Auch dunkle Wolken am Südtiroler Tourismushimmel – ein Kommentar

Nur eitel Sonnenschein?

Donnerstag, 06. September 2018 | 09:17 Uhr

Bozen – Stolz präsentierte der HGV die in seinem Auftrag durchgeführte repräsentative Befragung zur Einstellung der Südtiroler Bevölkerung zum Tourismus und dessen Chancen und Herausforderungen in den nächsten Jahren. Die Zahlen können sich zu Recht sehen lassen. Die Südtiroler sehen in ihrer übergroßen Mehrheit den Tourismus als sehr wichtig an und schreiben dem Fremdenverkehr viele positive Entwicklungen zu. Dem kann man nur zustimmen. Es ist vor allem dem Tourismus zu verdanken, dass die Abwanderung aus den Tälern verhindert und neue Verdienstmöglichkeiten geschafft werden konnten.

Alles eitel Sonnenschein also? Nein. Gerade die Aussage, dass 59 Prozent der Befragten es als voll zutreffend ansehen, dass der Tourismus Auswirkung auf die steigenden Lebenshaltungskosten hat, sollte dem HGV zu denken geben. Zwei Dinge trüben das Bild. Zum einen halten Löhne und Gehälter der Angestellten – und da ist das Tourismusgewerbe keine Ausnahme – mit den Lebenshaltungskosten nicht Schritt und zum anderen schießen die Kosten für Miete und Eigentum von Wohnraum durch die Decke.

APA/APA (OTS/Bitzinger)/Bitzinger

Ein Blick über den Tellerrand nach Barcelona, Venedig oder anderen touristischen Ballungsräumen wie Mallorca zeigt, welche negativen Entwicklungen in Südtirol unbedingt verhindert werden müssen. In Städten wie Barcelona schmälern Buchungsplattformen wie Airbnb das Wohnungsangebot für Einheimische, was bereits heute zwischen Stadtbewohnern und Touristen einen tiefen Keil treibt. Mallorca sieht sich genauso wie andere iberische Urlaubsorte gezwungen, die Onlinevermietung von Privatunterkünften, die dann dem Mietmarkt fehlen, massiv einzuschränken oder gar ganz zu verbieten. Südtirol wird vermutlich schon bald zu ähnlichen Maßnahmen greifen müssen, ist ja Airbnb auch auf dem heimischen Markt präsent. Die andere Baustelle sind die Gehälter. Die, die als Angestellte im Tourismus arbeiten, müssen stärker am touristischen Erfolg des Landes beteiligt werden. Dies wäre über ein Landeszusatztarifabkommen leicht umsetzbar.

Aus Sicht des HGV wären die Kosten gering. Es braucht nicht viel. Härte gegenüber den Online-Buchungsplattformen, mehr Einkommen für die Angestellten und das Land, das das nötige gesetzliche Umfeld für preiswerten Wohnraum und Zusatzabkommen schafft.

Niemand profitiert von einem guten Auskommen zwischen Einheimischen und Urlaubern so sehr wie die Tourismustreibenden selbst. 

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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16 Kommentare auf "Nur eitel Sonnenschein?"


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Dublin
Dublin
Kinig
17 Tage 2 h

…so schlimm wie heuer war’s noch nie…bei dieser Touris-invasion haben die Einheimischen auszustellen…durch die Lauben kannst nur noch Slalom laufen und die Touris als Kippstangen verwenden…
😅

gapra
gapra
Universalgelehrter
16 Tage 18 h

@Dublin Ja in Zukunft werden die Gäste das Geld für die Südtiroler Wirtschaft von Zuhause aus überweisen und gar nicht erst anreisen. So bleibt genügend Platz für die Einheimischen und aus Slalom wird’s eine Ab-oder Talfahrt .

Staenkerer
16 Tage 6 h
@gapra jeder woaß das es ohne tourismus nit gang, ober deswegn dorf man decht seinen unmut luft mochn, das es wirklich oft des guten zuviel isch! es werd jo ollm no werbung gemocht und den gästen werd sicher koan vorwurf gemocht das se gerne kemmen! das ober ob und zu a einheimischer, der in eile isch, de gäste nit freundlich lächelt umrundet, oder auf de verstopften stroßn freundlich vom autofenster aus ,unlächelt muaß man a verstien! genau so wie es verständlich sein sollte, das a übergstresste, ober unterbezohlte bedienung oder verkäuferin a nit ollm mit strahlender laune am wercke isch,… Weiterlesen »
efeu
efeu
Tratscher
16 Tage 7 h

wie wärs mit der Abschaffung der gratis Fahrkarten dann wären auch schon weniger im Land müsste mir nicht immer anhören wie viel Geld sie sich erspart haben,wenn sie diese Fahrten hätten bezahlem müssen

nakedtruth
nakedtruth
Grünschnabel
14 Tage 22 h

In Tallinn fahren Einheimische kostenlos, nur Touristen bezahlen.
In Südtirol ist die Sache umgekehrt.
Eine Maut fürs “Pässeblasen” wäre auch anzudenken. Freie Fahrt durchs “Weltnaturerbe” (Welttourismuserbe?) gibt’s auch nur bei uns.

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
13 Tage 23 h

… aber auch für die Schüler abschaffen.

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
17 Tage 4 h

Jede Medaille hat zwei Seiten. Aber besser eine Medaille als ein Papierdeckel.

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
16 Tage 23 h

Ich möchte das Gejaule vom HGV hören, wenn die Übernachtungszahlen mal sensibel rückläufig wären.

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
14 Tage 22 h

wie wärs , das land  soll uns auch gratis fahren lassen   und etwas weniger werbung auf unsere kosten machen   ? bezahlen tun alle ,profitieren vom tourismus net

Evi
Evi
Tratscher
14 Tage 2 h

Gebe dir recht giftzwerg, nur in einem Punkt irrst du, denn wir profitieren am Ende alle vom Tourismus.

Dublin
Dublin
Kinig
14 Tage 46 Min

@Evi …alle?…meine Wenigkeit hat nichts davon…glaube, bin nicht allein…
🤔

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
13 Tage 23 h

@Evi Es heißt immer, jederBerufszweig würde vom Tourismus profitieren. Gehen
wir mal als Beispiel davon aus, dass es – aus welchen Gründen auch immer
– mehr Bauaufträge durch Tourismus gibt. D.h. es braucht mehr
Bauarbeiter. Das Gehalt jeden einzelnen Arbeiters steigt aber nicht. Inwiefern profitiert er denn?

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
16 Tage 9 h

Den Großen immer mehr,und den kleinen die Schlinge immer enger ziehen. Dann kann mann sagen, Lieber Fremdenverkehr, als gar keinen.

Mentar
Mentar
Neuling
14 Tage 22 h

Solange man 2 Jahre und 7.000 Euro an Gerichtskosten benötigt, um seine Wohnung von amtsbekannten Mietnomaden zu räumen, könnte AirBnB die sicherere Alternative sein.

tim rossi
tim rossi
Tratscher
14 Tage 3 h
I sichs gleich. Es gib leido wienk Fairness ba ins wos a hauptsächlich an Lobbying lieg. Die Bauon (Subventionen, Steuererleichterungen, Privilegien) kimmon sich zimindischt nö ums Kulturlond und stell Lebensmittl he. Se loss i mio, als normalo Selbstständigo, jo a nö sougn. Wobei a net olla gleich san. A Milchbau konn jo a net mit a reichn Weinbau voglichn werdn… Obo zin eigntlichn Thema. ba die Hoteliere froug i mi schu: Gewinne insteckn obo laut schrein wenns gratis Busse, Infrastruktur (Stroussn, Schwimmbädo etc.) brauchat? wieso kenn sie sich als Hauptgewinna net beteilign?? Und jo logo san des Orbatsplätze. Obo mit… Weiterlesen »
Neumi
Neumi
Universalgelehrter
13 Tage 23 h

“Die, die als Angestellte im Tourismus arbeiten, müssen stärker am touristischen Erfolg des Landes beteiligt werden.”
… und die anderen?
Der Großteil der Südtiroler ist (noch) nicht im Tourismus tätig. Wie können die – wenn wir schon von Lebenserhaltungskosten und Gehalt reden – davon profitieren?

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