in beliebigen Formen, die – im Gegensatz zu marktüblichen Herstellungsverfahren für Beton – beim Druck lediglich eine digitale Vorlage brauchen. „Während man beim sogenannten ‚Contour Crafting‘ den Beton nicht in überhängende Formen bringen kann und aufwändige Stützstrukturen benötigt, erlaubt es dieser Druckkopf, vergleichbar mit  vielen Tortenspritzen, völlig frei beliebige dreidimensionale Formen und Objekte zu drucken“, erklärt Kurt Wohlgemuth.

Die Geschichte beginnt vor rund zehn Jahren mit der Idee des gelernten Kunstschmieds, eine Treppe von der Planung bis zur Produktion gänzlich digital zu fertigen. „Als Handwerker im Sarntal muss man sich etwas überlegen, um zu überleben“, so der Inhaber von Metall Concept. Damals wandte er sich erstmal an den NOI Techpark (damals TIS). Mit dem dortigen Netzwerk und in mehreren gemeinsam ausgearbeiteten F&E-Projekten entwickelte Wohlgemuth in den darauffolgenden Jahren gemeinsam mit verschiedensten Partnern aus Wirtschaft und Forschung innovative Schalungssysteme und Druckverfahren. In Zusammenarbeit mit dem Brixner Betonspezialisten Progress AG entstand ein erster Druckkopf für Sorelzement. Da dieses Material weit weniger Anwendungsmöglichkeiten als Beton bietet, forschte Wohlgemuth weiter – und patentierte 2021 schließlich den weltweit ersten 3D-Beton-Inkjet-Druckkopf.

„Kurt Wohlgemuth ist ein Musterbeispiel dafür, wie Forschung & Entwicklung funktioniert“, so der Verantwortliche für Tech Transfer Automotive & Automation im NOI, Johannes Brunner, der den Sarner Unternehmer von Beginn an begleitete. „Es braucht dafür nicht nur eine zündende Idee, sondern viel Ausdauer, Mut, und vor allem ein Netzwerk mit den richtigen Partnern – in diesem Fall mit der TU München, der Universität Trient sowie den Unternehmen Progress M&A in Brixen, FIT Additive Manufacturing Group und BASF AG.“ Seine Ursprungsvision, eine gedruckte Beton-Treppe, wird Kurt Wohlgemuth dank dieses Patents künftig verwirklichen können. Doch das Anwendungsfeld des neuen 3D-Druckkopfs für Beton ist noch viel breiter und eröffnet der Südtiroler Industrie Möglichkeiten für weitere Produkt- und Verfahrensinnovationen.

Von: luk

Bezirk: Salten/Schlern

Kommentare

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15 Kommentare auf "Neue Technologie für 3D-Druck von Beton"


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Universalgelehrter
8 Tage 13 h

Eine großartige Entwicklung. Nur eine (allgemeine) Frage hätte ich : “Handelt es sich hier nicht eher um einen 3D FORMER, denn gedruckt (wie z.B. eine Zeitung oä.) wird doch nicht, sondern geformt. Das trifft auf alle 3D “Drucker” 🙈 zu und hat mit dieser wirklich tollen 💪 Südtiroler Erfindung absolut nichts zu tun. (Erleuchtete) Antworten von Experten wären wünschenswert, nur 👎 bringen mir keine neuen Erkenntnisse.

allesnurzumschein
allesnurzumschein
Superredner
8 Tage 11 h

@Offline
😄 Psst, den strammen Südtirolern mit ihrem “beneidenswerten Innovationsgeist” bloß nicht ans Bein pinkeln, die halten sich für die Könige der Welt 😇🤓🤣😂 P.S.: Ich oute mich aber und pflichte dir bedingungslos bei 👍

Neumi
Neumi
Kinig
8 Tage 11 h

Wenn es auf alle zutrifft, dann wohl auch auf diesen, die Antwort auf die “Frage” ist also wohl “Ja”.

Soley
Soley
Neuling
8 Tage 10 h

Aus diesem Grund spricht man in der Industrie oft von Additiver Fertigung bzw. Additive Manufacturing. Dies umfasst als Oberbegriff mehr als den eigentlichen 3D-Druck. Materialien sind heutzutage ja vielfältig, so dass nicht nur Kunststoff, sondern z. B. auch Metall (und nun offensichtlich Beton) verwendet werden kann.

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Universalgelehrter
8 Tage 9 h

@Neumi..👍👍habe die Südtiroler Neuentwicklung nur deshalb erwähnt, um nicht den Eindruck zu erwecken, ich hätte etwas gegen die Südtiroler Innovationskraft. Natürlich sind alles FORMER.

schlauer
schlauer
Tratscher
8 Tage 8 h

@offline
Weniger innovativ finde ich hingegen dass für diese 3D-Betondrucker der Brixner Auwald weichen muss… Die Fa. Progress will dort nämlich diese Drucker betreiben bzw. ein Industriegebäude errichten. Es handelt sich dabei um den letzten Auwald des Eisacktales und zugleich Brutstätte für 29 Vogelarten, darunter auch 7 der Roten Liste! Auwälder machen in Südtirol wohlgemerkt nur mehr 0,6 Prozent der gesamten Waldflächen aus….In Brixen scheint man auch vollends zu ignorieren wie wichtig Wälder für den Klimaschutz sind!!!

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Universalgelehrter
8 Tage 8 h

@Soley..Wow…….

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Universalgelehrter
8 Tage 6 h

@schlauer..die Fa. Progress kann ja viel wollen. Die (Bau) Genehmigung erteilt aber die öffentliche Hand. Und die schaut auf Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Sollen die Vögel doch “umziehen” 😡 Können ja fliegen 🙈😡

kleinerMann
kleinerMann
Universalgelehrter
8 Tage 11 h

Net lei feine Leit di Sarnar . . na a no schlaue Leit di Sarnar 🙂 Fantastische Erfindung !

Faktenchecker
8 Tage 11 h
Angi
Angi
Grünschnabel
8 Tage 9 h

I als totalor Laie konn uanfoch lai gewaltig sogn!!! Gratuliere

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
8 Tage 5 h

Friar sich ” dr Sarner in dr Stodt gongen um die nuin Solchen zu sechn”. Heint geat die Welt ins Sarntol um eppas nuis zu sechn. Hoe?

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
8 Tage 6 h

Es wird soweit Kommen das man mit einem 3d Drucker ein Haus Baut

Guitarplayer
Guitarplayer
Grünschnabel
7 Tage 17 h

haben sie schon vor jahren in deutschland!

Guitarplayer
Guitarplayer
Grünschnabel
7 Tage 17 h

Was ich nicht verstehe ist dass mit 3d druckern schon häuser aus beton gedruckt wurden und jetzt soll das innovativ sein was hier erfunden wurde?

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