Von: stnews
Bozen/Meran – Seit den frühen Morgenstunden sind Beamte des Landeskommandos der Finanzpolizei im Einsatz, um 14 Verdächtige in Untersuchungshaft zu überstellen. Im Fokus steht erneut die sogenannte „Asphalt-Mafia“.
Die Ermittlungen, die von der Staatsanwaltschaft Bozen geleitet und von der Meraner Finanzpolizei durchgeführt werden, richten sich gegen ein kriminelles Netzwerk, das sich auf Steuerbetrug und Geldwäsche spezialisiert hat. Zusammen mit neun bereits im Mai 2024 festgenommenen Personen wächst die Zahl der Verdächtigen damit auf insgesamt 23. Vermögenswerte in Höhe von 19 Millionen Euro im In- und Ausland wurden sichergestellt.
Das System der kriminellen Vereinigung ist simpel wie effektiv: Den Opfern – viele davon aus Südtirol – wurden Asphaltierungsarbeiten für Parkplätze, Privatwege oder Betriebsgelände zu unschlagbaren Preisen angeboten. Weil sie den Lockangeboten nicht widerstehen konnten, leisteten viele Betroffene hohe Vorauszahlungen.
Oft schon wenige Stunden später rückte dann ein Bautrupp an, der die Arbeiten auch erledigte. Die böse Überraschung folgte jedoch prompt: Das Material, das verwendet wurde, war minderwertig und zerbröckelte nach wenigen Tagen. Zu diesem Zeitpunkt waren die vermeintlichen Unternehmer jedoch längst über alle Berge. Reklamationen oder Schadensersatzforderungen liefen ins Leere, da die ausführenden Firmen lediglich auf dem Papier existierten.
Ein Geflecht aus Scheinfirmen
Um die Hintermänner zu schützen, nutzte die Bande ein dichtes Netz aus Scheinfirmen, die auf mittellose Strohmänner angemeldet waren. Die Firmensitze waren auf mehrere Provinzen in Italien verstreut. Von dort aus wurden Rechnungen ausgestellt und das Geld einkassiert, nur um kurz darauf wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Dadurch entzogen sich die Kriminellen nicht nur jeder Haftung, sondern hinterzogen auch systematisch Steuern.
Nach den ersten Festnahmen im Frühjahr 2024 weiteten die Ermittler ihre Suche auf das Ausland aus. Es stellte sich heraus, dass die erbeuteten Millionen mithilfe von Komplizen im Ausland innerhalb weniger Tage auf Konten in Polen, Großbritannien und in anderen europäischen Staaten weitergeleitet wurden. Durch die Transaktionen versuchten die Täter, die Herkunft des Geldes zu verschleiern.
19 Millionen Euro sichergestellt
Dank der engen Zusammenarbeit mit europäischen Justiz- und Polizeibehörden gelang es der Finanzpolizei in Südtirol, den Geldfluss nachzuverfolgen und den mutmaßlichen Profit der Bande zu beziffern. Gleichzeitig konnten weitete mutmaßliche Mitglieder der Bande identifiziert werden, die dafür zuständig waren, das Geld zu waschen. Mittels richterlichen Beschlusses wurde die präventive Beschlagnahme von Finanzmitteln im Wert von über 19 Millionen Euro angeordnet.
Die Geldmittel wurden sowohl im In- als auch im Ausland eingefroren. Auch die Haftbefehle, die der Untersuchungsrichter angeordnet hat, wurden im gesamten EU-Gebiet vollstreckt.



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