Kollegium der Südtiroler Hebammen übt Kritik

Gewalt in der Geburtshilfe – auch in Südtirol

Montag, 11. Dezember 2017 | 09:38 Uhr

Bozen – Kürzlich hat eine weltweite Studie für Aufsehen gesorgt. Demnach waren in Italien in den vergangenen 15 Jahren rund eine Million Frauen von Gewalt in der Geburtshilfe betroffen.

Die neue Vorsitzende des Kollegiums der Südtiroler Hebammen Sara Zanetti ist seit zwölf Jahren Hebamme. „Gewalt in der Geburtshilfe findet auch in unserem Land statt“, sagt die Brixnerin selbstkritisch.

Kollegium der Südtiroler Hebammen

Dabei unterscheidet sie nicht zwischen den Geburtsorten. Gewalt passiere sowohl im Krankenhaus als auch bei Hausgeburten oder in Ambulatorien.

Die Hebamme nimmt den medizinischen Notfall aus und spricht von ganz normalen Geburten, von denen es in Südtirol jeden Tag rund 15 gibt. Dabei würden Hebammen, Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger manchmal Grenzen überschreiten, die nicht sein dürften.

Es gehe nicht nur um den Kristeller-Handgriff, der durch wehensynchronen Druck auf das Gebärmutterdach die Geburt des Kindes beschleunigen soll und sehr umstritten ist, sagt Sara Zanetti. Es gehe vielmehr um die parallele Betreuung von mehreren Gebärenden gleichzeitig: Dabei sei es nicht möglich, sich ganz auf eine Frau einzulassen und das notwendige Vertrauen in dieser außergewöhnlichen Situation aufzubauen.

Es gehe um entblößtes Herumliegen bei offener Tür, um fehlende Informationen an die werdende Mutter, um Richtlinien und Vorschriften, die die Bedürfnisse der Frauen hinten anstellten, um vaginale Eingriffe ohne Zustimmung der Gebärenden und um eine gewisse Hörigkeit dem medizinischen Personal gegenüber. Manche Gebärende sagten, sie seien keine Expertinnen und würden sich deswegen allem fügen, erklärt die Brixner Hebamme.

Von: mk

Bezirk: Bozen