Albtraumfahrten des Busfahrers zwischen Schlägereien und Erbrochenem

Betrunkene Après-Ski-Gänger belästigen Fahrgäste und greifen Busfahrer an

Sonntag, 11. Januar 2026 | 08:03 Uhr

Von: ka

Madonna di Campiglio – Im bekannten Trentiner Skiort sehen sich die Busfahrer mit Problemen konfrontiert, die man bisher nur aus Großstädten kannte. „Nach einer bestimmten Uhrzeit befördern wir keine Pendler oder Anwohner mehr, sondern fast ausschließlich betrunkene und oft gewalttätige Après-Ski-Gänger. Sie belästigen die anderen Fahrgäste, vermüllen die Busse und greifen manchmal sogar die Busfahrer an“, klagt ein Busfahrer gegenüber dem Corriere del Trentino. Um Abhilfe zu schaffen, wurden einige Haltestellen gestrichen, andere werden von der Polizei überwacht.

Alkohol
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Unter den Busfahrern im Trentino gibt es eine besonders berüchtigte Strecke, die bei den Fahrern von Trentino Trasporti derart unbeliebt ist, dass manche sich lieber krank melden oder in Urlaub gehen, anstatt auf ihr den Dienst versehen zu müssen. Die „gefürchtetsten“ Fahrten sind diejenigen von Madonna di Campiglio nach Tione di Trento, einer kleinen Gemeinde im Val Rendena, insbesondere zwischen 18.00 und 20.00 Uhr. Auf dieser Strecke kam es bereits zu mehreren Übergriffen. Zuletzt wurden am 13. Dezember zwei Fahrer von einem jungen Mann zusammengeschlagen, der eine Passagierin belästigt hatte.

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Nach diesen schweren Vorfällen und einer Anfrage im Trentiner Landtag haben die Provinz und die lokale Transportgesellschaft Trentino Trasporti erste Gegenmaßnahmen beschlossen. Dazu gehört die Streichung einiger der „problematischsten” Haltestellen. Außerdem soll die Präsenz der Ordnungskräfte verstärkt werden, in der Hoffnung, dass die Anwesenheit von Streifenpolizisten das unangemessene Verhalten einiger Fahrgäste unterbindet.

„Das sind wohlmeinende Maßnahmen, die zwar helfen, das Problem kurzfristig einzudämmen, aber nicht an der Wurzel packen. Denn seit Après-Ski in Mode gekommen ist, werden die Busse von Horden betrunkener, lärmender und ungebildeter Jugendlicher gestürmt”, erklärt Antonio Stedile, der seit 15 Jahren als Busfahrer arbeitet und früher Gewerkschaftsvertreter war.

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Tatsächlich ziehen die Après-Ski-Lokale, die früher fast nur von Wintersportlern und Einheimischen besucht wurden, nun auch viele junge Leute an, die teilweise aus anderen Provinzen kommen, um hier Musik zu hören und an der Piste einen Drink zu genießen. „Mehrfach hatten wir betrunkene Minderjährige an Bord, von denen einige die Flaschen direkt unter ihrer Jacke versteckt hatten. Da wir auf Bergstraßen unterwegs sind, kommt es nicht selten vor, dass sich jemand übergeben muss – ganz zu schweigen vom Konsum von Zigaretten und Drogen“, fährt Stedile fort.

Zwischen Flüchen, Schimpfwörtern und Beleidigungen kann die Arbeit der Fahrer zur echten Tortur werden. „Es steigen 16- bis 17-Jährige ein, Touristen, aber auch junge Einheimische, die die Busse wie Lokale oder Karussells benutzen. Am Ende des Tages finden wir die Sitze voller Zigarettenkippen und anderem Müll vor. Ich möchte niemanden an den Pranger stellen, aber der Verkauf von Alkohol an Minderjährige ist verboten. Deshalb sollten die Kontrollen in den Lokalen der Gegend verstärkt werden“, betont der langjährige Busfahrer.

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Die Fahrer von Trentino Trasporti fühlen sich im Stich gelassen und fordern konkrete Lösungen. Dazu gehört die Einstellung des Busbetriebs nach 20.00 Uhr. „Zu dieser Zeit werden keine Pendler oder Anwohner mehr befördert, sondern fast ausschließlich betrunkene, oft gewalttätige Personen, die nichts mit normalen Fahrgästen gemein haben. Die umliegenden Lokale sollten eigene private Transportdienste für sie bereitstellen”, erklärt der Busfahrer.

Mit anderen Worten lautet der Vorschlag, die Abendfahrten vorzuziehen und die anderen Strecken besser zu organisieren, um die Qualität der Busfahrten zu verbessern und die Fahrer effizienter einzusetzen. „Es ist nicht normal, dass ein Fahrer auf Bergstraßen fahren und gleichzeitig mit Schlägereien, Drohungen und Belästigungen verschiedenster Art fertig werden muss. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn niemand mehr diesen Job machen will“, schließt Stedile.

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In Madonna di Campiglio wird man nicht umhin kommen, strenge Maßnahmen zu ergreifen. Der Brand in Crans-Montana lehrt uns schließlich auch, dass Fahrlässigkeit und kriminelles Verhalten leicht in eine Tragödie münden können.

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