Stellungnahme vom KFS

Verlängerte Kindergartenöffnungszeiten: “Ja, aber nur mit Verantwortung”

Mittwoch, 07. Januar 2026 | 17:40 Uhr

Von: mk

Bozen – Der Katholische Familienverband Südtirol (KFS) bekennt sich klar zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Für viele Familien sei eine Kindergartenbetreuung bis 17.00 Uhr keine Komfortfrage, sondern eine notwendige Voraussetzung, um Erwerbsarbeit und Familienleben miteinander vereinbaren zu können. Diese gesellschaftliche Realität verdiene Anerkennung. „Gleichzeitig halten wir fest, dass eine Ausweitung der Betreuungszeiten nicht auf Kosten der pädagogischen Qualität und nicht auf dem Rücken der Pädagoginnen und Pädagogen erfolgen darf. Das Wohl der Kinder muss dabei stets oberste Priorität haben“, betont KFS-Präsidentin Sieglinde Aberham.

Seit Jahren werde zugesichert, dass längere Öffnungszeiten nur gemeinsam mit verbesserten Rahmenbedingungen umgesetzt werden könnten. Dazu gehören laut KFS ausreichend qualifiziertes Personal, faire und klar geregelte Arbeitszeiten, verlässliche Schutzmaßnahmen sowie die Sicherung pädagogischer Qualität. Diese Zusagen seien richtig und notwendig gewesen.

Umso größer ist die Sorge des Familienverbandes, wenn nun ein Anspruch auf Betreuung bis 17.00 Uhr angekündigt wird, ohne dass diese strukturellen Voraussetzungen flächendeckend gewährleistet sind. „Flexible Abdeckungsmodelle dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, was sie im Alltag bedeuten können“, so der KFS. Wenn Betreuung durch personelle Engpässe aufgefangen wird, führe das zu Überlastung des Personals, zu Phasen eingeschränkter pädagogischer Begleitung und langfristig zu Qualitätseinbußen. Das sei weder im Interesse der Kinder noch der Familien.

„Wir wenden uns entschieden gegen eine öffentliche Debatte, in der Eltern, insbesondere Mütter, unter moralischen Rechtfertigungsdruck geraten. Familien brauchen Wahlfreiheit. Sie müssen selbst entscheiden können, welches Betreuungsmodell zu ihrer Lebenssituation passt. Kinder am Nachmittag betreuen zu lassen bedeutet nicht, sie abzugeben, sondern Verantwortung unter den Bedingungen einer modernen Arbeitswelt zu übernehmen. Diese Verantwortung tragen Mütter und Väter gemeinsam und sie wird von der Gesellschaft insgesamt mitgetragen“, unterstreicht die Vorsitzende vom KFS-Fachausschuss Familienpolitik Margareth Mair Engl.

Ein zeitgemäßer Kindergarten kann laut KFS verlängerte Öffnungszeiten pädagogisch hochwertig gestalten. Voraussetzung dafür seien ausreichende personelle Ressourcen, angemessene Gruppengrößen und Arbeitsbedingungen, die den gestiegenen Anforderungen gerecht werden. Nur so entstehe ein verlässliches Angebot, das Familien Wahlfreiheit ermöglicht.

„Unser Appell ist eindeutig. Familienpolitik und Bildungspolitik dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Maßnahmen, die Familien stärken sollen, müssen zugleich jene stärken, die täglich Verantwortung für unsere Kinder übernehmen“, so der Katholische Familienverband Südtirol, der sich daher klar für verlängerte Kindergartenöffnungszeiten ausspricht, sofern sie mit ausreichenden Investitionen, mit Respekt gegenüber dem pädagogischen Personal und mit dem Wohl der Kinder im Zentrum umgesetzt werden.

Bezirk: Bozen

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