Von: ka
Washington/Kopenhagen/Nuuk – Nach dem schnellen Erfolg in Venezuela, wo es US-Spezialeinheiten innerhalb von weniger als einer Stunde gelang, den langjährigen Staatschef und Diktator Nicolás Maduro gefangenzunehmen und außer Landes zu bringen, erhöht Donald Trump täglich den Druck, um die Dänen zur „Freigabe“ Grönlands zu zwingen und die Grönländer für die USA zu gewinnen. Mit einer „Zuckerbrot-und-Peitsche-Politik“, bei der den Grönländern einerseits ein „Assoziierungsvertrag“ mit bis zu 100.000 Euro pro Grönländer geboten und andererseits militärische Gewalt nicht ausgeschlossen wird, hofft er, seinem Ziel näherzukommen.
Zwar erweist sich Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen als harte Nuss, doch die Aussicht auf viel Geld, der grönländische Separatismus und der bröckelnde Durchhaltewillen in Dänemark spielen dem hemdsärmeligen US-Präsidenten in die Hände.

Jens-Frederik Nielsen, der vor seinem politischen Aufstieg 19 Mal grönländischer Badmintonmeister im Einzel und Doppel war, wurde im März 2025 mit seiner Mitte-Rechts-Partei Demokraatit im Alter von nur 34 Jahren zum jüngsten Premierminister Grönlands gewählt. Weniger als ein Jahr nach seiner Wahl sieht sich Nielsen mit der größten geopolitischen Herausforderung konfrontiert, mit der die arktische Insel jemals zu tun hatte.

Grönland, das heute zu Dänemark gehört, steht im Mittelpunkt des Interesses der amerikanischen Regierung, die die Kontrolle über das Gebiet übernehmen möchte. Donald Trump hat mehrfach erklärt, dass der Besitz der Insel mit der Hauptstadt Nuuk für die Vereinigten Staaten eine Frage der Sicherheit sei, und er hat nicht ausgeschlossen, dafür militärische Gewalt anzuwenden. US-Außenminister Marco Rubio zeigte sich zurückhaltender und schlug vor, Washington könne Grönland kaufen.

Trotz des Kräftegefälles scheint Nielsen jedoch nicht bereit zu sein, sich an diesen Verhandlungstisch zu setzen. „Es reicht: Schluss mit Druck, Andeutungen und Annexionsfantasien“, sagte er und bezeichnete Trumps Äußerungen als „völlig inakzeptabel“. Andererseits könnte der amerikanische Druck einigen in der Financial Times zitierten Politikern aus Nuuk zufolge den Weg zur Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark ebnen.

Dennoch befürwortet seine Partei, die Demokraatit, einen schrittweisen Unabhängigkeitsprozess, der Grönland die Zeit gibt, eine eigenständige Wirtschaft aufzubauen. Tatsächlich überweist Kopenhagen Grönland jährlich Subventionen in Höhe von 700 Millionen Euro. Dänemark deckt zudem die Bereiche Polizei, Justiz und Verteidigung ab, sodass sich die jährlichen Gesamtausgaben auf knapp unter eine Milliarde Euro belaufen. „Für mich ist es wichtig, zuerst das Fundament zu bauen, bevor man das Dach errichtet”, betont Nielsen angesichts der prekären grönländischen Wirtschafts- und Finanzlage.

Zwar zeigen Umfragen im Land, dass die Grönländer die Unabhängigkeit befürworten, doch die Mehrheit will vorerst nicht zu den USA wechseln. Aus diesem Grund sucht Washington offenbar nach Anreizen, um die 57.000 Einwohner zu überzeugen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben US-Beamte die Überweisung von Pauschalzahlungen an die Grönländer in Höhe von 10.000 bis 100.000 US-Dollar pro Person diskutiert, um sie davon zu überzeugen, sich von Dänemark zu trennen und sich den Vereinigten Staaten anzuschließen. Bei Zahlung des Höchstbetrags würden sich die US-Gesamtkosten auf knapp sechs Milliarden Dollar belaufen.
Laut The Economist arbeitet der US-Präsident auch an einem Entwurf für einen „Assoziierungsvertrag“. Demnach würde Nuuk Hilfe und Schutz von den Vereinigten Staaten erhalten, im Austausch gegen wirtschaftliche und militärische Rechte, ohne jedoch selbst zu einem US-Territorium zu werden.

Jens-Frederik Nielsen betont zwar, dass die Insel und ihre Bewohner nicht käuflich seien, doch die von Kopenhagen und Nuuk gefürchtete Destabilisierung ist bereits im Gange. Pelle Broberg, der Vorsitzende der Oppositionspartei Naleraq, die eine rasche Unabhängigkeit der Insel anstrebt, ist der Meinung, dass Grönland direkt mit den Vereinigten Staaten verhandeln sollte – ohne dänische Vermittlung.
Die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt erklärte jedoch, dass Nuuk ohne Kopenhagen keine direkten Gespräche mit Washington führen könne, da es dazu rechtlich nicht befugt sei. Die „radikalen Separatisten“ kümmert das jedoch wenig, denn aus deren Sicht bietet das Ringen zwischen Trump und den Dänen den Grönländern eine einmalige Gelegenheit zur Unabhängigkeit.

Ihnen – und natürlich den USA – spielt auch der bröckelnde Durchhaltewillen in Dänemark in die Hände. „Dänemark riskiert, sein außenpolitisches Kapital für die Sicherung Grönlands aufzubrauchen, nur um dann zuzusehen, wie Grönland sich anschließend wieder abwendet“, sagt Mikkel Vedby Rasmussen, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Kopenhagen.
„Ich verstehe nicht, warum wir an dieser Gemeinschaft mit Grönland festhalten müssen, wenn die Grönländer so dringend aus ihr austreten wollen“, so die dänische Wissenschaftsjournalistin und Moderatorin Lone Frank gegenüber Reuters. „Um ganz ehrlich zu sein, weckt Grönland in mir kein Gefühl der Zusammengehörigkeit.“ Sie dürfte mit dieser Meinung nicht allein dastehen.

US-Außenminister Marco Rubio will sich diese Woche mit dänischen Vertretern treffen, um die Grönland-Frage zu erörtern. „Dänemarks Premierministerin Frederiksen steht vor einem schwierigen Balanceakt”, sagte Serafima Andreeva, Forscherin am Fridtjof-Nansen-Institut in Oslo. „Derzeit hat Dänemark kaum eine andere Wahl, als standhaft zu bleiben, um seine diplomatische Glaubwürdigkeit zu wahren. Dabei riskiert das Land jedoch die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten – und das in einer Zeit, in der Russland eine zunehmende Bedrohung darstellt und es für niemanden im Westen gut ist, sich mit den USA zu überwerfen.“

Donald Trump ist fest entschlossen, die Grönland-Frage in den kommenden Wochen und Monaten zu seinen Gunsten zu entscheiden. Die strategische Lage der arktischen Insel wird durch die immer schiffbareren Meeresrouten, die sich dank des Klimawandels ergeben, immer wichtiger. Doch es sind vor allem die reichen Bodenschätze Grönlands, die die USA anziehen. Neben den äußerst wichtigen Seltenen Erden gibt es auf der Insel Uran-Lagerstätten sowie bedeutende Reserven von Zink, Eisenerz, Kupfer, Gold, Nickel, Molybdän, Platin und Titan. Darüber hinaus gibt es gewaltige, noch unerschlossene Offshore-Reserven an Erdöl und Erdgas.

Laut der britischen Zeitung Sunday Mail hat Trump seine obersten Kommandeure der Spezialeinheiten angewiesen, Notfallpläne für eine Invasion Grönlands auszuarbeiten. „Was auch immer nötig ist, die USA brauchen Grönland”, so der O-Ton des US-Präsidenten.







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