Von: mk
Washington, D.C. – Die Welt blickt weiterhin gebannt nach Venezuela. Nach der spektakulären und mutmaßlich völkerrechtswidrigen Entmachtung von Staatschef Nicolás Maduro durch die USA bietet María Corina Machado ihren Friedensnobelpreis Präsident Donald Trump an. Dieser scheint auch äußert bereitwillig, diesen anzunehmen – obwohl dies eigentlich gar nicht möglich ist.
US-Elitetruppen hatten Maduro und seine Frau bekanntlich kurz nach Jahreswechsel in Caracas gefangen genommen und in die USA entführt. Der linke Autokrat wird beschuldigt, sich mit von Washington als “terroristisch” eingestuften Guerillagruppen sowie mit Drogenkartellen verbündet zu haben, um “Tonnen von Kokain in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln”. Gleichzeitig ist bekannt, dass die US-Regierung wirtschaftliche Interessen in Zusammenhang mit Venezuelas riesigen Ölfeldern und -lagerstätten hegt.
In einem Interview hat die venezolanische Oppositionelle Machado nun erst kürzlich angedeutet, sie könne sich eine Weitergabe der Auszeichnung vorstellen, berichtet die Online-Ausgabe vom Spiegel. Auch Trump reagierte begeistert. „Ich habe gehört, dass sie das tun will, es wäre eine große Ehre“, sagte Trump im Weißen Haus zu Fox-News-Moderator Sean Hannity. Es sei ohnehin eine „große Schande für Norwegen“, dass er die Auszeichnung nicht gleich erhalten habe. Mehrere Medien, darunter die „New York Times“ und „USA Today“, haben über das Interview berichtet.
Die Weitergabe des Preises findet womöglich schon bald statt. Trump erklärte bei einem Treffen mit Führungskräften der Ölbranche, dass Machado in dieser Woche nach Washington „entweder am Dienstag oder am Mittwoch“ komme. Dabei hielt er nicht mit der Vermutung zurück, dass die Aushändigung des Friedensnobelpreises der Grund für den Besuch sei.
Machado hat ihrerseits gegenüber Fox News erklärt, in ihren Augen habe Trump den Friedensnobelpreis „verdient“, den sie vergangenes Jahr entgegengenommen hatte. Bereits kurz nach der Bekanntgabe durch Norwegen hatte sie den Preis dem US-Präsidenten gewidmet. Sie könne sich nun eine Weitergabe an Trump vorstellen – als Zeichen der Dankbarkeit des venezolanischen Volkes für die Absetzung von Diktator Nicolás Maduro.
Womöglich versucht Machado, sich auf diese Weise die Gunst des US-Präsidenten zu sichern. Nach der gewaltsamen Absetzung Maduros hatte sich Trump gegen Machado als dessen Nachfolgerin ausgesprochen, obwohl sie unter Vertretern der venezolanischen Opposition die größte Legitimation besitzt. Trump behauptete dagegen, die Friedensnobelpreisträgerin genieße in Venezuela nicht den nötigen Respekt, um das Land zu regieren.
Stattdessen setzte Trump auf Delcy Rodríguez, Maduros ehemalige Vizepräsidentin, als Interimspräsidentin. Hintergrund ist die US-Strategie, sich für eine Übergangsphase auf Schlüsselfiguren aus Maduros Machtapparat zu stützen. Die Regierung in Washington bezweifelt einem Insider zufolge, dass die Opposition um Machado in der Lage wäre, den Frieden im Land zu sichern. Stattdessen folge man einer Einschätzung des Geheimdienstes CIA, wonach Maduros engste Vertraute am besten geeignet seien, das Land vorübergehend zu führen und ein Chaos zu verhindern.
Nobelpreiskomitee schließt Weitergabe aus
Auch wenn sich Machado und Trump hinsichtlich einer möglichen Übergabe des Friedensnobelpreises offenbar einig sind, regt sich dennoch Widerstand. So erhebt das Nobelpreiskomitee selbst Einspruch. „Ein Nobelpreis kann weder aberkannt, geteilt noch an andere übertragen werden. Sobald die Vergabe bekannt gegeben wurde, ist die Entscheidung endgültig“, erklärt das Komitee auf seiner Website. Auch in Alfred Nobels Testament sei eine solche Möglichkeit nicht erwähnt worden.
Gleichzeitig teilte das Komitee mit, man werde „aus Prinzip“ nicht kommentieren, „was die Friedensnobelpreisträger nach der Preisverleihung sagen oder tun“. Das Mandat des Komitees beschränke sich darauf, die Arbeit und die Bemühungen der nominierten Kandidaten bis zur Entscheidung über die Vergabe des Friedensnobelpreises im jeweiligen Jahr zu bewerten.




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