Fair Trade Academy auf Schloss Goldrain

Weltläden stärken Fairen Handel mit Wissen und Engagement

Montag, 06. Juli 2026 | 11:00 Uhr

Von: mk

Goldrain – 272 Freiwillige, mehr als 36.000 Stunden ehrenamtliches Engagement und 13 Weltläden: Seit 46 Jahren machen die Südtiroler Weltläden Fairen Handel konkret. Als Fachgeschäfte für Fairen Handel informieren sie darüber, woher Produkte kommen, unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden und weshalb langfristige Handelsbeziehungen so wichtig sind. Damit dieses Wissen lebendig bleibt, trafen sich kürzlich mehr als 60 Freiwillige und Mitarbeitende aller 13 Südtiroler Weltläden zur Fair Trade Academy auf Schloss Goldrain.

Weltläden unterscheiden sich bewusst von klassischen Handelsunternehmen. Sie arbeiten als Sozialgenossenschaften oder Vereine und verfolgen keine Gewinnmaximierung. Die Weltläden in Sterzing, Toblach und Klausen werden ausschließlich von Freiwilligen geführt, die übrigen beschäftigen zusätzlich wenige Teilzeitkräfte. Im Durchschnitt verbleibt rund ein Drittel des Verkaufspreises im Weltladen. Damit werden Miete, Energie, Personal, Bildungsarbeit und der laufende Betrieb finanziert. Eventuelle Überschüsse fließen wieder in die Weiterentwicklung der Weltläden. Gerade weil sich 272 Freiwillige mit mehr als 36.000 Stunden im Jahr engagieren, gelingt es, dieses Modell aufrechtzuerhalten und gleichzeitig möglichst viel Wertschöpfung bei den Produzentinnen und Produzenten zu belassen.

Beim Fairen Handel geht es um mehr als um den fairen Preis. Produzenten erhalten verlässliche Handelspartner, langfristige Abnahmeverträge und Planungssicherheit. Weltläden bleiben ihren Partnerinnen und Partnern auch dann treu, wenn Ernten schwanken oder sich Märkte und Börsenpreise verändern. Dadurch können Produzentinnen und Produzenten investieren, Arbeitsplätze sichern, ihre Familien versorgen und ihren Kindern Schulbildung ermöglichen. Gleichzeitig gelten verbindliche soziale und ökologische Standards, die Menschenrechte, Umweltschutz und gute Arbeitsbedingungen berücksichtigen.

Mindestens ebenso wichtig ist die Rolle der Weltläden als Orte der Bewusstseinsbildung. Wer einen Weltladen betritt, findet hochwertige Lebensmittel, Kunsthandwerk, Kosmetik oder Textilien und erhält Informationen über deren Herkunft und Herstellung. Die Freiwilligen nehmen sich Zeit für Beratung. Sie erklären, wie Preise entstehen, welche Arbeitsbedingungen hinter den Produkten stehen und weshalb Fairer Handel langfristige Perspektiven schafft. Dadurch entstehen Gespräche über globale Zusammenhänge und die Auswirkungen des eigenen Einkaufs. Genau diese persönliche Beratung gehört seit jeher zum Selbstverständnis der Weltläden.

Damit dieses Wissen aktuell bleibt, organisiert das Netzwerk der Südtiroler Weltläden regelmäßig die Fair Trade Academy. Mehr als 60 Freiwillige und Mitarbeitende aus allen 13 Weltläden nutzten die zweitägige Weiterbildung auf Schloss Goldrain, um ihr Fachwissen zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Rudi Dalvai, Mitbegründer von Altromercato, ehemaliger Präsident der World Fair Trade Organization (WFTO) und Vorsitzender des Weltladens Bozen, zeichnete in seinem Eröffnungsvortrag die Entwicklung des Fairen Handels nach und erläuterte die Grundprinzipien des WFTO-Garantiesystems. „Wer im Weltladen arbeitet, verkauft nicht einfach Waren. Jede Tafel Schokolade, jede Packung Kaffee und jedes handwerkliche Produkt erzählt eine Geschichte von Menschen, von fairen Preisen und von Respekt entlang der gesamten Lieferkette“, sagte er.

Im Mittelpunkt der Academy standen Themen aus dem Alltag der Weltläden: Produzentenorganisationen, Produktwissen, rechtssichere Produktkennzeichnung, professionelle Warenpräsentation, Schaufenstergestaltung und Social Media. Bei einem Kochworkshop konnten die Teilnehmenden sizilianische Produkte kennenlernen und sich über Herkunft, Verarbeitung und Qualität austauschen.

Brigitte Gritsch, Koordinatorin des Netzwerks der Südtiroler Weltläden, sagt: „Unsere Weltläden leben von Menschen, die ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Überzeugung einbringen.“ Die Freiwilligen beraten Kundinnen und Kunden, informieren über die Besonderheiten der Produkte und über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Produzentinnen. Damit sie diese Aufgabe kompetent wahrnehmen können, brauche es regelmäßige Weiterbildung und den Austausch innerhalb des Netzwerks. Genau dafür bot die Fair Trade Academy Raum, die durch eine finanzielle Unterstützung des Amtes für Weiterbildung möglich war. Zum Abschluss besuchten die Teilnehmenden den Weltladen Latsch, der vor elf Jahren gegründet wurde. Präsident Richard Theiner stellte die Arbeit des westlichsten Weltladens Südtirols vor und zeigte, wie jeder Weltladen eigene Schwerpunkte setzt und gleichzeitig Teil eines starken gemeinsamen Netzwerks ist.

Bezirk: Vinschgau

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