Von: mk
Bozen – Heute Vormittag fand in der Sparkasse Academy in Bozen eine gemeinsame Fachtagung der Handelskammer Bozen und des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz statt. Dabei zeigten Expertinnen und Experten auf, wie die Eisenbahn die Mobilität sowohl heute als auch in Zukunft verbessern kann.
Mobilität ist für das Funktionieren unserer Gesellschaft essenziell, doch es ist wichtig, sie neu zu denken, um sicherzustellen, dass sie weder die Bevölkerung noch die Umwelt belastet. Im Güterverkehr stellt sich die Frage, wie zuverlässige, planbare und langfristig nachhaltige Logistikströme organisiert werden können. In diesem Kontext bietet die Eisenbahn ein erhebliches Potenzial.
Vor diesem Hintergrund hat die Handelskammer Bozen gemeinsam mit dem Dachverband für Natur- und Umweltschutz heute eine Fachtagung in der Sparkasse Academy in Bozen organisiert. Im Rahmen der Tagung haben verschiedene Referentinnen und Referenten aufgezeigt, wie die Eisenbahn die Mobilität sowohl heute als auch in Zukunft verbessern kann, welche Rolle sie für Unternehmen spielen kann und welche Grenzen beim Gütertransport auf der Schiene bestehen.
Zu Beginn referierte Elisa Visigalli von der Handelskammer Bozen und zeigte Daten zum Transitverkehr am Brenner sowie zur modalen Aufteilung des Güterverkehrs zwischen Straße und Schiene.
Giuseppe D’Annunzio und Antonio Barracca von Rete Ferroviaria Italiana lieferten dann einen detaillierten Überblick über die Eisenbahninfrastruktur entlang der Brennerachse und illustrierten auch die europäischen Standards, die in der EU-Verordnung 2024/1679 festgelegt sind.
Heinrich Tschigg vom Konsortium Beobachtungsstelle Brennerbasistunnel (BBT) brachte das Publikum auf den neuesten Stand, was den Fortschritt der neuen Brennerbahnstrecke von München nach Verona anbelangt. Er berichtete über die bisher erzielten Fortschritte, darunter den Durchschlag des Brennerbasistunnels zwischen Italien und Österreich. Gleichzeitig wies er auf die weiterhin bestehenden Herausforderungen hin, insbesondere bei den Zulaufstrecken und der letzten Bauphase des Tunnels selbst.
Die Rolle des Bahnbetriebs in der Güterverkehrsverlagerung auf die Schiene beleuchtete Stephan Tischler von CIPRA Österreich, der österreichischen Vertretung der Alpenschutzkommission. Er unterstrich, dass der Bahnverkehr im Vergleich zum Straßenverkehr deutlich komplexer ist, benannte zentrale Hindernisse und skizzierte mögliche Lösungsansätze.
Roberto Bosetti vom Verladebahnhof Trient zeigte danach die Rolle des Verladebahnhofs für die Region Trentino-Südtirol auf und stellte dabei die Infrastruktur der Verladeanlage sowie die angebotenen Dienstleistungen im Detail vor. Zudem erörterte er die damit verbundenen Chancen zur Förderung der Intermodalität, die der gesamten Region zugutekommen.
Was Unternehmen dafür brauchen, um den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, erklärte anschließend Markus Kofler vom Unternehmerverband Südtirol. Er erklärte, warum die Bahn für Unternehmen derzeit nicht attraktiv ist und was seiner Meinung nach nötig ist, um das Angebot besser an die Bedürfnisse der Betriebe anzupassen.
Die Landverkehrsinfrastrukturen, seien es Straßen oder Eisenbahnen, werden nicht nur für den Gütertransport, sondern auch für den Personenverkehr genutzt. Michael Andergassen vom Ressort Infrastrukturen und Mobilität des Landes Südtirol widmete seinen Beitrag dem Schienenpersonenverkehr auf der Brennerachse und dessen Geschichte.
Die Herausforderungen entlang der Brennerachse für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) zeigte danach Mirko Siviero von FITA-CNA auf, dem Verband für Unternehmen des Güter- und Personentransportsektors. Dabei ging er auf die Tiroler Beschränkungen für Transit-LKW, den Fahrermangel und die Umweltauswirkungen des Straßenverkehrs ein und benannte die realistischen Chancen, die der Schienenverkehr bietet.
Der nachhaltige Verkehr entlang der Brennerachse stand abschließend im Mittelpunkt: Alexander Öhler vom Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister lvh.apa sprach dazu aus der Sicht der kleinen Transportunternehmen. Er betonte, dass die Mobilität entlang der Brennerachse entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts ist.
„Die Eisenbahn bietet ein großes Potenzial, um den Güter- und Personenverkehr nachhaltiger und effizienter zu gestalten. Gleichzeitig braucht es praktikable Lösungen, damit insbesondere kleine und mittlere Unternehmen den Umstieg auf die Schiene bewältigen können. Der heutige Austausch hat gezeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit aller Beteiligten ist“, so Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen.
Hanspeter Staffler, Geschäftsführer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz, ergänzt: „Der Umstieg von der Straße auf die Schiene ist ein wichtiger Baustein für eine gesunde Mobilität – für eine Mobilität, die gut tut: nicht nur der Wirtschaft und den Nutzern, sondern auch der Umwelt und dem Klima. Dafür braucht es jedoch nicht nur neue Schienen und Tunnel, sondern ein gesamtheitliches Umdenken. Der Austausch zwischen allen relevanten Akteuren ist dafür zentral. Deshalb war es uns wichtig, diese Tagung mitzuorganisieren und Daten und Fakten gemeinsam zu diskutieren.“




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