Von: apa
Der Sieger des Bergisel-Skispringens 2026 in Innsbruck heißt überraschend Ren Nikaido. Der Japaner segelte am Sonntag vor rund 21.000 Fans auf dem Bergisel auf 131 und 128 m und gewann hauchdünn 0,5 Zähler vor dem Gesamtleader der Vierschanzentournee, dem Slowenen Domen Prevc, sowie dem erst 19-jährigen Tiroler Stephan Embacher (+0,7). Letzterer hatte nach dem ersten Durchgang ex aequo mit Nikaido geführt. Jan Hörl landete auf Rang vier, Daniel Tschofenig wurde Sechster.
In der Gesamtwertung wahrte Prevc seinen klaren Vorsprung. Er liegt nun vor dem Abschlussbewerb am Dreikönigstag in Bischofshofen 41,4 Zähler vor Hörl und 41,7 vor Embacher. Nikaido ist 54,1 Punkte dahinter Vierter. Vorjahres-Gesamtsieger Tschofenig liegt auf dem achten Zwischenrang.
Embacher nicht enttäuscht: “War Megatag”
Der 19-jährige Embacher verpasste zwar seinen ersten Weltcupsieg um 0,7 Punkte. Erstmals war er als Letzter vom Zitterbalken in den Bewerb gegangen, doch für Enttäuschung war für den wegen seiner Jugend im Team “Bambi” genannten Tiroler kein Platz. “Es war ein Megatag, echt cool gewesen vor dem Publikum, Heimpodium unbeschreiblich”, sagte er im ORF-TV-Interview. Vom Nervenkostüm sei es ihm gutgegangen. “Ich bin leider ein bisserl zu spät beim Sprung gewesen.” Auch wegen der nur 0,7 Punkten Rückstand lamentierte er nicht herum. “Schade, aber ich weiß, dass ich knapp dran bin. Wir haben noch eine Station in Bischofshofen, da werde ich wieder angreifen.”
Nikaido stand nach seinem ersten Triumph überhaupt im Weltcup nach zwei zweiten und einem dritten Platz ganz oben. “Ich habe nichts gedacht, bin nur gesprungen so gut ich kann. Ich bin sprachlos”, sagte er. Über seinen ersten Sieg sagte er nur: “Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich hier gewinne.”
Hörl mit Problem am Schanzentisch
Jan Hörl haderte vor allem nach einem Fehler im zweiten Durchgang doch ein wenig mit Rang vier. “Mich ärgert es ein bisserl. Es ist mir im ersten schon ein bisserl passiert, dass der linke Ski nicht so beißt, jetzt noch einmal.” Dafür habe er noch einiges herausgeholt. “Aber das ist halt zu wenig. Es müssen die Sprünge passen, das haben sie heute definitiv nicht.” Es handle sich um Kleinigkeiten am Schanzentisch mit größerer Wirkung. In Bischofshofen habe man nun nichts mehr zu verlieren, sprach er den großen Vorsprung von Prevc an.
ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl hätte sich freilich nach zuletzt zwei Siegen seiner Mannen auf dem Bergisel den Hattrick gewünscht. “Ich hätte es Stephan vergönnt, dass er seinen ersten Sieg am Bergisel machen kann. Jan hat es bisserl vergeigt, er hat einen Skifehler gehabt. Mannschaftlich waren wir wieder gut, aber natürlich hätte ich lieber zwei am Stockerl gehabt.”
Prevc will “wie ein Kind” ins Finale gehen
Bei Vorjahressieger Kraft sei es schade, “weil er im Probe(durchgang) wieder einen coolen Sprung” gemacht habe. “Es fehlt nicht viel bei ihm.” Kraft selbst schwärmte zunächst vom “brutalen Krimi”. “0,7 Punkte trennen die ersten drei, das habe ich auch noch nie erlebt. Ich habe mit unserem ‘Bambi’ mitgezittert, es war sehr knapp. Er macht einen Megajob.” Seine eigene Leistung war durchwachsen. Er landete unmittelbar vor dem 40-jährigen Manuel Fettner bei dessen Innsbruck-Abschied auf Platz 13. “Im zweiten Durchgang hänge ich draußen wie ein Moorhuhn. Es ist grad schwer, aber ich sehe, dass es nicht viel fehlt.”
Gesamtleader Prevc ist der goldene Adler nun kaum noch zu entreißen, außer er verpatzt einen seiner Sprünge in Bischofshofen gewaltig. Prevc: “Der Sprung war nicht so perfekt wie in Garmisch”, bezog er sich auf das Finale. “Heute war ich ein bisschen nervös. Ich bin superglücklich, Platz zwei ist toll.” Sein Ausblick auf das Tourneefinale: “Ich muss mich daran erinnern, warum ich mit dem Skispringen begonnen habe. Ich muss Spaß haben und wie ein Kind an die Sache herangehen.”




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen