Bozen – Im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst (Museion) in Bozen kamen Vertretungen aus Gesundheitswesen, Wissenschaft, Politik, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen, um neue Perspektiven in der Betreuung und Pflege zu erörtern. Das zentrale Anliegen der Tagung bestand darin, den Fokus von der reinen Krankheitsbehandlung auf eine ganzheitliche Patientenversorgung zu lenken – unter konsequenter Wahrung der individuellen Würde, der sozialen Einbindung sowie der persönlichen Ressourcen. Leitmotiv der Veranstaltung war die Humanisierung der Pflege als eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die weit über den medizinischen Rahmen hinausreicht. Vom medizinischen Diskurs zur gesellschaftlichen Dimension Das interdisziplinäre Programm deckte ein breites Spektrum ab – von Gesundheitspolitik und Medizinethik über Bildungs- und Managementfragen bis hin zur sozialen Inklusion. „Im Mittelpunkt standen das aktive Zuhören, die Würde der Patientinnen und Patienten, die narrative Medizin sowie die Humanisierung von Versorgungsräumen. Ebenso wurden präventive Ansätze, soziale Verschreibungsmodelle und die Einbindung von Kunst, Musik und Gemeinschaft in moderne Betreuungskonzepte beleuchtet“, betont Prof. Luca Calabrese, Primar der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Landeskrankenhaus Bozen und wissenschaftlicher Leiter der Tagung. Impulse aus Südtirol Die Tagung hob zahlreiche Initiativen und Best Practices aus der Region hervor. Zu den Mitwirkenden zählten unter anderem Hubert Messner, Christian Kofler, Claudio Corrarati, Ulrich Seitz, Cristian Ripoli, Guido Singer, Andreas Conca, Claudio Graiff, Laura Battisti, Alexander Steiner und Luca Calabrese sowie Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Akteure aus dem Gesundheits- und Sozialbereich. Die Beiträge verdeutlichten das Potenzial Südtirols, Institutionen, Bildungseinrichtungen und Zivilgesellschaft gewinnbringend zu vernetzen und erweiterte Versorgungsmodelle in der Praxis zu erproben. „Trame di Cura“: Kunst und Gastronomie im Dienste der Genesung Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildete das Projekt „Trame di Cura“, das die Wechselwirkung von Krankheit, Identität und Heilung thematisierte. Die Fotoausstellung von Bruno Barillari portraitierte Patientinnen und Patienten und verstand sichtbare Narben als biografische Zeugnisse statt als Makel. Parallel dazu widmete sich das Show-Cooking „Percorsi di velluto“ des Südtiroler Sternekochs Herbert Hintner dem Krankheitsbild der Dysphagie (Schluckstörung). Das gemeinsam von Paola Cortese und Luca Calabrese initiierte Projekt zeigte auf, wie kulinarische Angebote auch bei Einschränkungen Lebensqualität, Genuss und gesellschaftliche Teilhabe fördern können. Künstlerischer Abschluss mit Alessandro Bergonzoni Den Höhepunkt der Tagung bildete der Beitrag des Künstlers und Autoren Alessandro Bergonzoni. Unter dem Titel „Sciamanumanesimo ed indimostrabilianza. Alla ricerca dell’immedesimazione. Ad arte“ verknüpfte er sprachtheoretische und theatrale Elemente, um Pflege als Akte der Empathie, Kultur und gesellschaftlichen Verantwortung verständlich zu machen. Sein langjähriges Engagement für das Behandlungszentrum „Casa dei Risvegli Luca De Nigris“ verlieh seinen Ausführungen besondere Tiefe. Dank an Partner und Unterstützer Die Ausrichtung der Tagung wurde durch eine breite Kooperation ermöglicht. „Unser Dank gilt dem Südtiroler Sanitätsbetrieb, der Autonomen Provinz Bozen sowie der Stadtgemeinde Bozen für die Schirmherrschaft und Unterstützung“, erklärten Silvia Fontanive und Stella Turian, die durch das Programm führten. Wertvolle Impulse steuerten zudem die Organisationen des dritten Sektors bei, darunter die Verbände Peter Pan, NEMO, UPAD und die Vereinigung Salvatore Calabrese. Für die finanzielle und logistische Unterstützung dankten die Veranstalterinnen den Sponsoren Verlingue Assicurazione, Zelger Hörakustik, Aurora Biofarma, der Emilio-Comici-Hütte sowie Speck Südtirol. Zum Abschluss herrschte unter den Teilnehmenden Einigkeit: Die Humanisierung der Pflege erfordert die Anerkennung des Individuums hinter der Diagnose – samt seiner Geschichte, seinen Bedürfnissen und seinem sozialen Umfeld. Der Fachtag in Bozen setzte damit einen klaren Impuls, Pflege als integralen Bestandteil einer gelebten Gemeinschaftskultur zu verankern.