EU-Vertragsverletzungsverfahren

Ärger für Italien, weil es zu sehr staubt

Donnerstag, 15. Januar 2026 | 07:24 Uhr

Von: luk

Neapel/Palermo – Italien bekommt Probleme wegen anhaltend schmutziger Luft in den Städten Neapel und Palermo. Die Europäische Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien eingeleitet. Brüssel wirft dem Staat vor, seit Jahren gegen die EU-Richtlinie zur Luftqualität zu verstoßen, insbesondere aufgrund wiederholter Überschreitungen der Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO₂) und Feinstaub.

Besonders kritisch ist die Situation in Neapel: Dort wurden nach Angaben der regionalen Umweltagentur Arpa Campania, ausgewertet von der Ärztevereinigung Isde, 180 Überschreitungen der NO₂-Grenzwerte registriert. Damit liegt Neapel deutlich vor Mailand mit 55 Überschreitungen. Palermo folgt mit 147 Grenzwertüberschreitungen an zweiter Stelle. Die von den lokalen Verwaltungen bisher ergriffenen Maßnahmen, vor allem Verkehrsbeschränkungen für bestimmte Fahrzeugkategorien, stuft die EU-Kommission als unzureichend ein. Sie würden weder das Gesundheitsrisiko wirksam reduzieren noch eine rasche Einhaltung der Grenzwerte gewährleisten.

Der italienischen Regierung wurden im Dezember zwei Monate Zeit gegeben, auf die von Brüssel aufgezeigten Mängel zu reagieren. Sollte keine zufriedenstellende Antwort erfolgen, könnte das Verfahren weitergeführt werden. Die EU-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, bei Überschreitungen der Grenzwerte konkrete Luftreinhaltepläne umzusetzen.

Erst kürzlich hatten die Mediziner der Umweltorganisation Isde im Raum Neapel auf die außergewöhnlich hohen Stickstoffoxid-Werte hingewiesen und vor erheblichen gesundheitlichen Folgen gewarnt. Sie forderten unter anderem die rasche Umsetzung der im Rahmen des nationalen Wiederaufbauplans (PNRR) finanzierten Elektrifizierung der Hafenanlagen sowie Maßnahmen zur Verlagerung von Flugverkehr nach Grazzanise oder Salerno.

Auch Umweltorganisationen äußern scharfe Kritik. “Dass eine Küstenstadt wie Neapel derart hohe Schadstoffkonzentrationen aufweist, sagt viel über das Ausmaß des Problems aus”, erklärte Mariateresa Imparato, Präsidentin von Legambiente Campania. Nötig sei eine koordinierte, strukturelle Strategie zur Reduktion der Emissionen aus allen Hauptquellen, einschließlich eines integrierten Plans für nachhaltige Mobilität und einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr.

Seitens der Stadtverwaltung Neapel erklärte Umweltstadtrat Vincenzo Santagada, man nehme die Mitteilung der EU-Kommission mit der gebotenen Aufmerksamkeit zur Kenntnis. Die Gemeinde habe bereits verschiedene Maßnahmen eingeleitet, darunter Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, die Förderung von Elektro- und emissionsarmen Fahrzeugen, ein Programm zur urbanen Aufforstung sowie die Ausweitung von Umweltzonen und Fußgängerbereichen. Ergänzend seien zeitlich begrenzte Fahrverbote für bestimmte Fahrzeugtypen vorgesehen. Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, um die EU-Vorgaben zu erfüllen, bleibt vorerst offen.

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