Meteorologen schlagen Alarm

Südtirols Skigebiete am Limit: 90 Prozent weniger Schnee

Donnerstag, 15. Januar 2026 | 09:58 Uhr

Von: idr

Bozen – Die Zahlen sind alarmierend: Zur Halbzeit des meteorologischen Winters fehlen in Südtirol über 90 Prozent der üblichen Niederschläge. Was auf den ersten Blick wie ein Extremereignis wirkt, ist laut Landesmeteorologe Dieter Peterlin zwar ungewöhnlich, aber nicht beispiellos. Dennoch: Die Lage ist ernst.

In Bozen hat es nur ein- oder zweimal geschneit, jeweils nur wenige Zentimeter. Selbst in der vergangenen Woche brachte eine Kaltfront kaum Besserung. Etwas mehr Schnee fiel entlang des Alpenhauptkamms im Ahrntal, doch auch dort zeigt sich die Landschaft weniger winterlich als gewohnt. Kurios: An der Adriaküste in Rimini und Riccione schneite es mehr als in Bozen.

Die Temperaturen präsentieren sich zweigeteilt. Nach einem außergewöhnlich milden Dezember sanken die Werte in den letzten zwei Wochen leicht unter den Durchschnitt – von Rekordkälte aber keine Spur. Unterm Strich liegt der Winter bislang über der Norm. Peterlin rechnet in den kommenden Wochen nicht mit größeren Niederschlägen.

Nasses Jahr 2025

Landeshydrologe Roberto Dinale sieht die Situation differenziert. Die Grundwasserreserven profitieren noch von einem niederschlagsreichen Jahr 2025 – die ersten zehn Monate brachten 30 Prozent mehr Regen als üblich. Auch die Stauseen der Wasserkraftwerke sind gut gefüllt. Anders sieht es bei Oberflächengewässern aus: Flüsse und Bäche zeigen erste Schwächeanzeichen.

Besonders dramatisch: Die Schneedecke erreicht historische Tiefstände. „Einer der schneeärmsten Winter der letzten dreißig Jahre“, so Dinale. Seine Prognose klingt düster: Sollte der Frühling keine Entspannung bringen, droht der Landwirtschaft südlich Südtirols eine kritische Vegetationsperiode. Für die Gletscher würde ein weiterer „schrecklicher Sommer» anbrechen.

Die Kunstschnee-Anlagen laufen auf Hochtouren und werden für die Tourismusbranche immer mehr zur Lebensversicherung. 90 Prozent aller Skigebiete wären aktuell ohne Kunstschnee geschlossen. Was früher als Zusatz galt, ist heute zur Notwendigkeit geworden. Doch auch die Schneekanonen stoßen an ihre Grenzen, wenn die Temperaturen zu mild werden oder schlicht das Wasser fehlt.

Bezirk: Bozen

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