Meran - Die Stadtverwaltung von Meran entwickelt derzeit ihre Methode zur Bewertung von Stadtbäumen weiter. Künftig sollen einzelne Bäume und Baumgruppen nicht nur hinsichtlich ihres Zustands, sondern auch im Zusammenhang mit ihrem städtischen Umfeld, möglichen Risiken und den Folgen möglicher Schäden beurteilt werden. Grundlage sind die Prinzipien der Norm "UNI ISO 31000" zum Risikomanagement. "Der Baumbestand von Meran ist eines der wertvollsten Elemente der Stadtlandschaft und trägt maßgeblich zur Lebensqualität und Nachhaltigkeit der Stadt bei", erklärt Umweltreferentin Antonella Costanzo. Gleichzeitig würden begrenzte Wurzelräume, verdichtete Böden, unterirdische Infrastruktur und die Folgen des Klimawandels die Pflege der Bäume zunehmend erschweren. Kontrollen, Fällungen und Neupflanzungen In Meran sind rund 8. 067 Bäume erfasst, davon werden 6. 803 im Rahmen eines speziellen Programms überwacht. Im Jahr 2025 wurden 2. 869 fachliche Kontrollen durchgeführt, für 2026 sind 2. 191 vorgesehen. 2025 wurden rund 85 Bäume gefällt und 115 neue gepflanzt. 2026 waren bis Ende August 43 von insgesamt 100 geplanten Fällungen durchgeführt worden. Im Frühjahr kamen bereits 61 Neupflanzungen hinzu, für den Herbst sind weitere vorgesehen. Insgesamt werden für 2026 rund 79 neue Bäume – als Neu- und Ersatzpflanzungen – erwartet. Die Stadt betont, dass notwendige Fällungen Teil einer umfassenderen Erneuerung des Baumbestands sind. Nicht mehr ausreichend stabile Bäume sollen durch klimaresilientere und für das städtische Umfeld geeignete Arten ersetzt werden. Mehr Vielfalt und gezieltere Bewertungen Bei den Neupflanzungen soll künftig stärker auf Baumarten gesetzt werden, die sowohl längere Trockenperioden und Hitze als auch die winterlichen Bedingungen des Alpenraums vertragen. Gleichzeitig sollen möglichst keine langen, ausschließlich aus einer Baumart bestehenden Alleen mehr angelegt werden. Eine größere Artenvielfalt soll verhindern, dass Schädlinge oder Krankheiten ganze Baumreihen gefährden. Stadtverwaltung und Stadtgärtnerei wollen zudem stärker zwischen einzelnen Fällen unterscheiden. "Ein Nullrisiko gibt es bei lebenden Organismen nicht", erklärt Marco Masin, Leiter der Dienststelle für Grünanlagen und Umwelt. Ziel sei es, Risiken verantwortungsbewusst und transparent zu bewerten und dabei die Sicherheit der Bevölkerung mit dem Schutz der öffentlichen Grünflächen in Einklang zu bringen. Mehrere Pappelbestände in Meran wurden bereits nach dieser neuen Methodik untersucht. Während bei einzelnen Bäumen Fällungen aufgrund von Schäden oder mangelnder Vitalität notwendig sind, können andere Exemplare vorerst erhalten bleiben und weiter überwacht werden. So sollen ökologische und landschaftliche Werte ebenso berücksichtigt werden wie Sicherheitsaspekte. "Es gibt keine Lösung, die für alle Bäume gleichermaßen gilt", fasst Baumexperte Niccolò Fornasini zusammen. Entscheidend sei eine genaue Bewertung jedes einzelnen Baumes und seines Umfelds. Je nach Ergebnis sollen Bäume erhalten und überwacht oder, wenn das Risiko als nicht mehr vertretbar eingestuft wird, ersetzt werden.