Proteste von Touristen

Sicherheitsabstand in den Öffis? – „Fehlanzeige“

Montag, 17. August 2020 | 10:40 Uhr

Bozen – Derzeit sind in Südtirols Krankenhäusern sieben Corona-Patienten eingeliefert. Eine weitere Person befindet sich auf der Intensivstation. Obwohl die Zahl damit stabil bleibt, bereitet der Aufwärtstrend bei den Neuinfektionen Kopfzerbrechen. Schuld daran ist unter anderem der Umstand, dass die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden, schreibt die Tageszeitung Alto Adige. Dies gilt vor allem für öffentliche Verkehrsmittel.

In der Zeit um Mitte August herrscht auch in Südtirol Hochsaison. Zahlreiche Touristen sind im Land. Laut einer Verfügung des Landes dürfen in Stadtbussen der SASA alle Sitz- und Stehplätze von Fahrgästen in Anspruch genommen werden, die eine Maske tragen.

In den Überlandbussen der SAD gilt dies nur für Sitzplätze. Die Gesellschaft hat entschieden, bei den Stehplätzen nur die Hälfte zuzulassen. In den Zügen der SAD dürfen Passagiere alle Sitzplätze nutzen. Dasselbe gilt für die Stehplätze – vorausgesetzt, man wahrt einen Meter Sicherheitsabstand und es werden Menschenansammlungen in den Einstiegsbereichen vermieden.

Trotzdem wird in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer der nötige Abstand eingehalten, weshalb es auch zu Protesten von Touristen kommt. Am 13. August sei etwa in Villnöß der Parkplatz am Ende des Tales geschlossen worden. Wie ein Urlauber erklärt, war er „gezwungen, den Bus zu nehmen“: Sicherheitsabstand – Fehlanzeige.

Ein weiterer Tourist, der seinen Urlaub auf der Seiser Alm verbringt, berichtet Ähnliches: „An der Haltestelle auf der verkehrsbegrenzten Strecke zwischen Kompatsch und Saltria besteht ein regelrechter Ansturm auf die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Menschen drängeln aneinander vorbei, um als erste einsteigen zu dürfen und die besten Plätze zu ergattern.“ Von Sicherheitsabständen fehle oft jede Spur. „Viele tragen nicht einmal eine Maske“, erklärt der Gast aus der Emilia Romagna.

Eine ähnliche Situation hat ein Tourist in einem Zug zwischen Bruneck und Toblach vorgefunden. Dabei schoss er auch Fotos.

Kritisch sei die Situation einer Touristin zufolge nach wie vor am Pragser Wildsee. Zwar wird nur eine begrenzte Anzahl an Besucher bis zum See vorgelassen. Dort sind die Touristen dann allerdings auf sich gestellt und müssen Eigenverantwortung zeigen. Als Vorgabe gilt, dass die Gäste eine vorbestimmte Runde am See (gegen den Uhrzeigersinn) machen sollten, sodass auf den engen Wegen kein Gegenverkehr entsteht. Der Touristin zufolge halten sich allerdings längst nicht alle Besucher an diese Empfehlung.

Dabei wurden sie und ihre Familie nicht nur angerempelt. Leute, die fälscherweise davon überzeugt waren, selbst in der richtigen Richtung unterwegs zu sein, beschimpften die Frau und ihre Angehörigen. Kontrollen von den zuständigen Behörden habe es keine gegeben. Außerdem hätten längst nicht alle Personen eine Maske getragen. „Wir haben uns nie so sehr in Gefahr gefühlt wie in diesem Moment“, erklärt die Touristin laut Alto Adige.

Von: mk

Bezirk: Bozen