Viele Vollzeitbeschäftigte wollen kürzertreten

40 Stunden und nicht mehr

Freitag, 16. Januar 2026 | 10:06 Uhr

Von: mk

Bozen – Passt das aktuelle Wochenarbeitspensum? Dieser Frage ging das Arbeitsförderungs-institut im Sonderteil des aktuellen AFI-Barometers nach. Für 66 Prozent der Befragten passt das derzeitige Arbeitspensum. Eine Verkürzung der Arbeitszeit wünschen sich 30 Prozent der Befragten, vier Prozent würden ihre Wochenarbeitszeit gerne ausweiten. Auffällig ist, dass vie-le der angewandten Arbeitszeitmodelle weiterhin stark reglementiert sind. „Hier sehen wir keine signifikanten Veränderungen gegenüber dem Bild, das wir kurz vor der Corona-Pandemie aufgenommen haben“, stellt AFI-Direktor Stefan Perini fest.

Im Sonderteil der Winterausgabe 25/26 des AFI-Barometers ging das AFI | Arbeitsförderungsinstitut der Frage nach, welche Arbeitszeitmodelle Südtiroler Arbeitgeber anwenden, wie viele Stunden Arbeitneh-merinnen und -nehmer tatsächlich pro Woche arbeiten und ob sie sich – unter Berücksichtigung ent-sprechender Lohnanpassungen – eine längere oder kürzere Arbeitswoche wünschen.

Vollzeitarbeitende für Verkürzung, Teilzeitarbeitende für Ausdehnung

„Südtirols Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten im Schnitt 40 Stunden pro Woche – 37 Stunden wären es, könnten sie selbst und frei darüber entscheiden“, fasst AFI-Direktor Stefan Perini zusammen. Dieser Durchschnittswert ergibt sich aus gegenläufigen Wünschen: Vollzeitarbeitende arbeiten im Schnitt 44 Stunden und würden gerne auf 40 reduzieren, Teilzeitarbeitende würden hingegen die effektiv geleisteten 27 Stunden auf gewünschte 28 bringen.

Berücksichtigt man nur die numerisch wichtigeren Vollzeitverhältnisse, zieht sich der Wunsch nach ei-ner Arbeitszeitverkürzung quer durch alle Wirtschaftsbereiche sowie durch beide Geschlechter und alle Altersgruppen. „Der Wunsch nach einer kürzeren Arbeitswoche ist also deutlich wahrnehmbar“, so Peri-ni. Gleichzeitig weist der AFI-Direktor auf einen Zielkonflikt hin: „In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Winter wird sich die Kluft zwischen Wunsch und arbeitsmarktpolitischer Realität wei-ter vergrößern.“

Für zwei Drittel passt die Wochenarbeitszeit

Mit ihrem aktuellen Wochenarbeitspensum sind zwei Drittel (66 Prozent) der Arbeitnehmer zufrieden; 30 Prozent wünschen sich eine kürzere Arbeitszeit und vier Prozent möchten mehr Stunden arbeiten. Be-sonders deutlich zeigt sich dieser Wunsch bei jenen, die zwischen 35 und 44 Wochenstunden leisten: Fast jede:r Zweite (47 Prozent) aus dieser Gruppe würde die Arbeitszeit gerne reduzieren.

Nahezu spiegelbildlich stellt sich die Situation bei Teilzeitbeschäftigten dar. Zwar sind 84 Prozent grundsätzlich mit ihrem derzeitigen Arbeitspensum zufrieden, doch unter den Geringbeschäftigten (we-niger als 25 Wochenstunden) wären sogar 39 Prozent bereit, ihre Arbeitszeit aufzustocken. Dieser Um-stand deutet auf die Präsenz von unfreiwilliger Teilzeitarbeit hin und macht ein noch nicht ausgeschöpf-tes Arbeitskräftepotenzial sichtbar.

Fixe Arbeitszeitmuster dominieren weiterhin

Südtirols Arbeitgeber setzen nach wie vor stark auf fixe Arbeitszeitmodelle: In 38 Prozent der Fälle wird die Arbeitszeit starr vorgegeben. 24 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können zwischen mehreren vorgegebenen Arbeitszeitplänen wählen. Eine Kombination aus Gleit- und Kernzeit nutzen 30 Prozent der Befragten. Nur acht Prozent können ihre Arbeitszeit völlig individuell gestalten.

Zwischen den einzelnen Branchen zeigen sich zwar unterschiedliche Ausformungen, die grobe Vertei-lung der Arbeitszeitmodelle bleibt jedoch ähnlich. Eine Auffälligkeit: Bei Teilzeitbeschäftigten nehmen flexiblere Arbeitszeitmuster tendenziell zu.

AFI-Präsident Stefano Mellarini erklärt: „Dass zwei Drittel der lohnabhängig Beschäftigten mit ihrer Wochenarbeitszeit zufrieden sind, ist ein positives Signal. Gleichzeitig ist der Wunsch nach Arbeitszeit-verkürzung klar erkennbar – insbesondere bei jenen, die ein sehr hohes Wochenarbeitspensum leisten. Überraschend ist vor allem die nach wie vor starke Präsenz rigider Arbeitszeitmodelle. In den vergange-nen fünf Jahren haben kaum jene Flexibilisierungsschritte stattgefunden, die sich nachweislich positiv auf die Work-Life-Balance der Arbeitnehmerinnen und -nehmer auswirken würden.“

Bezirk: Bozen

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